VonVolker Grieseschließen
Dem Autofelgenhersteller Superior Industries Production GmbH droht die Insolvenz. Das Unternehmen, dessen Räder weltweit rollen, möchte sich nach dem sogenannten Schutzschirmverfahren sanieren. Betroffen ist neben dem deutschen Stammsitz in Bad Dürkheim auch der Produktionsstandort in Werdohl, wo vor vier Jahren noch mehr als 500 Arbeitskräfte beschäftigt und große Investitionen geplant waren.
Werdohl / Bad Dürkheim – Superior Industries Production, führender europäischer Hersteller von qualitativ hochwertigen Aluminiumrädern, hat am 31. August beim Amtsgericht Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz) einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren gestellt. Der Geschäftsführer Sven Damm bleibt im Amt, ist weiterhin uneingeschränkt handlungs- und weisungsbefugt und soll den Sanierungsprozess steuern. Er wird dabei durch den erfahrenen Sanierungsexperten Maximilian Funk unterstützt, der als Chief Restructuring Officer, also als unterstützender Spezialist für die Neuaufstellung des Unternehmens, in die Geschäftsführung eingetreten ist.
Das Amtsgericht in Neustadt hat die vorläufige Eigenverwaltung genehmigt und damit dem Unternehmen die Sanierungsfähigkeit attestiert. Ein Rechtsanwalt aus Koblenz wurde zum vorläufigen Sachverwalter bestellt. Er wird im Auftrag des Gerichts die Geschäftsführung im Rahmen des gerichtlichen Sanierungsverfahrens beaufsichtigen und dieses konstruktiv im Interesse der Gläubiger begleiten. „Unser Ziel ist es, unser Unternehmen im Rahmen des Schutzschirmverfahrens zu restrukturieren, effizient sowie wettbewerbsfähig aufzustellen“, wird Geschäftsführer Sven Damm in einer Mitteilung von Superior Industries zitiert. Sicher zu sein scheint: Vom Ausgang des Schutzschirmverfahrens hängt auch das Schicksal des Werks in Werdohl mit derzeit etwas mehr 400 Mitarbeitern ab.
Das Schutzschirmverfahren
Das Schutzschirmverfahren ist seit 2012 eine besondere Verfahrensart des deutschen Insolvenzrechts. Es handelt es sich um ein Verfahren zur Sanierung des Unternehmens in Eigenverwaltung. Es verbindet die vorläufige Eigenverwaltung mit dem Ziel der Vorlage eines Insolvenzplans innerhalb von drei Monaten, um hierdurch eine Sanierung des Unternehmens zu erleichtern. Voraussetzungen für eine Sanierung unter dem Schutzschirm sind die Überschuldung oder drohende Zahlungsunfähigkeit des Schuldners. Ist die Zahlungsunfähigkeit bereits eingetreten, ist ein Schutzschirmverfahren ausgeschlossen. Dank der hohen Eintrittshürden ist das Verfahren sehr erfolgsversprechend und wirkt sich in der Regel erhöhend auf die Insolvenzquote aus.
Der Geschäftsbetrieb der Produktionsstätte im Werdohler Gewerbegebiet Dresel werde während des Sanierungsverfahrens aber uneingeschränkt fortgeführt, heißt es in der Mitteilung weiter. Superior Industries werde seine Kunden auch weiterhin vollumfänglich beliefern, versicherte das Unternehmen. „Für uns hat die gute und vertrauensvolle Kundenbeziehung zu unseren OEM-Partnern (d.h. Erstausrüster, Anm.d.Red.) oberste Priorität. Auch während des Schutzschirmverfahrens werden wir zuverlässig und pünktlich Räder von höchster Qualität liefern“, sagte Geschäftsführer Maximilian Funk laut Unternehmensmitteilung.
Löhne und Gehälter vorerst gesichert
Die Löhne und Gehälter der 420 Beschäftigten seien in den nächsten drei Monaten – September, Oktober und November – durch Zahlungen der Bundesagentur für Arbeit gesichert, teilte das Unternehmen weiter mit. Geplant sei, dass Superior Industries nach Ablauf der drei Monate die Löhne und Gehälter wieder aus eigenen Mitteln zahlen wird.
Superior Industries International, die Muttergesellschaft von Superior Industries Production, hatte vor vier Jahren noch eine groß angelegte Modernisierung und Erweiterung des Werdohler Werkes angekündigt. Bis zu 65 Millionen Euro sollten investiert werden, um es zum Leitwerk in Europa auszubauen. Der damalige Vorstandsvorsitzende Dr. Wolfgang Hiller hatte von einer „Standortsicherung für die nächsten 20 Jahre“ gesprochen. Da hatte die Alufelgenfabrik, die vormals unter Uniwheels und noch früher unter der Marke ATS firmierte, bereits eine wirtschaftliche Achterbahnfahrt hinter sich: Nach einem Jahresverlust von rund 7 Millionen Euro im Jahr 2012 und der Übernahme durch Superior Industries im Frühjahr 2018 hatte ein Jahresgewinn von mehr als 22 Millionen Euro zu Buche gestanden.
Die angekündigte Erweiterung und Modernisierung setzte Superior Industries mit kleinen zeitlichen Verzögerungen um. Sogar eine weitere Investition in Höhe von etwa 16 Millionen Euro bis zum Jahr 2024 wurde angekündigt, allerdings auch der Abbau von etwa 120 Arbeitsplätzen im gleichen Zeitraum. Auf Nachfragen zum Stand der Arbeiten reagierte das Unternehmen dann aber irgendwann nicht mehr.
Auf der Personalebene rumorte es schon seit einiger Zeit bei Superior Industries. Im vergangenen Jahr sind einige leitende Mitarbeiter aus dem Unternehmen ausgeschieden, darunter auch der Präsident der Superior Industries Europe AG, Andreas Meyer. Anfang 2023 ging mit Simone Maier-Paselk die Vize-Präsidentin für den Aftermarkt von Bord – nach fast 30 Jahren.
In den vergangenen Jahren habe sich die Superior Industries sowohl operativen als auch finanziellen Herausforderungen gegenüber gesehen, die durch höhere Kosten (Material, Energie, Personal, Produktion und Lieferung) sowie eine gedämpfte Nachfrage seitens der europäischen Automobilhersteller in Deutschland noch verschärft worden seien. Gestiegene Preise und Fahrzeugkosten, Inflation und Rezessionsängste sowie erheblicher Druck auf die Lieferketten belasteten Superior Industries und die gesamte Branche weiterhin, hieß es jetzt von Unternehmensseite. Insbesondere die erheblichen Kostensteigerungen hätten bisher nicht durch entsprechende Kostensenkungsmaßnahmen kompensiert werden können. Das Management habe umgehend versucht gegenzusteuern, um die Mehrkosten konsequent zu senken. Dennoch hätten die Maßnahmen insgesamt nicht ausgereicht, um Superior Industries wieder wirtschaftlich stabil aufzustellen.
Die insolvente Superior Industries Production gehört zur Unternehmensgruppe der Superior Industries International mit Sitz in den USA. Das Schutzschirmverfahren betrifft ausschließlich die Superior Industries Production GmbH. Die Betriebe und Produktion der Gruppe in den USA, Mexiko und Polen seien nicht betroffen, betonte das Unternehmen. Die anderen Betriebe in Deutschland und das Aftermarket-Geschäft seien ebenfalls nicht Teil des gerichtlichen Sanierungsverfahrens.

