Das müssen Urlauber beachten

Touristik-Gigant FTI insolvent: Reisebüros sprechen von „dramatischen Folgen“

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Der Reiseanbieter FTI ist insolvent. Zehntausende Reisende sind von den Auswirkungen betroffen. Die heimischen Reisebüros stehen mit Betroffenen in Kontakt.
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Einer der größten Reiseanbieter Deutschlands, die FTI Touristik GmbH, hat in dieser Woche Insolvenz beantragt. Das teilte das Unternehmen mit rund 11.000 Mitarbeitern mit Sitz in München am Montag (3. Juni) mit. Touristik-Experten aus dem HSK äußern sich und geben Tipps.

Sauerland - Bereits während der Corona-Pandemie sei es zu Engpässen innerhalb der FTI Group gekommen. Mit rund 595 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) habe man die Pleite laut Medienberichten abwenden wollen. Ein Unterfangen, das nun gescheitert ist.

Bereits seit Dienstag werden Reisen abgesagt oder finden nur noch teilweise statt. Viele Menschen, die auf ihren gebuchten Urlaub hingefiebert haben, machen sich nun Sorgen um bereits getätigte Zahlungen. Der SauerlandKurier hat mit Experten der Branche aus dem Hochsauerlandkreis gesprochen und gibt einen Überblick, was FTI-Reisende nun beachten müssen.

Welche Reisen sind betroffen?

Von der Insolvenz betroffen sind alle Leistungen, die über die Marken „FTI“, 5vorFlug“, „BigXtra Touristik“, „DriveFTI“ und „Cars und Camper“ gebucht wurden. Auch FTI-Reisen, die über externe Buchungsplattformen wie „Check24“ gebucht wurden, sind betroffen. Nicht betroffen sind Leistungen, die von FTI an Drittanbieter wie TUI oder Alltours vermittelt wurden, so die Verbraucherzentrale NRW. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, bei Unklarheiten in den Buchungsunterlagen zu schauen. Dort sei der Reiseveranstalter schnell zu finden.

Wie sind gebuchte Pauschalreisen abgesichert?

Große Reiseanbieter wie FTI sind verpflichtet, Pauschalreisen über den „Deutschen Reisesicherungsfonds“ (DRSF) abzusichern. Dieser greift folglich auch im Insolvenzfall des drittgrößten Reiseanbieters Europas. Eine Pauschalreise liegt bei einer Kombination aus mindestens zwei Reiseleistungen, beispielsweise Flug und Hotel, vor. Der Sicherungsfonds soll vermeiden, dass Reisende ohne Hotelzimmer und Rückflug am Urlaubsort festsitzen.

Bereits angetretene Pauschalreisen, die über FTI gebucht wurden, sollen laut des Unternehmens mithilfe des DRSF wie geplant zu Ende geführt werden. Falls das nicht möglich ist, soll eine Rückreise mit Mitteln aus dem Fonds organisiert werden. Betroffene werden laut FTI direkt kontaktiert. Eine für die Zukunft bereits gebuchte Pauschalreise sei ebenfalls durch den DRSF abgesichert. FTI wird laut Ankündigung alle zukünftigen Reisen stornieren. Die Rückerstattung läuft über den DRSF, der die Kunden kontaktiert, sobald er vom Reiseanbieter deren Daten erhalten hat.

Sind Buchungen von Einzelleistungen ebenfalls abgesichert?

Wer nur Übernachtungen im Hotelzimmer, einen Flug oder Leihwagen einzeln bei FTI gebucht hat, falle laut Angaben der Verbraucherzentrale nicht unter den Schutz des DRSF. Das Unternehmen arbeite in diesen Fällen an alternativen Lösungen, um bereits angetretene Reisen möglichst zu Ende führen zu können. Hierzu wolle das Unternehmen die Betroffenen ebenfalls direkt kontaktieren. Wer eine künftige Einzelleistung gebucht und bezahlt hat, solle versuchen, die Zahlung über seinen Zahlungsdienstleister wie Kreditkarte oder Paypal zurückzufordern. Forderungen aus Einzelbuchungen können sonst nur im Insolvenzverfahren geltend gemacht werden. In diesen Fällen sei vermutlich nur mit einer niedrigen Teilerstattung zu rechnen, so die Verbraucherzentrale NRW.

