Nur noch vier Apotheken im Stadtbezirk Uentrop

Fachkräftemangel: Aus für Ost-Apotheke nach 65 Jahren

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Das Gitter vor dem Eingang bleibt geschlossen: Die Ost-Apotheke an der Ostenallee/Ecke Hirschgraben ist seit dem Jahresende geschlossen und bleibt es auch.
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Die Bushaltestelle heißt immer noch Ost-Apotheke, aber die Apotheke gibt es nicht mehr. Bereits zum Jahresende hat Inhaberin Alexandra Schulte sie geschlossen. „Fachkräftemangel“, sagt sie über den Grund. Nunmehr zählt der Stadtbezirk Uentrop nur noch vier Apotheken.

Hamm-Osten – Eine Bushaltestelle nach der Apotheke zu benennen, spricht für die Bedeutung des Versorgungsstandorts an der Ostenallee/Ecke Hirschgraben. Fritz Küttner hatte sie 1957 eröffnet. Bis 1961 war hier die Endstation der Straßenbahn, so lange hieß die Haltestelle dort Kronenburg, benannt nach dem einstigen Hotel-Restaurant. Doch was nutzt einem so ein bekannter Name, wenn die Arbeit zu viel wird.

„Ich hatte niemanden, der mich regelmäßig vertritt“, sagt Apothekerin Alexandra Schulte. Als solche habe sie „alles allein gestemmt, mit Notdienst und allem, was dazugehört, und das seit Corona“. Urlaub war im vergangenen Jahr nicht möglich, und im Jahr davor „mal eine Woche“. Die Dauerbelastung zeigte Wirkung. „Irgendwann ist es mal zu viel. Ich musste Konsequenzen ziehen.“ Sie sei froh, den Schritt gemacht zu haben.

Der Verkauf in der Apotheke endete bereits Mitte Dezember, via Telefon war die Apotheke noch zu erreichen. Zum Jahresende war dann endgültig Schluss. „Ich habe nicht nur keine Vertretung gefunden“, sagt Schulte, „sondern auch keinen Nachfolger“ – kurzum, Fachkräftemangel.

Ost-Apotheke in Hamm-Osten geschlossen

Die Apotheke ist zu, aber für das Team geht es weiter. Die drei pharmazeutisch-technischen Assistentinnen und zwei Aushilfsfahrer seien „meines Wissens“ alle woanders untergekommen, sagt Schulte.

Das plant sie auch für sich. Nachdem sie 13 Jahre in Arnsberg und achteinhalb Jahre in Hamm-Osten Inhaberin war, will sie in einer anderen Apotheke weitermachen. „Das, was ich mir gewünscht habe, mache ich dann für andere“, sagt sie über sich als künftige Vertreterin in einer Apotheke.

Zukunft des Geschäftslokals in Hamm-Osten noch offen

Was mit dem Ladenlokal passiert, steht noch nicht fest. „Alles noch offen“, sagt Schulte, die das Geschäft gepachtet hatte. Doch nach ihren bislang vergeblichen Versuchen, einen Nachfolger zu finden, dürfte sicher sein, dass die Apotheken-Geschichte an der Ostenallee 127 nach rund 65 Jahren beendet ist.

Von Küttner hatte seinerzeit Ulrich Reinhardt das Geschäft übernommen, 2011 folgte Vera Zerle.

Noch vier Apotheken im Hammer Osten

Neben der medizinischen Versorgung verschlechtert sich auch die pharmazeutische im Stadtbezirk Uentrop. Vor wenigen Jahren gab es im Hammer Osten noch sechs Apotheken. Nach dem Aus für die letzte Hausarztpraxis im Uentroper Dorf machte im April 2020 die einzige Apotheke (Nikolaus) im Ort zu. Nach der Schließung der Ost-Apotheke unweit des Kurparks sind es mit Jahresbeginn noch vier Apotheken im Stadtbezirk.

Verblieben sind als feste Anlaufstellen, wo Kunden Medikamente und mehr bekommen: in Hamm-Osten die Paracelsus-Apotheke am Alten Uentroper Weg/Papenweg, in Werries die Maxi-Center-Apotheke im großen Einkaufszentrum in der Bezirksmitte und, etwas weiter, die Glückauf-Apotheke am Alten Uentroper Weg sowie in Braam-Ostwennemar die Maximilian-Apotheke an der Soester Straße. Wer allerdings nicht mobil ist, kann Bringdienste in Anspruch nehmen. 

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