Werl

Förderprogramm ohne Wirkung: Fossile Heizung sticht Wärmepumpe aus

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Das neue Förderprogramm bezuschusst die Installation von Wärmepumpen. Doch lohnt sich das für jeden?
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Bisher verpufft die neue Förderung von Wärmepumpen. Stattdessen setzen viele Hauseigentümer weiter auf ein fossiles Heizsystem. Doch woran liegt das?

Werl – Der Staat will nun den nächsten Schritt bei der Klimawende im Heizungskeller gehen. Die fossilen Heizungen, die noch in den meisten deutschen Häusern verbaut sind, sollen möglichst schnell durch klimafreundlichere Modelle wie etwa Wärmepumpen ersetzt werden. Dafür gibt es seit dem 26. Februar eine neue Förderung, die Hauseigentümern die Umstellung schmackhaft machen soll. Doch der erhoffte Aufschwung bleibt in Werl bisher aus.

„Die Leute sind an dem Thema schon sehr interessiert“, erzählt Martin Becker, Ingenieur und Energieberater aus Büderich. „Doch sie sind auch verunsichert.“ Aktuell sei es schließlich noch nicht ersichtlich, ob sich eine Wärmepumpe dauerhaft lohne. „Es gibt keinen festen, gedeckelten Strompreis, mit dem man rechnen kann“, sagt Becker. Doch genau der ist wichtig, schließlich läuft eine Wärmepumpe elektrisch und damit mit Strom. „Das führt dazu, dass die Betriebskosten nicht sicher abgeschätzt werden können“, so Becker.

Öffentliche Diskussionen schaden der Nachfrage

Außerdem seien die Ersatzteile für eine Wärmepumpe deutlich teurer als die für ein fossiles Modell. „Auch solche Dinge muss man immer bedenken“, mahnt der Energieberater.

Sebastian Distelhoff baut mit seinem Büdericher Betrieb regelmäßig Heizsysteme bei Kunden ein - auch Wärmepumpen. „Doch in den letzten drei Monaten sind die eher schleppend gelaufen“, erzählt er. Die bundesweite Diskussion rund um das sogenannte Heizungsgesetz habe der Nachfrage geschadet. Viele Hausbesitzer würden stattdessen lieber nochmal auf eine fossile Heizung setzen und sich beim Austausch gegen eine Wärmepumpe entscheiden.

Zukunftssicher ist das jedoch auch nicht. Denn der CO2-Preis ist ebenfalls alles andere als gesetzt. In den nächsten Jahren soll dieser jährlich steigen, was auch den Betrieb einer Gasheizung immer teurer werden lässt. „Ich stelle daher fest, dass viele Leute vor dem Heizungsaustausch erst einmal abwarten“, sagt Martin Becker. Angesichts dieser Unklarheiten helfe auch die gut gemeinte neue Förderung nicht. „Ein garantierter, gedeckelter Strompreis wäre wichtiger.“

Bemessungsgrenze um die Hälfte gesenkt

Zumal auch die Förderung Becker nicht überzeugt. Aktuell können nur Eigentümer eines bereits bestehenden Hauses, welches sie auch selbst bewohnen, einen Förderantrag stellen – wenn sie sich für ein Heizungssystem mit mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energie entscheiden. Dafür gibt es eine Grundförderung von 30 Prozent, Wärmepumpen erhalten zusätzlich noch fünf Prozent Effizienz-Bonus oben drauf. Mit weiteren Zusatzboni könne die Gesamtförderung in manchen Fällen sogar auf bis zu 75 Prozent steigen, erklärt Becker. „Doch der Normalfall ist eine 55-Prozent-Förderung“, meint er.

Was gut klingt, sei in Wirklichkeit aber gar nicht so toll. Wichtig sei hier nämlich die sogenannte Bemessungsgrenze, die bei 30 000 Euro liegt. Und für die gilt die prozentuale Rechnung bei den Förderanträgen, nicht für die Gesamtkosten des Einbaus. „Das heißt, der Eigentümer kann maximal eine Förderung von 16 500 Euro erhalten“, stellt Becker klar. Vor dem neuen Förderprogramm sei das sogar mehr gewesen. Da lag die Bemessungsgrenze mit 60 000 Euro noch doppelt so hoch wie jetzt im neuen Topf.

Nach Vertragsabschluss mit Installateur: Förderung sieht Rücktrittsrecht vor

Ein weiterer Nachteil der Förderung sei die mangelnde Vorbereitungszeit für Inhaber, Berater und Installateure. „Die Richtlinien werden immer erst am Stichtag veröffentlicht“, kritisiert Becker. „Wir können also im Vorfeld überhaupt nicht planen.“ So sei es nicht möglich, schon vor Inkrafttreten der Förderung mit Interessenten zu prüfen, ob sich eine Finanzierung nach diesem Modell für sie lohne. „Man sieht, dass sich die Politik Gedanken gemacht hat“, lobt Becker den guten Willen im Fördermodell. „Doch der Prozess ist unsauber. Es sind noch zu viele Fragen offen. So kann keine Euphorie entstehen und dazu kommt dabei ein Bürokratiemonster heraus.“ Der Büdericher Energieberater wünscht sich daher eine größere Beteiligung der Basis in solchen Angelegenheiten.