Das sagen heimische Reise-Experten

Auch einige Experten der Branche aus den Reisebüros im Hochsauerlandkreis äußern sich auf Nachfrage der Redaktion zur Pleite des Touristik-Giganten FTI.

„BEST-Reisebüros“ in Brilon, Olsberg und Bestwig: Das Reisebüro Via Soluna in Brilon sowie auch die anderen „BEST-Reisebüros“ Die Reiselaube, Flamingo-Reisen Olsberg und Reisebüro Hegener in Bestwig nehmen schon seit Anfang des Jahres keine Buchungen mehr über FTI vor. Folglich gebe es dort auch keine Kunden, die von der Insolvenz betroffen sind.

„Die Schieflage von FTI deutete sich bereits seit Corona an. Wir hatten im letzten Jahr nur drei Buchungen auf ausdrücklichen Kundenwunsch und in diesem Jahr haben wir die Buchung verweigert. Aufgrund der dramatischen Überschuldung von FTI war bereits im Januar klar, dass ein Wunder zur Rettung geschehen müsste“, erklärt Karin Schreckenberg, Inhaberin des Via Soluna. „Aktuell stehen zahlreiche Internetkunden, die zum Beispiel über externe Buchungsplattformen wie ‘Check24’ gebucht haben, bei uns im Reisebüro und bitten um Hilfe, da sie bei FTI und den Internetportalen telefonisch nicht durchkommen. Wir finden es sehr schade, dass man Reisebüros erst dann auf dem Schirm hat, wenn es Probleme gibt.“

Auch für einige Reisebüros selbst könne die FTI-Insolvenz, so Karin Schreckenberg, dramatische Folgen haben – denn das bedeute, dass die Büros die Provision, die ihnen für geleistete Buchungen eigentlich zusteht, nicht bekommen werden. Das könne in einer wirtschaftlich eh schon angeschlagenen Branche infolge der Thomas Cook-Insolvenz 2019 und der Coronazeit zum Problem werden.

Aus diesen Gründen appelliert die Reisebüro-Expertin, zum Buchen direkt in die Reisebüros zu kommen und das bestehende Angebot sowie die Erfahrung zu nutzen: „Wir sind persönlich und online 24/7 genauso zu erreichen wie die großen Internetportale. Kunden haben immer einen Kümmerer vor Ort an ihrer Seite – und das zum gleichen Preis wie im Internet.“

Und was rät die Briloner Inhaberin allen derzeit Betroffenen? „Abwarten, was durch den Insolvenzverwalter von FTI bestimmt wird, regelmäßig die E-Mails checken und sich bereits jetzt bezüglich einer Neubuchung beraten lassen. Hinter den Kulissen wird aktuell geprüft, ob andere Veranstalter die FTI-Reisen übernehmen, um möglichst vielen Kunden ihren Sommerurlaub zu sichern. Ob und wie schnell das gelingt, müssen wir sehen.“

Reisebüro Dünnebacke in Schmallenberg: Das Reisebüro Dünnebacke in Schmallenberg hat Kunden, die von der FTI Pleite betroffen sind – „sowohl vor Ort als auch lang- und kurzfristige Abreisen“, verrät Inhaberin Vera Dünnebacke und erklärt: „Die Kunden vor Ort sind gut betreut und wir stehen mit allen in Kontakt. Für die Gäste, deren Urlaub storniert ist, kümmern wir uns um mögliche Alternativen.“ Die größte Hoffnung für alle Kunden liege auf einer schnellen Abwicklung durch den „Deutschen Reisesicherungsfonds“.

Weitere Informationen gibt es unter www.verbraucherzentrale.nrw/node/95980. Häufige Fragen beantwortet FTI unter www.fti-group.com/de/insolvenz. Die FTI Notfallnummer lautet: 089/710451498.

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