Militärflugplatz in NRW

Fliegerhorst Nörvenich: Alles, was Sie über Flughafen, Geschichte und Flugzeiten wissen müssen

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Regelmäßig starten Eurofighter vom Fliegerhorst Nörvenich. (Archivbild)
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Der Fliegerhorst Nörvenich ist ein Militärflughafen bei Nörvenich. Seit 1955 dient er als Niederlassung der deutschen Luftwaffen-Lehrkompanie.

Nörvenich – Bis zum Sommer 2022 waren auf dem Fliegerhorst Nörvenich 30 Eurofighter Typhoon stationiert. Im Juni wurden zusätzlich übergangsweise 25 Kampfbomber vom Typ Tornado und zeitweise bis zu 450 zusätzliche Soldaten und zivile Mitarbeiter vom Rheinland-Pfälzischen Büchel zum Fliegerhorst Nörvenich im Kreis Düren versetzt. Der Ursprungsstandort wird aufgrund von Bauarbeiten bis voraussichtlich 2026 nicht nutzbar sein. Damit hat sich die Anzahl der in Nörvenich stationierten Flugzeuge fast verdoppelt – rund 50 Kilometer von Bonn und Köln entfernt.

BezeichnungFliegerhorst Nörvenich
Adresse/Standort\tFliegerhorst, 52388 Nörvenich
Eröffnung1954
BetreiberLuftwaffe (Bundeswehr)
07/25 (Start- und Landebahn)2439 m × 45 m Asphalt
Koordinaten50° 49′ 52″ N, 6° 39′ 29″ O
Höhe über Meeresspiegel118 m (387 ft)
ICAO-CodeETNN

Fliegerhorst Nörvenich: Geschichtsträchtiger Militärflugplatz im westlichen NRW

Gebaut wurde der Militärflugplatz in Nörvenich als Reaktion der britischen Besatzungszone auf den Beginn des Kalten Krieges. Daher rührt auch die Stationierung des Flugplatzes im westlichen Nordrhein-Westfalen, um eine möglichst große Distanz zum „Eisernen Vorhang“ zu gewinnen.

Nachdem von starken Protesten begleiteten Bau 1953/54 diente der Fliegerhorst somit vorerst als Niederlassung der britischen Royal Air Force (RAF), bevor bereits zwei Jahre später die Übergabe an den ersten Bundesverteidigungsminister Theodor Blank erfolgte. In Folge wurde der Fliegerhorst Nörvenich am 8. Dezember 1955 zum Standort der Verwaltungsstelle für die 1. Luftwaffen-Lehrkompanie der kurz zuvor gegründeten Bundeswehr. Dieses Ereignis gilt heute als Geburtsstunde der bundesdeutschen Luftwaffe.

