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Die Hammer Parteien gehen mit großen Plänen in die anstehende Kommunalwahl. Wie wollen sie Lebensqualität schaffen? Eine Auswertung der Programme.
Hamm – Endspurt im Wahlkampf: Wenige Tage vor der Kommunalwahl in NRW am Sonntag, 14. September, wollen wir unsere kleine Serie fortsetzen und zentrale Themen für die Stadt und ihre Bürger aufgreifen und darstellen, wie sich die Parteien in ihren jeweiligen Wahlprogrammen dazu äußern.
Hamm bietet Lebensqualität – da sind sich alle Parteien einig. Aber es soll noch mehr drin sein. Da haben auch alle Ideen. Da Lebensqualität nicht so einfach zu definieren ist, finden sich in den Parteiprogrammen zur Kommunalwahl unterschiedliche Schwerpunkte – von Kultur über Freizeit, Sport bis zur Jugendarbeit. Ein Überblick.
SPD: Familienkarte und Maxipark-Erweiterung
Bei der SPD steht alles unter dem Motto „familienfreundlichste Stadt“. Sie will deshalb in Spielplätze, Sportstätten und Freizeitangebote investieren. Eine „Familienkarte.Hamm“ soll vergünstigten Zugang zu Tierpark, Maxipark, Museum und weiteren Einrichtungen bieten. Das Familienrathaus als zentrale Einrichtung für entsprechende Dienstleistungen soll um weitere Angebote erweitert werden.
Der Kulturetat soll stabil gehalten, Kultureinrichtungen wie Gustav-Lübcke-Museum, Helios-Theater, Musikschule, Stadtarchiv und Volkshochschule sollen gestärkt werden. Das Kulturfestival h4, die Umgestaltung des Tierparks und die Erweiterung des Maxiparks zur IGA 2027 sind zentrale Projekte.
Sport wird als Teil der Lebensqualität verstanden. Besonders kleine Vereine sollen hauptamtliche Unterstützung bekommen. Sportstätten will man weiter sanieren, insbesondere die Bäder, bei denen alle Standorte erhalten werden sollen. Mit Programmen wie „Hamm 100K“ für Jugendtreffpunkte, der Sanierung des Kubus und einem neuen Konzertort für junge Menschen wird gezielt in Freizeit und Begegnung investiert. Die Innenstadt soll durch Sicherheit, Sauberkeit und kulturelle Vielfalt wieder zum lebendigen Zentrum werden.
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CDU: Den Vereinen unter die Arme greifen
Auch die CDU will in Spielplätze, Sportanlagen und Kultureinrichtungen investieren. Das Konzept Familienrathaus lehnt CDU-Spitzenkandidat Jochen Dornseifer ab; er will die Leistungen für Familien lieber dezentral in den Bezirksrathäusern anbieten. Das offizielle Wahlprogramm lässt den Punkt offen.
„Hamm-O-Mat“ und „FragDieWahl“
Was bewegt Sie über das Thema Lebensqualität hinaus? Die Positionen der Parteien lassen sich im Vorfeld von großen Wahlen durch die Nutzung des „Wahl-O-Mat“ im Internet mit wenig Aufwand herausfinden. Mit Blick auf die Kommunalwahl haben WA und Lippewelle den „Hamm-O-Mat“ entworfen, der mit Aussagen speziell auf Hamm bezogen zeigt, welche Partei zu Ihren Vorstellungen der Stadtentwicklung passt. Zudem können Sie mit dem KI-Tool „FragDieWahl“ des WA individuell Fragen stellen und bekommen in Sekundenschnelle die Positionen der jeweiligen Parteien geliefert. Beides finden Sie auf unserer Internetseite www.wa.de.
Die CDU plant eine Kulturmeile in der Innenstadt, die Museen, Musikschule, Kirchen und private Angebote verbindet. Öffentliche Kunstprojekte wie Street-Art-Flächen und Pop-up-Kulturräume sollen in allen Stadtbezirken entstehen. Für die Instandhaltung von Kunstwerken im öffentlichen Raum soll es ein eigenes Budget geben. Für junge Menschen soll eine Veranstaltungshalle mit Platz für bis zu 500 Personen geschaffen werden.
