Gartenserie

Nach dem Frost sieht es traurig aus: Jetzt wird es höchste Zeit, einige Pflanzen ins Warme zu bringen

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Die ersten ausgegrabenen Zwiebeln, Knollen und Rhizome stehen in der Garage zum Abtrocknen, bevor sie ins Winterquartier in einem Regal im Keller umziehen.
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Die ersten Frostnächte haben dem Leben der tropischen Schönheiten in unseren Gärten ein Ende gesetzt – allerdings vorerst nur den oberirdischen Teilen.

Soest – Dahlien, Begonien, Canna, Calla, Gladiolen, Hakenlilien, um nur einige zu nennen, sehen nur noch traurig aus, weil ihre saftigen Stiele und Blätter zu Matsch geworden sind. Da die Wetterkundler für Anfang Dezember sogar Dauerfrost vorhersagen, sollten wir schleunigst die Wurzeln ausgraben und frostfrei überwintern. Denn bislang war der Frost nur oberirdisch, im wärmeren Boden haben die Wurzeln keinen Schaden erlitten.

Am besten holen wir sie mit der Grabegabel aus der Erde, schütteln vorsichtig die Erde ab und helfen gegebenenfalls mit einem Stöckchen nach. Dann legen wir sie in Kisten einige Tage zum Trocknen in einen frostfreien Raum, eine Garage beispielsweise, ehe wir sie endgültig über Winter am besten im Keller verstauen. Sägespäne in den Kisten beugen Fäulnis durch zu viel Feuchtigkeit vor.

Die Kübelpflanzen sollten ebenfalls schon reingeholt sein. Ich habe mir dafür einen alten Schuppen zum Winterquartier umgebaut. Im Dach habe ich klare Dachelemente eingebaut, damit genug Licht in den Raum fällt. Ringsum wurde alles mit Noppenfolie isoliert. Die gibt es speziell für Gewächshäuser auf großen Rollen und sind leicht anzubringen. Die hölzerne Tür bekam innen eine dicke Schicht aus Styroporplatten. Für Wärme ist eine Gewächshausheizung mit einem Frostwächter zuständig. Der sorgt dafür, dass die Heizung genug Wärme abgibt, damit die Temperatur im Haus nicht auf Null Grad oder tiefer absinkt. Untergebracht werden dort Lorbeer, Agapanthus (Schmucklilie), Engelstrompeten, Bleiwurz, Trompetenblume, chinesischer Seidenbaum und weitere empfindliche Pflanzen. Zuletzt ziehen die beiden Oleandersträucher dort ein, die die ersten Fröste durchaus noch vertragen, Dauerfrost allerdings nicht mehr. Meine Zitrusgewächse und den Olivenbaum bringe ich aus Platzgründen in eine Gärtnerei zum Überwintern.

Die ersten empfindlichen Kübelpflanzen sind bereits ins Winterquartier, einen umgebauten Schuppen, umgezogen. Eine Gewächshausheizung sorgt für Wärme.

Die Raumwahl zum Überwintern der Kübelpflanzen ist durchaus problematisch. Denn die meisten wollen kühl, aber frostfrei, hell und trocken stehen, kühl heißt um die fünf Grad plus. Solche Räume gibt es kaum in unseren Wohnungen. Im Hausflur oder Treppenhaus findet sich vielleicht ein Plätzchen. Garagen und Keller haben das Problem, dass es dort nicht hell genug ist. Man könnte natürlich dort eine Beleuchtung anbringen, die über eine Zeitschaltuhr gesteuert wird. Aber das ist nur eine teure Notlösung. Manchmal gibt es auch ein kühles Gästezimmer, das kaum genutzt wird. Es kann so manche Kübelpflanze über Winter aufnehmen. Wer einen Wintergarten sein eigen nennt, ist natürlich fein raus, wenn dieser in den Nächten frostfrei gehalten wird. Hier muss man jedoch aufpassen, dass es bei Sonnentagen im Winter nicht zu warm wird.

Was die meisten Kübelgewächse nicht gut vertragen, ist ein Überwintern im Wohnzimmer. Dort ist es für sie viel zu warm und sie leiden. Der Grund liegt darin, dass es an ihren natürlichen Standorten in der Regel auch eine Winterpause gibt, zwar frostfrei, aber kühl und trocken. Diese Bedingungen sollten wir bei unserem Winterquartier berücksichtigen.

Das gilt beispielsweise auch für Kakteen. Wenn wir sie im Sommer draußen auf der Terrasse oder im Garten stehen hatten, müssen sie jetzt unbedingt hinein, aber in einen kühlen und trockenen Raum. Und sie werden in der kalten Jahreszeit nur ganz verhalten gegossen, so dass der Wurzelballen nicht komplett durchtrocknet. Normales Gießen würden im Winter bei den meisten Kakteen zu Wurzelfäulnis führen. Lediglich der Weihnachtskaktus, der im Winter blüht, wird noch „normal“ weiter gepflegt. Seine Winterpause beginnt erst nach der Blüte.

Auch das Riemenblatt, als Klivie bekannt, braucht eine Winterpause. Das Gewächs stammt aus Südafrika, wo es am natürlichen Standort eine Winterpause hat bei kühleren Temperaturen und kaum Niederschlägen. Wir sollten sie also nur spärlich im Winter gießen. Dann ab März geben wir wöchentlich einmal Dünger und gießen wieder regelmäßig. Die Klivie ist ein Frühlingsblüher und benötig jetzt wieder „Futter“, um ihre prächtigen Blüten entwickeln zu können. Was sie nicht verträgt ist Staunässe und pralle Sonne, wohl aber viel Licht. Auch mag sie es nicht, wenn sie während der Blüte umgestellt wird. Dann kann sie ihre Blüten abwerfen.

Lediglich ausgesprochene Tropengewächse werden auch im Winter warm gehalten, sprich ab 20 Grad aufwärts, und weiterhin normal gegossen. In ihrer tropischen Heimat sind Jahreszeiten weitgehend unbekannt, eine Winterpause gibt es dort nicht. Diese Pflanzen benötigen ganzjährig gleichmäßige Temperaturen von 20 bis 25 Grad. Dazu wollen sie auch im Winter viel Licht haben und dazu eine hohe Luftfeuchtigkeit, die typisch für die Tropen ist. Man kann diese erzielen durch regelmäßiges Einsprühen mit Regenwasser (kalkfrei). Verdunstungsröhrchen an den Heizungen oder Teller darauf mit Wasser zum Verdunsten erhöhen ebenfalls die Luftfeuchtigkeit auf der Fensterbank. Auch wenn Tropengewächse es feucht lieben, was sie gar nicht vertragen ist Staunässe. Wir sollten uns also beim Blumengießen deutlich zurückhalten. Die meisten Zimmerblumen gehen in Winter ein, weil sie „ertrunken“ sind und nicht verdurstet. Eine längere Trockenphase stecken diese Gewächse in der Regel gut weg. Aber schon nach zwei, drei Tage mit klatschnassen „Füßen“ gehen sie ein.

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