Hattingen

Hund nach Tötungsversuch gerettet – „Jetzt wird alles gut, kleiner Mann“

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Ein Hund mit Kabelbindern um den Hals irrt eine Woche durch Hattingen. Zuvor hatte jemand versucht, ihn zu töten. Jetzt wurde „Max“ gerettet und hat Chancen auf ein gutes Leben.

Hattingen – Max hat überlebt. Obwohl jemand versucht hat, ihn zu töten. Trotz der tiefen Wunden um seinen Hals. Gut eine Woche war der Hund durch Hattingen (NRW) zwischen Wuppertal, Essen und Bochum geirrt. Kabelbinder, Panzertape und Fetzen der Plastiktüte, die ihn wohl töten sollte, hingen immer noch um seinen Hals. Mit einer aufwändigen Rettungsaktion gelang es ehrenamtlichen Tierrettern jetzt, den dreijährigen Hund einzufangen und ihn an einen Tierarzt zu vermitteln.

Hattingen: Hund irrt nach Tötungsversuch tagelang durch Hattingen

„Das war ganz klar ein Tötungsversuch“, sagt Stefanie Hirche. „Das zeigten deutlich die Reste der Plastiktüte, die noch um seinen Hals hingen.“ Wahrscheinlich sei das Tier noch rechtzeitig weggelaufen, sagt die erste Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Dogman Tierhilfe, der ehrenamtlich Tiere von der Straße rettet. Gemeinsam mit anderen hat sie den Hund am Mittwoch, 11. Oktober, nach einer mehrstündigen Rettungsaktion einfangen können.

Der Hund war mit Kabelbindern und Panzertape um den Hals durch Hattingen geirrt.

Zuvor war Max wohl mehr als eine Woche lang durch Hattingen geirrt. Die Relikte des Mordversuchs an seinem Hals deutlich erkennbar. „Unfassbar, dass da nicht eher gehandelt wurde“, sagt Hirche. Am Dienstag, 10. Oktober, tritt sie mit einem anderen ehrenamtlichen Tierretterverein in Kontakt. „Der wollte sich dem Fall annehmen“, berichtet Hirche. Der Hund war in einem Radius von sieben bis zehn Kilometern immer wieder gesehen worden. Anwohner versuchten, ihn mit Futterstellen anzulocken. Vergeblich.

Tierretterverein kann verletzten Hund in einen Rohbau locken – Eigentümer bleiben gelassen

Einen Tag später gab es Meldung von der Polizei: Eine 14-Jährige hatte das Tier mit Hundesnacks in ihrem Garten anlocken und füttern können. Hirche und die anderen Retter machen sich auf den Weg nach Hattingen. Eine Stunde brauchen Sie dafür. Der Verein sitzt in Leverkusen. Doch als sie in dem Garten ankommen, war der Hund schon wieder weg.

Die Retter suchen die Umgebung ab. Bald werden sie von Handwerkern gerufen, die den Hund entdeckt hatten. „Er war total verängstigt“, sagt Hirche. „Er war am Anfang so schreckhaft, dass wir gar nicht nah genug ran kamen.“ Doch mit viel Geduld und vielen Leckerchen können sie Max dann in den Rohbau eines Hauses locken. „Er hat viel gewimmert“, sagt Hirche. Irgendwann habe er sich dann aber doch streicheln lassen. „Ein ganz lieber Hund, das hat man schnell gemerkt.“

Die Rettungsaktion wurde auch von den Hauseigentümern und dem Architekten nicht behindert. „Die haben unsere Arbeit ganz gelassen hingenommen“, berichtet Hirche. Sie schaffen es, Max einzufangen und zu einem Tierarzt zu bringen. Dort werden ihm die Kabelbinder, das Panzertape und die Reste der Plastiktüte entfernt. Die waren zum Teil schon eingewachsen. Hals und Kiefer waren angeschwollen. Der Hund konnte nur schlecht atmen und essen.

Ehrenamtliche Tierrettung

„Dogman Tierhilfe e.V“ ist ein gemeinnütziger Verein aus Leverkusen.