Sportstätten sollen barrierefrei und energieeffizient modernisiert werden. Die CDU setzt auf Outdoor-Fitnessangebote, Freiluftsporthallen, W-Lan in Sportstätten und die Sanierung aller Hallen- und Freibäder. Ein innovativer Sportcampus soll entstehen, und Schulhöfe sollen bewegungsfreundlich gestaltet werden. Vereine will die CDU durch die Entbürokratisierung von Förderanträgen unterstützen. Sie verspricht auch eine nachhaltige Sportförderung und die vollständige Übernahme der Energiekosten für Sportstätten durch die Stadt.
Grüne: Freie Kulturszene weiter unterstützen
Vieles, was im Grünen-Programm unter Lebensqualität läuft, wird unter anderen Schlagworten wie Mobilität, Städtebau und Klimaschutz geführt. Aussagen zum Familienrathaus oder zur Vereinsförderung gibt es nicht.
Kultur wird als Herzstück einer lebendigen Stadt verstanden. Die Grünen fordern mehr Räume für Kunst und Kultur, eine Skulpturenmeile zur Internationalen Gartenbauausstellung, mobile Angebote und eine stärkere Beteiligung junger Menschen. Das Kulturprofil soll mit Leben gefüllt und die freie Kulturszene finanziell unterstützt werden.
Spielplätze sollen naturnah und inklusiv gestaltet werden. Die Stadt soll Orte für Begegnung schaffen – etwa ein „Haus der Vielfalt“ und Quartierszentren mit generationenübergreifenden Angeboten. Sport bleibt im Programm der Grünen ein Nebenaspekt. In Punkto Bildung sollen Angebote im Stadtteil mit sportlichen, umweltpädagogischen und kulturellen Aktivitäten die Arbeit der Bildungseinrichtungen ergänzen.
FDP: Kultur mit digitaler Dimension
Für die Liberalen zeigt sich Familienfreundlichkeit auch in der Unterstützung für barrierefreie Spielplätze und Sportangebote. Die FDP setzt auf digitale Verwaltung und ein Familienrathaus als einheitlichen Anlaufpunkt, das auch digital erreichbar ist.
Im Bereich Kultur und Freizeit will die FDP die Sonntagsöffnung der Zentralbibliothek ausweiten, das Lesecafé für Konzerte und Lesungen nutzen und ein besseres Veranstaltungsmanagement mit digitaler Plattform schaffen. Das Open-Air-Kino, der Kultursommer und neue Formate wie ein Pop-up-Beachclub oder ein Vereins-Tag sollen Hamm attraktiver machen. Das Format des h4-Festivals soll überprüft werden, im Maximilianpark wieder ein Feuerwerk stattfinden. Die FDP setzt auf unbürokratische Unterstützung für Gastronomie und Kultur, moderate Gebühren und digitale Vernetzung.
Sportlich setzt die FDP auf Multifunktionssportplätze, Finnenbahnen, Sportboxen und barrierefreie Spielplätze. Freibäder sollen aufgewertet und Schwimmkurse ausgebaut werden. Die FDP betont, dass Mobilität, Freizeit und Lebensqualität Hand in Hand gehen.
AfD: Kulturelle Abgrenzung zum Islam
Die Alternative für Deutschland befasst sich in ihrem Hammer Wahlprogramm nicht mit Fragen der Lebensqualität. Der Begriff Sport taucht nicht auf – die Partei war zuletzt auch die einzige, die den Bau einer neuen Sporthalle aus Kostengründen abgelehnt hat.
Kultur wird im Programm nur in Zusammenhang mit der Abgrenzung von anderen Kulturen erwähnt. Islamische Gebetsräume, Auslandsschulen und den Muezzinruf werden abgelehnt. Dass der AfD-Bundestagsabgeordnete Georg Schroeter schon seit Jahren die Schließung des Gustav-Lübcke-Museums fordert, fehlt dagegen.
Verwaltungen müssen laut AfD familienfreundlich arbeiten – digital, bürgernah und koordiniert. Das Familienrathaus thematisiert die Partei nicht. Dafür aber die Gleichstellungsstelle, die durch eine Familienbeauftrage ersetzt werden soll.