Eurofighter, Tornado, A350: Diese Flugzeuge gibt es bei der Bundeswehr

Deutsche Tornado-Kampfjets auf dem Rückflug aus dem Irak
Der Jagdbomber Panavia 200 Tornado hat bald ausgedient, da die Maschinen des bis 1998 produzierten Flugzeugs so langsam das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Den Flieger gibt es bei der Bundeswehr in drei Varianten: Tornado IDS (Basisversion), Tornado ECR (bewaffnete Aufklärungsversion), Tornado Recce (unbewaffnete Aufklärungsversion). Das gemeinsam von Deutschland, Großbritannien und Italien entwickelte Mehrkampfflugzeug soll in Zukunft unter anderem durch F-35A aus amerikanischer Produktion ersetzt werden. © Luftwaffe/dpa
Ein Eurofighter startet auf dem Flugplatz Laage bei Rostock zu einem Übungsflug
Der derzeit modernste Kampfjet in den Reihen der Bundeswehr: der Eurofighter Typhoon. Bis zu 2.901,78 km/h schnell wird das gemeinsam von Deutschland, Großbritannien, Spanien und Italien entwickelte Flugzeug. Bis 2025 soll die vierte Tranche des Kampfjets ausgeliefert werden und damit die Eurofighter der Tranche 1 (Indienststellung: 2004) in den Beständen der Luftwaffe ersetzen. © Jens Büttner/dpa
Der Airbus A350-900 „Konrad Adenauer“ vor der Dienstreise von Bundeskanzler Olaf Scholz nach Lateinamerika am Flughafen Berlin-Brandenburg
Der Airbus A350-900 ist derzeit der größte und modernste Regierungsflieger der Bundeswehr. Insgesamt drei Exemplare des Großraumjets sind für die Flugbereitschaft im Einsatz. Ihre prestigeträchtigste Aufgabe ist der VIP-Transport des politisch-parlamentarischen Führungspersonals. © Kay Nietfeld/dpa
Ein roter Teppich wird vor dem Airbus A340 der Flugbereitschaft der Bundeswehr auf dem Flughafen Adisumarmo (Surakarta) in Indonesien ausgerollt
Die Airbus A340-300 war das Vorgängermodell die A350-900 bei der Flugbereitschaft der Bundeswehr. Nachdem es im Jahr 2018 zu vermehrten technischen Problemen mit den Großraumjets kam, wurde die Anschaffung der Nachfolger beschlossen. Die A340-300 bleibt derzeit allerdings noch parallel zum Nachfolgemodell im Dienst, nicht zuletzt deswegen, da noch nicht alle A350-900 mit einer vollumfänglichen Regierungskabine ausgestattet sind. © Raphael Huenerfauth/photothek/imago
Eine Airbus A400M vor dem Abflug vom Fliegerhorst Wunstorf, um Hilfsgüter für Opfer der Erdbebenkatastrophe in der Türkei und Syrien auszuliefern
Das Transportflugzeug Airbus A400M dient der Verschickung von Personal und Material. Bis zu 114 Soldaten finden in der Maschine Platz, die aber auch schwereres Gerät wie den Schützenpanzer Puma transportieren kann. Mit den Maschinen wurden auch Hilfsgüter für die Opfer der Erdbebenkatastrophe in der Türkei und Syrien im Februar 2023 ausgeflogen. © Moritz Frankenberg/dpa
Ein Transportflugzeug C-130J der Israeli Air Force wirft Frachtkisten an Fallschirmen über Israel ab
Das Transportflugzeug C-130J gibt es sowohl in der Tankerversion KC-130J als auch in der Transportversion C-130J-30 Super Hercules. Die Transportversion bietet Platz für bis zu 128 Personen oder 92 Fallschirmjäger oder acht Frachtpaletten und kann auch auf kurzen Pisten und auf unbefestigtem Untergrund starten und landen. Die Tankerversion kann Jets und Hubschrauber am Boden und in der Luft auftanken. Das Bild zeigt eine C-130J der Israeli Air Force im Einsatz © Ofer Zidon/imago
Eine Airbus A319CJ auf dem Flugfeld von oben
Die Airbus A319CJ ist ein weiteres Flugzeug in den Diensten der Flugbereitschaft der Bundeswehr. Seit Sommer 2010 verfügt sie über zwei Corporate Jetliner dieses Typs. Die Maschinen werden für VIP-Transporte des politisch-parlamentarischen Führungspersonals auf Kurz- und Mittelstreckenflügen eingesetzt und bieten Platz für bis zu 44 Personen. © Norbert Thomas/Bundeswehr
Ein Regierungsflieger Airbus A321-231 der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung bei einer „Touch & Go“-Landeübung auf dem Flughafen Leipzig / Halle bei Schkeuditz
Die Bundeswehr bezeichnet die Airbus A321-231 auch als „deutsche Air Force One“. Obwohl das Flugzeug auch Verwundete und Kranke befördern kann, ist seine Hauptaufgabe der VIP-Transport des politisch-parlamentarischen Führungspersonals auf Kurz- und Mittelstreckenflügen. Der Regierungsflieger kann bis zu 82 Passagiere, davon zwölf VIPs, transportieren. © Christian Grube/imago
T-38-Maschinen der US Air Force vor einem Sonnenuntergang
Die Maschinen vom Typ Northrop T-38C Talon stehen zwar in den Diensten der Bundeswehr, befinden sich jedoch auf der Sheppard Air Force Base in Texas in den USA. Für deutsche Piloten ist die Northrop T-38C Talon ein Schulflugzeug für den Flug im Überschallbereich, für dessen Nutzung sie in die USA reisen müssen. Das Foto zeigt T-38-Maschinen der US Air Force. © ZUMA Wire/imago
Eine Bombardier Global 5000 der Flugbereitschaft der Bundeswehr landet am Flughafen Hamburg Airport
Das Flugzeug Global 5000 kommt ausnahmsweise mal nicht von Airbus, sondern vom kanadischen Hersteller Bombardier. Es befördert kleinere VIP-Delegationen von bis zu 13 Personen auf Kurz- und Mittelstreckenflügen, in der Regel innerhalb Europas. © Kevin Hackert/imago
Ein Ölaufklärer DO 228 LM fliegt vor der Küste Deutschlands
Die Marine nutzt den Ölaufklärer DO 228 LM. Mit diesen Maschinen unterstützt sie das Havariekommando in Cuxhaven und Bundesverkehrsministerium im Kampf gegen Umweltkatastrophen: Mit Kameras und Sensoren können sie bei Tag und Nacht Verschmutzungen auf der Wasseroberfläche erkennen und diese melden. Damit helfen sie nicht nur bei Havarien, sondern gehen auch gegen illegale Müll- und Ölentsorgung durch Schiffe vor. © Matthias Döhler/Bundeswehr

