- VonHolger Krahschließen
Es war einer der Höhepunkte des „Day of Song“ Mitte Juni in Hamm: der Flashmob im Maxipark. Hier stimmten über 100 Sängerinnen und Sänger – angeführt vom WDR Rundfunkchor – das Steigerlied an. Jetzt hat der WDR dazu ein Video veröffentlicht, und die vielen Hammer Aktiven sind sich einig: Das Mitmachen hat sich gelohnt.
Hamm - „Das war ein Riesenaufwand für dreieinhalb Minuten“, erinnert sich Werner Granz, Chorleiter von Cantate ‘86, einem vom vier Hammer Chören, die an der Aktion beteiligt waren. Mehr als ein halbes Dutzend Kamerateams war im Einsatz, selbst aus dem Kopf des Elefanten wurde gefilmt und eine Drohne sorgte für Aufnahmen aus der Luft. Kein Wunder, mussten doch fünf Chöre in Szene gesetzt werden: der WDR Rundfunkchor sowie aus Hamm Cantate ‘86, der Konzertchor des Städtischen Musikvereins Hamm, der Jugendchor Cantorina und der Erwachsenenchor Cantus Hammona der Städtischen Musikschule.
Granz hatte genau wie seine Chorleiterkollegen Lothar Mayer und Tjark Baumann einen kleinen Kopfhörer mit dem Lied im Ohr, damit auch wirklich alle Beteiligten synchron sangen. Denn wie bei einem Flashmob üblich standen nicht alle 100 Sänger als großer Chor zusammen, sondern für die Parkbesucher überraschend kamen die Sänger aus verschiedenen Ecken des Maxiparks und das Steigerlied baute sich mit immer mehr Sängern auf.
Im Video ist das liebevoll umgesetzt und man sieht, wie verdutzt die Menschen waren, die bei 37 Grad ein wenig Kühle im Park gesucht hatten. Eine Frau spielt das Steigerlied an einem historischen Leierkasten, ein Eisverkäufer reicht Eis aus einer Eistruhe und ein Kellner serviert Getränke, die Besucher genießen das Treiben. Plötzlich stimmen zwei Männer das Steigerleid an und nach und nach stimmen immer mehr Menschen ein – darunter auch zwei vermeintliche Gärtnerinnen, die mit Gartenschere aus dem Labyrinth hervortreten.
Im Gehen den Takt und Rhythmus halten
Sie alle entpuppten sich als Mitglieder des WDR Rundfunkchores, dazu kamen die Hammer Mitwirkenden. „Jeder unserer vier Hammer Chören hatte einige WDR-Sänger als Führungsstimmen, an denen wir uns orientieren konnten“, erläutert Musikschul-Chorleiter Baumann. Denn anders als alle WDR-Sänger hatten die Hammer keinen Knopf im Ohr.
„Wir Dirigenten sollten uns zurückhalten“, erinnert sich Granz an die Vorgabe des WDR, doch nach dem ersten Versuch stellte sich heraus, dass die Nichtprofis schon das Dirigat zur Orientierung brauchten. „Schließlich mussten wir beim Gehen den Takt und Rhythmus halten“, verdeutlicht Baumann.
Wer aus welcher Ecke des Parks überraschend hervorkommt und welcher Sänger in welchem Takt einsetzt, war vorher in der Maxihalle mit dem WDR abgesprochen worden. Der hatte auch schon Monate zuvor die Noten samt einer Audiodatei mit dem vom Rundfunkchor eingesungenen Steigerlied den Hammern zukommen lassen. „Wir haben uns mit allen vier Chören zuvor auch für zwei Gesamtproben getroffen. Das hat uns als Hammer Chöre noch mehr zusammengeschweißt“, sagt Baumann.
Den großen Spaß sieht man allen Beteiligten in dem Video an. „Das war wirklich eine schöne Erfahrung. Meine Chorsänger waren alle nach dem Day of Song und dem Flashmob total happy“, sagt Lothar Mayer. Die Aktiven des Konzertchors des Städtischen Musikvereins, die ja sonst ganz andre Literatur singen, hätten die Aktion sehr genossen.
Und das gilt auch für einen Hammer, der gar kein Sänger ist: Stephan Mohr durfte als Ortsheimatpfleger und Vorsitzender des Knappenvereins „Glück Auf“ Maximilian-Werries sogar in eine kleine Schauspielrolle schlüpfen und ist am Ende des Videos prominent zu sehen.
Für mich als ehemaliger Bergmann war es berührend, die Reaktion der Parkbesucher zu sehen, von denen einige mit offenem Mund den Sängern zuhörten, aber auch viele sofort mit ins Steigerlid einstimmten.
„Für mich als ehemaliger Bergmann war es berührend, die Reaktion der Parkbesucher zu sehen, von denen einige mit offenem Mund den Sängern zuhörten, aber auch viele sofort mit ins Steigerlid einstimmten.“ Dass die Bergmannstradition zwölf Jahre nach Schließung der letzten Zeche in Hamm immer noch so verankert bei den Menschen sei, sei für ihn etwas ganz Besonderes.
Für Tjark Baumann ist diese Reaktion eine Bestätigung für das Flashmobprojekt, das die Musikschule angestoßen und damit beim WDR offenen Türen eingerannt habe. „Das Steigerlied im Maximilianpark als ehemaligem Zechenstandort anzustimmen – das war der perfekte Ort für diesen Flashmob.“
Der Flashmob im Maxipark war nur einer der Höhepunkte des „Day of Song“ in Hamm. In der ganzen Stadt wurde gesungen - vom Marktplatz über das Kleist-Forum bis zur Konrad-Adenauer-Realschule