► Vier Menschen engagieren sich dabei ehrenamtlich für die Tierrettung. Sie betreuen Fundtiere, bergen und sichern Haustiere, helfen aber auch Wildtieren und Vögeln in Not. Ihr Fokus liegt darauf, „Tiere aus Notlagen zu befreien“.

► Die Einsatzzeit der Tierhelfer liegt zwischen 9 Uhr und 22 Uhr, für wirklich dringende Notfälle ist das Team rund um die Uhr erreichbar.

► Die Anzahl der Tiere, die sie retten, variiert täglich. Manchmal gibt es eine Meldung, manchmal 20 am Tag.

► Immer wieder gibt es Fälle, wo Tiere ausgesetzt werden. In Köln wurde zuletzt ein kleiner Hund vor einem Tierheim abgelegt, bei dem sich später herausstellte, dass ihn auf Ebay niemand kaufen wollte. Ein blinder Wellensittich hatte dafür mehr Glück und hat in einer Voliere zwei neue Freunde gefunden.

Mordversuch an einem Hund: Viel Anteilnahme auf Facebook

Und wie geht es ihm jetzt? „Den Umständen entsprechend gut“, sagt Hirche. Der Tierarzt hat Max‘ Wunden versorgt und er konnte noch am selben Tag zum Tierheim gebracht werden. Wie schlimm die seelischen Verletzungen sind, ließe sich jetzt noch nicht sagen, so Hirche. Doch es gebe gute Anzeichen, dass er sich erholt. „Er ist ein lieber Hund, lässt sich streicheln und ist den Menschen gegenüber nicht feindselig.“ Man wisse natürlich nicht, welche Triggerpunkte es für ihn gebe, ob er etwa auf den Anblick von Plastiktüten gestresst reagiert. „Aber er ist noch jung, die Chancen stehen gut, dass er sich erholt und noch ein schönes Leben führen kann.“

Max ist nach einer Behandlung beim Tierarzt auf dem Weg der Besserung.

Das wünschen ihm viele der Menschen, die den Facebook-Beitrag mit den Fotos von Max kommentiert haben. „Jetzt wird alles gut, kleiner Mann“, schreibt einer. Viele danken dem Verein für den Einsatz. „Toll, dass ihr euch gekümmert habt“, heißt es da. Doch neben all dem Zuspruch regt sich auch Wut und Fassungslosigkeit bei den Facebook-Nutzerinnen und Nutzern. Einer schreibt: „Puh, mir wird richtig übel. Das arme Tier.“

Erste Hinweise nach Tötungsversuch: Tierretter stellen Anzeige

Wie Menschen so etwas tun können? „Das wüssten wir auch gern“, sagt Hirche. „So ein Fall ist uns auch noch nicht untergekommen.“ Dabei rettet die 40-Jährige gemeinsam mit drei anderen ehrenamtlichen Helfern jeden Tag Tiere von der Straße. Mal ist es eines am Tag, mal sind es 20. Und es fehlt an Unterstützung. Aber es gebe nur wenige, die bereit sind, ehrenamtlich zu helfen. „Wir sind rund um die Uhr erreichbar, da gibt es kein Privatleben mehr“, sagt Hirche.

Und trotzdem hören sie nicht auf. Fast stündlich gibt es neue Beiträge auf ihrer Facebook-Seite: verlorene oder vermisste Tiere. Und wenn es zum Fall passt, werden die Tierretter auch selbst aktiv. Bei dem Mordversuch an Max gebe es bereits Hinweise. Mehr kann Hirche dazu noch nicht sagen, aber: „Wir haben bereits Strafanzeige gestellt.“ Max kann dieses grausame Ereignis in seinem jungen Leben bald hoffentlich vergessen. „Er lebt gerade noch im Tierheim, soll aber bald vermittelt werden“, berichtet Hirche. „Dann hat er hoffentlich ein schönes, sorgenfreies Leben.“ Denn Max ist ein lieber Hund. (ebu)

Rubriklistenbild: © Dogman Tierhilfe e.V.

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