Gasumlage und Co.

Explodierende Energiepreise: Hammer Firmen-Chef sieht für Mittelstand schwarz - „Rote Linie überschritten“

+
High-Tech made in Hamm: Blick in die Nibotec GmbH an der Banningstraße.
  • schließen

Privatleute und vor allem lokale Betriebe ächzen unter den exorbitant gestiegenen Energiekosten. Den Firmen stehe das Wasser bis zum Hals, sagt Unternehmer Werner Nimmert.

Hamm – Es geht nicht allein um die Gasumlage. Die Energiekosten sind in Gänze explodiert, und das wird nicht nur die Privathaushalte in Hamm, sondern auch die hier ansässigen Betriebe erheblich treffen. Tiefschwarz ist die Farbe, mit der Werner Nimmert das Bild für die Zukunft der Mittelständler malt.

Pleiten werde es geben, jede Menge, und das schon ziemlich kurzfristig sagt der Geschäftsmann aus Hamm und sendet einen verzweifelten Hilferuf: „Wir können nicht mehr.“

Einer der 50 größten Gewerbekunden in Hamm

Werner Nimmert ist einer derjenigen, die im Frühjahr Post von den Stadtwerken bekamen. Die erste Gaswarnstufe stand Ende März kurz vor der Ausrufung durch die Bundesregierung, und der heimische Energieversorger hatte die 50 größten Gewerbekunden in Hamm auf die drohende Gasmangellage hingewiesen.

Nimmert, Gesellschafter und Geschäftsführer der „Nibotec Fertigungstechnik GmbH“ an der Banningstraße, nahm durchaus ernst, was das geschrieben stand.

Gestartet als Zwei-Mann-Betrieb, jetzt weltweit gefragt

Vor 25 Jahren hatte der 58-Jährige das Unternehmen als Zwei-Mann-Betrieb gegründet. Heute stellt er unter anderem Schmiedemaschinen, Förderanlagen für Gold- und Diamantenminen und Paketrutschen für Logistiker her. Die Kundschaft ist auf dem ganzen Globus verteilt. Die Auftragsbücher seien voll, High-Tech made in Hamm stehe weltweit hoch im Kurs, sagt Nimmert.

Auf den „Brandbrief“ der Stadtwerke reagierte der Geschäftsmann umgehend. Weg vom teuren Gas, lautete die Devise an der Banningstraße. Die energie-intensive Produktion wurde umgestellt auf Strom und Erdöl. Im Laufe des Sommers wurde die Umrüstung vollzogen.

Photovoltaik-Umrüstung: Genehmigung dauert zwei Jahre

Nimmer hätte auch gerne auf Photovoltaik umgerüstet. Eine 500-kWh- oder noch lieber 800-kWh-Anlage hätte er sofort in Auftrag gegeben. Auch heute noch würde er das tun. „Aber allein die Genehmigung durch die Behörden dauert hierzulande zwei Jahre. Warum eigentlich?“, ärgert sich der Geschäftsmann.

Die böse Überraschung folgte jetzt mit der Stromrechnung. 900 Prozent mehr werden von ihm verlangt. „Das ist eine Katastrophe. Das bedeutet für mich 30 bis 40 Prozent Mehrkosten. Wer kauft mir da noch meine Produkte ab?“, fragt der Unternehmer.

Brandbrief im Netz, bald Demo auf der Straße?

Vielen anderen gehe es genau so wie ihm. Alle Klein- und mittelständischen Unternehmen stehe das Wasser bis zum Hals. Am Wochenende setzte Nimmert über soziale Netzwerke ebenfalls einen Brandbrief in die Welt. „Die rote Linie ist überschritten“, schreibt er darin. „Wenn wir jetzt nicht unsere Stimme erheben, wird sich unser Land davon nicht mehr erholen.“

Ein Treffen mit anderen Unternehmern will Nimmert organisieren, notfalls auch auf der Straße demonstrieren. „Die müssen mit uns reden“, lautet seine Forderung an Politik und Lobby-Verbände.

Kommentare