Ein weiteres Loch im Programm sieht Becker im Rücktrittsrecht für den Kunden. Um von der neuen Förderung zu profitieren, müssen die Antragssteller einen Lieferungs- oder Leistungsvertrag mit einem Fachunternehmen zum Austausch der Heizung einreichen. Zu diesem Zeitpunkt ist jedoch noch gar nicht klar, ob der Zuschuss überhaupt bewilligt wird.

Daher sieht das Programm ein Rücktrittsrecht des Antragsstellers vor, falls der Bescheid negativ ausfällt. Heißt, die Installateure würden auf den Kosten für die bestellte Wärmepumpe sitzen bleiben.

Lange Wartezeiten auf eine Wärmepumpe

„Die Hersteller halten das Risiko für uns aber gering“, erklärt Burkhard Schriek, Geschäftsführer bei Kaspar Dröge Haustechnik in Werl. Nahezu alle Produzenten von Wärmepumpen würden zusichern, im Falle einer ausbleibenden Förderung finanziell einzuspringen. „Das ist für uns natürlich eine super Versicherung“, meint auch Sebastian Distelhoff.

Schriek verzeichnet aktuell zwar ebenfalls noch keine gestiegene Nachfrage nach Wärmepumpen, glaubt aber, dass die bald kommen wird. Zum 31. März laufe schließlich die Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Gas aus. Dann steigt der Satz für den fossilen Brennstoff wieder von 7 auf 19 Prozent. Passend dazu hätten sich die Lieferzeiten von Wärmepumpen normalisiert. „Mit einem Viertel- bis halben Jahr muss man für eine Installation aber trotzdem noch rechnen“, sagt Schriek. „Wenn die Materialien denn alle kommen.“ Immerhin platzen die Auftragsbücher in der Heizungsbranche derzeit aus allen Nähten.

Vorsicht bei der Berechnung der Heizlast

Wer sich für eine Wärmepumpe entscheidet, sollte nach der Erfahrung von Martin Becker nicht an einer vernünftigen und gewissenhaften Berechnung des eigenen Energiebedarfs sparen. „Man sollte mit den Grundlagen starten, ehrliche Angaben machen“, rät er. „So etwas muss ganz genau überprüft werden.“

Bei der Berechnung der sogenannten Heizlast müssten viele Lebensbereiche wie die Nutzungshäufigkeit der einzelnen Räume oder die verbrachte Zeit Zuhause berücksichtigt werden.

Ansonsten könne es passieren, dass die Wärmepumpe viel zu stark oder viel zu schwach heizt. „Dann wird entweder der Betrieb viel teurer als nötig oder die Pumpe kommt mit dem Heizen gar nicht mehr hinterher“, erklärt Becker. Schon öfter seien Kunden mit einem solchen Problem an ihn herangetreten.

Übrigens lohnt sich eine Wärmepumpe nicht in jedem Haus. „Es kommt immer auf das Objekt an“, meint Becker. „Es ist stets eine Einzelfallentscheidung.“

Beratungsmöglichkeiten für Interessenten an einer Wärmepumpe

Wer sich für eine Wärmepumpe interessiert, sollte sich in jedem Fall einer ausführlichen Beratung unterziehen. Die Fachleute können wichtige Tipps zur Berechnung der richtigen Heizlast oder zu möglichen Zuschüssen aus Fördertöpfen geben. Ratsuchende können sich dafür beispielsweise an professionelle Energieberater wenden. Aber auch die Klima-Agentur in Hamm steht für Fragen rund um das Thema Wärmepumpe oder andere Heizsysteme mit erneuerbaren Energien zur Verfügung – und zwar kostenlos. Im Internet unter www.klimaagentur-hamm.de können sich Interessenten einen Beratungstermin buchen. Dadurch, dass im neu aufgelegten Förderprogramm die sogenannte Baubegleitung weggefallen ist, sind die Hauseigentümer jedoch nicht mehr verpflichtet, vor der Installation einer Wärmepumpe einen Energieberater aufzusuchen. Diese müssen jedoch beim Einbau einer Öl- oder Gasheizung involviert sein. Diese Beratungspflicht gilt seit dem 1. Januar 2024. Ziel dieser Regelung ist es, mögliche Kostenrisiken im Zusammenhang mit solchen Heizsystemen aufzuzeigen. Vor allem angesichts des unklaren CO2-Preises in der Zukunft.

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