Rückgang der Azubi-Zahlen

Fachkräftemangel: Handwerk in Hamm sucht dringend Nachwuchs

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Warben bei der Firma Schroeter und Fabian für das Handwerk: Kreishandwerksmeister Christoph Knepper (von links), Metallbauer-Geselle Walter Reim, Thomas Helm (Geschäftsführer der Arbeitsagentur Hamm), Detlef Schönberger und Volker Peitsch von Schroeter und Fabian.
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Allerorten fehlen Fachkräfte, gerade im Handwerk ist der Mangel groß. Besserung ist nicht in Sicht: Die Zahl der Auszubildenden im Handwerk ist gesunken.

Hamm – Es ist paradox. Da werden einerseits Handwerker dringend gesucht und können sich entsprechend die Aufträge aussuchen und gut daran verdienen – und andererseits sinkt die Zahl derer, die Handwerker werden wollen. 254 Männer und Frauen in Hamm haben in diesem Jahr eine Ausbildung im Handwerk begonnen, sieben Prozent weniger als im Vorjahr und in etwa so viele wie vor der Pandemie. Das teilte die Kreishandwerkerschaft bei einem Pressetermin in dieser Woche mit. In allen Lehrjahren gibt es 790 Auszubildende, das sind knapp acht Prozent weniger als vor einem Jahr.

Viele junge Menschen wollen sich für den Klimaschutz und die Energiewende einsetzen. Das können sie im Handwerk tun.

 Detlef Schönberger, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe

„Für uns ist besonders problematisch, dass wir gerade im Bereich Klimawandel, Energiewende einen Rückgang haben“, sagt Detlef Schönberger, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe. 39 Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sind nun im ersten Lehrjahr, zehn weniger als vor einem Jahr und vor allem deutlich weniger, als gebraucht werden. „Das sind diejenigen, die die Klimawende umsetzen“, sagt Schönberger: Sie bauten die Wärmepumpen ein, die gebraucht werden.

Rückgang der Azubi-Zahlen im Handwerk: Dachdecker und Klimatechniker fehlen

Ähnlich sieht es bei den Dachdeckern aus, ohne die kein Dach gedämmt oder begrünt werden kann. Acht haben 2022 ihre Ausbildung in Hamm begonnen, fünf weniger als im Vorjahr. „Viele junge Menschen wollen sich für den Klimaschutz und die Energiewende einsetzen“, sagt Schönberger. Das könnten sie als Handwerker ganz unmittelbar. Ihm fehlt das Verständnis dafür, dass die Nachfrage nach einer Ausbildung in dem Beruf nicht größer ist.

Thomas Helm beobachtet, dass insgesamt ein höherer Anteil junger Leute lieber weiter die Schule besucht oder studiert, statt eine Ausbildung zu machen. Das sagt der Chef der Arbeitsagentur Hamm bei dem Pressetermin. Die Zahl der Bewerber um einen Ausbildungsplatz insgesamt habe vor fünf Jahren knapp über 1700 gelegen, sie ist in diesem Jahr um 450 niedriger. „Dabei hatten wir durch die Zuwanderung eine weitgehend stabile Zahl an Schulabgängern.“

Für jeden das Passende finden, damit alle lange in ihren Berufen arbeiten

Grundsätzlich sei es kein Problem, wenn Leute studieren. Es fehlten schließlich auch Fachleute mit Studium. „Wichtig ist es nur, für jeden jungen Menschen das Passende zu finden“, sagt Helm.

Wichtig etwa dafür, dass die Leute dauerhaft in Berufen arbeiten. Denn die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter sinkt bereits und wird es bis 2035 weiter tun. „In diesem Zeitraum gehen die Babyboomer und die aus den zehn Jahren danach in Ruhestand“, sagt Helm. Vor diesem Hintergrund sei es eine große Herausforderung, den Fachkräftebedarf weiter zu decken. Große Veränderungen stünden an. Dazu sei es nötig, weiter auszubilden, Ältere umzuschulen, deren Berufe nicht mehr gefragt sind. „Viele Betriebe haben sich an ältere Auszubildende längst gewöhnt“, sagt Helm.

Nachwuchs finden: Kreishandwerkerschaft will selbstbewusst auftreten

Die Kreishandwerkerschaft hat sich vorgenommen, selbstbewusster aufzutreten, für sich zu werben und so mehr Auszubildende zu gewinnen. „Wir haben im Moment 276 offene Stellen“, sagt Schönberger über die gesamte Kreishandwerkerschaft. Wer möchte, kann noch bis Anfang des kommenden Jahres ins aktuelle Lehrjahr einsteigen.

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