Hammer Unternehmensjubiläum

Rullko feiert die Doppel-Null: Beständigkeit seit 100 Jahren

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Mit Bohnen und Konserven fing 1923 alles an. Sie gehören 100 Jahre später noch immer zum Sortiment des von Marie-Christine Ostermann geführten Familienunternehmens.
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Das Familienunternehmen Rullko feiert am 22. September sein Firmenjubiläum und blickt auf eine 100-jährige Geschichte zurück. Mit Konserven und Bohnen fing alles an, und die gibt es auch heute noch. Aber das ist nur ein kleines Zeichen von zehn Jahrzehnten Beständigkeit am Markt.

Hamm – Als Carl Rullkötter 1923 am Hellweg seine Lebensmittel-Großhandlung mit Kaffeerösterei gründete, wird er zweifellos die Vision eines modernen Unternehmens im Sinn gehabt haben. Dass Fahrräder und Pferdekutschen als Transportmittel irgendwann ausgedient haben würden, mag er sich vorgestellt haben. Dass 100 Jahre später das damals noch nicht existente Wort „digital“ eine entscheidende Rolle spielen würde, war allerdings reine Science Fiction. Am 22. September feiert das Familienunternehmen in nunmehr vierter Generation das runde Jubiläum.

Urenkelin Marie-Christine Ostermann, seit 2017 alleinige operative Geschäftsführerin von Rullko, schaut mit Stolz auf die Unternehmensgeschichte zurück und weiß gleichzeitig um die Herausforderungen, die Gegenwart und Zukunft mit sich bringen. Nachhaltiges Wirtschaften in globalen Krisenzeiten, CO2-Neutralität, Fachkräftemangel, Investitionen: Abseits von den rund 20 000, teils speziell für die Kunden zugeschnittenen Produkten im Rullko-Sortiment managt die Diplom-Kauffrau eine Vielzahl von Aufgabenfeldern.

„Hamm ist ein attraktiver Standort“

Auf rund 82 Millionen Euro beziffert sie den Jahresumsatz 2022. In der Pandemie seien es 62 Millionen gewesen. Corona habe das Unternehmen ohne große Schäden überstanden. Aus eigener Kraft und durch kluges Wirtschaften, wie Ostermann sagt. „Unternehmen müssen grundsätzlich aus eigener Kraft ohne Subventionierung erfolgreich sein können“, so die Unternehmerin. Hamm sei ein attraktiver Standort, man müsse alles dafür tun, dass Unternehmen am Standort blieben.

Um das Unternehmen, das Lebensmittel aller Art und Non-Food-Artikel an Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie in ganz Deutschland liefert, im Wettbewerb aufzustellen, laufen viele Prozesse inzwischen online: das Bestellsystem ebenso wie die Menü-Planung für die Abnehmer bis zu sechs Wochen im voraus. Digital erfassen lasse sich alles – von den Zusatzstoffen bis zum CO2-Ausstoß pro Gericht. Auch der Außendienst sei inzwischen umgestellt und betreue Kunden am Rechner und Telefon, statt tausende Kilometer durch Deutschland zu fahren. Der Einsatz künstlicher Intelligenz werde allein aufgrund des Personal- und Fachkräftemangels immer mehr zur Alternative werden müssen, sagt Ostermann.

Dem Jahr 2027, wenn die Babyboomer in Rente gehen, blicke sie mit Sorge entgegen. Früher hätten sich Hunderte Bewerber für die Ausbildung gemeldet, jetzt seien es gerade einmal rund zehn. „Wir müssen in die Bildung und digitales Lernen investieren“, sagt Ostermann. „Und es ist wichtig, dass in Familien beide Elternteile vollzeit arbeiten können. Die Stadt mit ihrer Kitaplanung bietet gute Voraussetzungen.“

Historischer Fuhrpark: Vom Hellweg erfolgte die Belieferung des Einzelhandels.

Als Leiterin eines Unternehmens halte sie es für absolut wichtig, familiär miteinander umzugehen und auch in privaten Belangen so weit möglich Lösungen zu finden. Das habe immer schon zur Unternehmenskultur gehört. Ihre Urgroßmutter aus der Gründergeneration, die für Ostermann in vielerlei Hinsicht Vorbildcharakter hat, habe zwar im Ruf gestanden, „sehr resolut“ aufgetreten zu sein, doch sie sei auch stets wertschätzend gegenüber den Mitarbeitern gewesen.

Ostermann entschied sich schon mit 16, in ihre und die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Aus freien Stücken, wie sie sagt. „Ich liebe, was ich tue. Ich kann mir nichts anderes vorstellen und würde auch nichts anderes machen wollen“, sagt sie. „Es gibt mir Zuversicht, dass uns über zehn Jahrzehnte lang Beständigkeit ausgezeichnet hat und wir die Aufgaben immer gemeistert haben.“

Carl-Dieter Ostermann: Über 40 Jahre bis 2017 war der Enkel der Gründer in der operativen Geschäftsführung.

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens lädt das Unternehmen am 22. September tagsüber zu einer Großverbraucher-Messe in die Zentralhallen ein. Im Anschluss findet dort die Festveranstaltung statt. Über 1000 Gäste werden erwartet.

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