Zahlen, Daten und Fakten zum Fliegerhorst Nörvenich

Durch die Verlegung der Tornado-Kampfflieger vom Fliegerhorst Büchel nach Nörvenich ist die Luftflotte an einem der wichtigsten Militärstandorte in Nordrhein-Westfalen nochmal angewachsen. Hier die wichtigsten Informationen zur Flotte und Belegschaft:

  • Insgesamt sind 1850 Soldaten dort stationiert (907 Soldaten vom Luftwaffengeschwader 31)
  • Zusätzlich sind 450 zivile Mitarbeiter vor Ort angestellt (221 zivile Mitarbeiter vom Luftwaffengeschwader 31)
  • Nörvenich ist einer von 35 Fliegerhorste in Deutschland
  • Die Flotte beinhaltet 30 Eurofighter und temporär 25 Tornado-Kampfflugzeuge (bis 2026, Stand: 2022)

Militärflugplatz Nörvenich: Standort des Luftwaffengeschwaders 31

Bereits seit 1958 dient der Fliegerhorst Nörvenich als Basis für das neu bedienstete Luftwaffengeschwader 31 („Boelcke“). Benannt wurde das Geschwader nach Oswald Boelcke, einem der bekanntesten Jagdflieger im Ersten Weltkrieg. Das Luftwaffengeschwader ist dabei eines von vier Eurofighter-Geschwadern auf bundesdeutschen Gebiet.

Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist das Luftwaffengeschwader 31 bereits in Nörvenich stationiert.

Seine Aufgabe beschreibt das Geschwader als Beitrag zur Bündnis- und Länderverteidigung. Um die Luftkampffähigkeit der deutschen Luftwaffe sicherzustellen, entwickelt das Geschwader Verfahren und Ausbildungsgrundlagen für Luftfahrzeugführer und Techniker. Temporär ist das Geschwader zudem in der Lage, die Luftraumsicherung in der Bundesrepublik zu übernehmen. Im Jahr 2019 wurde das Militärkollektiv dem NATO Responce Force zugeteilt, das im Bedarfsfall kurzfristig weltweit eingesetzt werden kann. Damit nimmt es eine wichtige Funktion für die Sicherheit Deutschlands sowie von NATO- und UN-Missionen ein.

Zeiten, Orte und Sinn von Flügen am Fliegerhorst Nörvenich

Das Geschwader „Boelcke“ führt in unregelmäßigen Abständen Vermessungsflüge am Flugplatz Nörvenich durch. Dadurch entsteht für nähere Anwohner eine zeitweise hohe Lärmbelästigung. Eine längerfristige Lärmbelästigung soll dabei aber nicht entstehen: Die betroffenen Gebiete sollen am Tag des Ausflugs nur etwa 30 Minuten von der Störung betroffen sein. Hauptbetroffene Gebiete sind bei diesen Flügen voraussichtlich Kerpen und Türnich.

Zusätzlich wird versucht, die Ausflugskorridore möglichst variabel zu halten, um die Belastung bestmöglich zu verteilen. Ausgenommen von Flügen ist dabei der Zeitraum zwischen 12.30 bis 14 Uhr. Der Sinn dieser Flüge ist dabei die Kalibrierung der stationierten Eurofighter. Ebenso finden in unregelmäßigen Abständen Nachtflüge statt. Informationen zu geplanten Flügen findet man auf der Webseite der Bundeswehr.

Zivile Nutzung des Flugplatzes

Außerhalb der militärischen Nutzung findet auf dem Fliegerhorst Nörvenich auch zivile Sportfliegerei statt. Der dort ansässige Verein „Bundeswehr Sportfliegergemeinschaft „Boelcke“/Heini Dittmar e.V.“ nutzt den Platz an Wochenenden und Feiertagen für das Hobbyfliegen - sowohl Segel- als auch Motorflug. Der Verein heißt dabei auch Gäste auf dem Flugplatz willkommen. Aufgrund der militärischen Sicherheitsbestimmungen ist dafür jedoch eine vorherige telefonische Anmeldung erforderlich. (mg)

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