BSW: Kostenlose Büchereiausweise
Spielplätze sollen in allen Stadtteilen barrierefrei und inklusiv gestaltet werden, Schulhöfe naturnah umgestaltet und auch außerhalb der Unterrichtszeit geöffnet sein. Das BSW möchte die Innenstadt als lebendigen Ort mit Pop-up-Stores, Ateliers, Nachbarschaftscafés und kulturellen Veranstaltungen beleben. Die Partei will ein „Haus der Kulturen der Welt“ einrichten und die Erinnerungskultur fördern, beispielsweise durch erläuternde Tafeln für Denkmäler und Straßenschilder.
BSW setzt sich für generationenübergreifende Freizeitangebote, kostenlose Büchereiausweise für Schülerinnen und Schüler sowie wohnortnahe Jugendzentren ein. Die Stadt soll Orte zum Verweilen schaffen – mit Spielgeräten, Wasserläufen und Begrünung. Auch die Förderung von Mehrgenerationenhäusern und inklusiven Treffpunkten ist Teil des Programms. Sport kommt im Programm praktisch nicht vor.
Pro Hamm: Interkulturelle Feste in allen Stadtteilen
Die Wählergruppe Pro Hamm will Hamm durch wohnortnahe Freizeitangebote lebenswerter machen. Spielplätze sollen saniert und Bewegungsräume geschaffen werden – von Skateranlagen bis zu Outdoor-Fitnessgeräten.
Auch die Kultur soll aus dem Schatten treten: Pro Hamm setzt auf Pop-up-Kulturformate, mobile Bühnen und interkulturelle Feste in allen Stadtteilen. Die freie Kulturszene soll finanziell gestärkt, Kulturangebote barrierefrei und generationenübergreifend gestaltet werden. Die Sanierung historischer Orte wie des Alten Bauhofs in Herringen ist Teil der Vision.
Freizeitangebote wie der Maxipark sollen für alle zugänglich sein – etwa durch eine „FreizeitCard Hamm“ mit vergünstigtem Eintritt. Grillplätze, Wasserspiele und beleuchtete Parks sollen das Stadtbild verschönern. Der Jugendrat soll eigene Anträge im Rat stellen können und ein eigenes Budget bekommen. Im Sport will Pro Hamm die Vereinspauschale erhöhen und die Sanierung von Sportanlagen fortsetzen. Sportkitas und Sporttage sollen das Profil von Hamm als Sportstadt schärfen.
Volt: Barrierefreiheit und Ehrenamtskarte
Die europafreundliche Partei Volt lässt Freizeit, Kultur und Sport in ihrem Programm außen vor. Die Förderung interkultureller Begegnungen und von barrierefreien Freizeitangeboten ist das einzige, was dem Themenfeld nahe kommt. Lebensqualität wird eher durch zukunftsorientierte Stadtentwicklung nach anderen europäischen Beispielen gesehen. Ehrenamt und Vereine sollen durch digitale Infrastruktur und die Ehrenamtskarte gestärkt werden.
Die Linke: Spielplätze und Gemeinschaftsgärten
Die Linke fordert den Erhalt von Spielplätzen, Jugendzentren, Parks und Grünflächen. Jugendzentren in benachteiligten Stadtteilen sollen mit nicht zweckgebundenen Geldern gefördert werden. Kinder und Jugendliche sollen bei der Gestaltung von Spielplätzen mitwirken, das Jugendparlament soll ein stimmberechtigtes Ratsmandat und Sitze in den sieben Bezirksvertretungen erhalten.
Die Linke setzt auf inklusive Angebote. Sportvereine, Kulturinitiativen und Projekte mit Kindern, Jugendlichen und Menschen mit geringem Einkommen sollen besonders gefördert werden. Schwimmkurse sollen für alle zugänglich sein, und Tierschutzinitiativen erhalten finanzielle Unterstützung.
Grünflächen werden als zentrale Erholungsräume betont. Die Linke fordert deren Erhalt und Ausbau, auch als Maßnahme gegen die gesundheitlichen Folgen von Bebauung. Die Stadt soll dem europäischen Netzwerk solidarischer Städte beitreten und mehr Menschen in Not aufnehmen. Gemeinschaftsgärten und interkulturelle Treffpunkte sollen entstehen.
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