Automatensprenger in Warburg

Fluchtauto mit HAM-Kennzeichen: Ein Fall voller Fragezeichen

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An diesem Gebäude in Warburg entstand erheblicher Sachschaden.
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Warum Hamm? Vor dieser Frage stehen seit Donnerstagmorgen Polizei-Ermittler aus Ostwestfalen, die eine spektakuläre Geldautomatensprengung aufzuklären haben.

Warburg/Hamm - Vier Männer hatten in dem 20.000-Seelen-Ort Warburg (Kreis Höxter) gegen 2 Uhr in einem von Sparkasse und Volksbank betriebenen SB-Center einen EC-Automaten in die Luft gejagt. Eine in der Nähe wohnende Anliegerin hatte den fulminanten Knall gehört und die Polizei verständigt. Noch während die Frau mit der Wache telefonierte, ging ein zweiter Sprengsatz hoch.

Die Polizei war ziemlich fix am Einsatzort. Vier Männer stürmten da gerade aus dem ramponierten Gebäude auf einen schwarzen AMG-Mercedes zu. Unterwegs verloren sie zumindest einen Teil der Beute. Geldscheine säumten neben Glas- und Holzsplittern das Pflaster.

Drei Männer schafften es in das stark motorisierte Auto. Der vierte nicht. Er konnte von den Beamten überwältigt werden. Bei seiner Festnahme leistete er Widerstand, verletzte aber keinen der Polizisten gravierend. Es handelt sich um einen 26-jährigen Niederländer mit marokkanischen Wurzeln.

Kennzeichen in Hamm als gestohlen gemeldet

Zurück zur Ausgangsfrage: Warum Hamm? An dem Fluchtfahrzeug waren Hammer Kennzeichen angebracht. Diese waren – das bestätigte die Staatsanwaltschaft Paderborn am Freitag – zuvor in Hamm gestohlen worden. Nach WA-Informationen geschah dies nicht gerade in Autobahnnähe, sondern im nördlichen Teil der Stadt. Gut möglich auch, dass die Kennzeichen erst in der Tatnacht abhanden kamen. Aber warum stiehlt jemand in Hamm Autokennzeichen, um dann 110 Kilometer entfernt einen Automaten-Coup zu landen? Ist das reiner Zufall – oder haben die Täter eine Verbindung in die Stadt?

Seltsam ist zudem, dass das Fahrzeug, an dem die Kennzeichen abgeschraubt wurden, kein AMG-Mercedes ist. Auch das wurde von der Staatsanwaltschaft bestätigt. Üblicherweise verwenden professionelle Schwerstkriminelle bei ihren Fluchtfahrzeugen die Nummernschilder von exakt gleichen Fahrzeugtypen.

Beantwortet wurden diese Fragen am Freitag nicht – aus ermittlungstaktischen Gründen. Ebenso wurden keine Angaben zum Schaden in Ostwestfalen gemacht. Nur eines stand fest: Die Täter waren weiterhin auf der Flucht

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