VonGerald Busschließen
Kunden der Stadtwerke Werl werden ab Januar deutlich weniger für Gas ausgeben müssen, auch der Strompreis sinkt.
Werl – Der heimische Energieversorger senkt den Gaspreis um 25 Prozent – was bei einem Musterhaushalt (15 000 Kilowattstunden/Jahr) rund 715 Euro Ersparnis im Jahr bringt.
Beim Strom senken die Stadtwerke erneut die Preise. Nach der ersten Senkung zum September um 16 Prozent geht es nochmals runter, um 4,1 Prozent. Ersparnis für den Musterhaushalt (3500 kWh): 60 Euro im Jahr. Das haben die Stadtwerke am Freitag auf Anfrage mitgeteilt.
Die Beschaffungssituation der Energie an den Börsen mit zuletzt stark gesunkenen Preisen mache es möglich, die Einsparungen an die Kunden weiterzugeben, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Robert Stams. Sie sei durchaus „massiv“.
Steuern: Ein Einsparfaktor entfällt
Eigentlich hätte die Absenkung beim Gas sogar 35 Prozent betragen sollen – und können. Aber da die Bundesregierung plane, die zuletzt in der Energiekrise zur Entlastung der Bürger abgesenkte Mehrwertsteuer zum Jahresstart wieder von 7 auf 19 Prozent anzuheben, entfalle ein gewichtiger Einsparfaktor. „Daher haben wir das von vornherein konservativ gerechnet“, sagt Stams. Man wolle den Kunden keinen Sand in die Augen streuen, jetzt die 7 Prozent einpreisen und in wenigen Wochen einen Nachschlag einfordern. „Wir machen es andersherum: Wir kalkulieren den schlimmeren Preis, so wie er realistisch zu erwarten ist – und wenn die Mehrwertsteuererhöhung doch noch wegfällt, geben wir die Minderkosten 1:1 an die Kunden weiter“, verspricht der Stadtwerke-Chef. Allein diese Steuer-Frage mache für den Durchschnittskunden 200 Euro im Jahr aus.
Die Signale der EU bezüglich der deutschen Preisbremsen für Strom und Gas stehen hingegen auf Verlängerung bis Ende März. Damit bleibt es wohl bei den kostenreduzierenden Preisdeckeln beim Strom (für 80 Prozent des bisherigen Verbrauchs maximal 40 Cent/Kilowattstunde, Rest normaler Preis Stadtwerke) und Gas (für 80 Prozent des bisherigen Verbrauchs maximal 12 Cent kWh, Rest normaler Preis Stadtwerke).
Ohne Frage habe die Preisbremse im Vorjahr bei hochknallenden Energiepreisen „gute Arbeit geleistet“. Aber nun die Steuer hochzusetzen, konterkariere die Beibehaltung des Preisdeckels, kritisiert Stams. Denn die Steuer belaste alle Nutzer. Sozial gerechter, so der Stadtwerke-Chef, wäre die Beibehaltung der gesenkten Steuer samt Auslaufen der Preisbremse gewesen. „Da hätte der, der weniger verbraucht, mehr von.“ Zudem liegen die Stadtwerke mit ihrem Strompreis (38 Cent) schon unterm Preisbremse-Wert, beim Verzicht auf die Mehrwertsteuererhöhung würde das auch beim Gas so sein (jetzt 13,16 Cent).
Verbrauch
Noch kann der Stadtwerke-Chef keine Zahlen nennen, wie das Verbrauchsverhalten der Kunden im Jahr 2023 war. Das zeigt sich erst mit der Jahresabrechnung Anfang 2024. „Aber wir sehen bereits, dass das Sparverhalten der Bürger grundsätzlich weiter vorhanden ist“ – und das sei, auch wenn zurzeit anders als im Vorwinter die Versorgungssicherheit nicht gefährdet ist, allemal richtig.
Zumal mit Blick auf die Kosten trotz der Senkungen der Energiepreis immer noch über dem Niveau der Zeit vor der Energiekrise ist. So lag der Börsen-Einkaufspreis für Strom zu Spitzenzeiten bei rund elf, nun bei rund 5 Cent. Das ist immer noch deutlich mehr als zu Vorkriegszeiten (rund zwei Cent). „Aber in der Relation ist es jetzt entspannter“, sagt Stams.
Gerade beim Strom habe der Wegfall der EEG-Umlage rund acht Cent ausgemacht, sodass der Gesamtpreis schon fast wieder altes Niveau erreicht habe. Klar ist aber mit Blick auf die Preiskurven: „Wenn irgendwo in der Welt etwas passiert, fangen die Linien sofort an zu zappeln.“ Zuletzt sorgte der Hamas-Überfall auf Israel für einen Börsen-Preissprung.
Investitionen
Die Netzentgelte beim Strom und Gas steigen weiter, was preisbelastend wirkt. „Aber das ist keine Überraschung“, sagt Stams. Denn wegen des Mehrbedarfs an Strom nicht zuletzt wegen Wärmepumpen und E-Mobilität brauche es Investitionen ins Stromnetz, das auf den höheren Verbrauch nicht ausgerichtet ist. Daher bauen die Stadtwerke Werl weiter aus: Drei Millionen Euro geben sie 2024 dafür aus, rund eine Million mehr als in den Vorjahren. Dafür geht es beim Gasnetz nur um Erhalt, sinken die Ausgaben von rund zwei auf eine Million Euro. „Es findet also eine Verschiebung vom Gas zum Strom statt.“
Die Kundenströme
Anders als erhofft, sind viele der 400 Kunden, die zur Energiekrise unter das Dach der Stadtwerke Werl geschlüpft sind, schon wieder abgewandert. Sie kamen wegen der Pleite ihrer Anbieter oder wegen des damals günstigsten Angebots in Werl, weil die Stadtwerke wegen der langfristigen Einkaufspolitik preisgünstige Energie aus Vorkriegszeiten anbieten bringen konnte.
Nun, wo die hohen Einkaufspreise aus den Börsen-Spitzenzeiten im Umkehrschluss die Preis-Kalkulationen des Hauses an der Grafenstraße (noch) belasten, kehren die Sparfüchse den Stadtwerken den Rücken: 75 Prozent der Neukunden seien schon wieder weg, bedauert Stams. Dabei lasse sich auch weiter über Sonderabkommen sparen. Dadurch sinkt der Preis für Strom und Gas beim Kunden, er muss sich aber ein Jahr binden. „Das schafft beiden Seiten Verlässlichkeit.“
Die Aussichten
Wenn man die Märkte betrachte, zeichne sich mittelfristig für die Jahre 2025 und 2026 ein weiteres Sinken des Energiepreises ab, sagt Stams. „Sie fallen nochmals im Vergleich zu 2024.“ Aber das betreffe eben nur den Einkaufspreis, der energiewirtschaftlich auf Entspannung deute. „Der Endkundenpreis hängt allerdings auch an Steuern und Umlagen.“ Die machen rund 50 Prozent der Preisgestaltung aus, liegen aber in der Hand der Bundespolitik. Da könne man den Blick in die Glaskugel kaum seriös wagen.
