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„Gewisse Sättigung“: WDR ignoriert A45-Sperrung in Verkehrsnachrichten

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Die Verkehrsnachrichten der WDR-Sender sind die wichtigste Informationsquelle für Autofahrer. Warum wird die A45-Sperrung dort ignoriert?

Lüdenscheid – Wenn eine Autobahn gesperrt ist, ist das eine wichtige Information für alle Verkehrsteilnehmer. Sie prüfen daraufhin ihre Route und ändern sie gegebenenfalls ab. Viele Auto- und Lkw-Fahrer hören daher vor und während der Fahrt Radio – und bei den Verkehrsnachrichten genau hin. Wichtigste Informationsquelle bei Sperrungen, Staus und Verkehrsbehinderungen in NRW sind dabei die Sender des Westdeutschen Rundfunks (WDR).

Sie informieren ihre Hörer rund um die Uhr im Halbstundentakt über die aktuellen Beeinträchtigungen und Zeitverzögerungen auf den Straßen im Land. Auffallend dabei: Die A45-Sperrung bei Lüdenscheid – die größte Verkehrseinschränkung in Deutschland – wird nicht einmal bei Stau und Zeitverzögerung im WDR genannt. Warum eigentlich nicht?

„Gewisse Sättigung“: WDR ignoriert A45-Sperrung in Verkehrsnachrichten

Aufmerksame Autofahrer und Radiohörer werden sich noch erinnern: Das war einmal anders. Als die A45 zwischen Lüdenscheid-Nord und Lüdenscheid am Nachmittag des 2. Dezember 2021 gesperrt wurde, verwiesen die Moderatoren in jeder Verkehrsnachrichten-Sendung auf die Sperrung und die verstopften Umleitungen und empfahlen sogar die weiträumige Umfahrung. Inzwischen ist es ein seltener Moment, wenn die A45-Sperrung in den Verkehrsnachrichten überhaupt erwähnt wird.

Dabei ist die Fahrtzeit selbst bei freier Fahrt mindestens 15 Minuten länger als sie es früher auf der Autobahn war. In der Regel staut sich der Verkehr derzeit aber immer auf der Umleitung durch Lüdenscheid – zu verfolgen in Echtzeit auf der Karte der Internetseite verkehr.nrw. So auch am Freitagmittag, als der Zeitverlust beispielsweise in beiden Fahrtrichtungen etwa 30 Minuten betrug. In den Verkehrsnachrichten der WDR-Sender gab es am Freitag dazu kein Wort, obwohl der Stau in Lüdenscheid zu diesem Zeitpunkt landesweit den höchsten Zeitverlust für die Autofahrer bedeutete.

WDR erklärt, warum A45-Sperrung in Verkehrsnachrichten nicht mehr vorkommt

So ist es fast täglich. Lüdenscheid wird ignoriert, sogar dann, wenn die Moderatoren verkünden, dass es „keine Meldungen“ gebe. Und warum ist das so? „Uns beschäftigt die Situation rund um Lüdenscheid selbstverständlich seit Beginn der Sperrung und wir versuchen stets, die bestmöglichen Informationen zur Verfügung zu stellen“, sagt WDR-Sprecher Christian Ronig. In Lüdenscheid habe man es jedoch mit einer „sehr langen Sperrung“ zu tun. In diesen Fällen verfahre man seit Jahren gleich.

„Nach einer längeren Phase ununterbrochener Erwähnung bemerken wir meist eine gewisse Sättigung mit der Dauer-Information. Wir erhalten dann unter anderem Zuschriften, dass die Meldung nun ausreichend oft im Radio gesendet worden sei“, sagt der WDR-Sprecher. Genervte Hörer muss es auch im Fall der A45-Sperrung in Lüdenscheid gegeben haben, denn schon nach wenigen Wochen änderte der WDR sein Vorgehen.

Die Autobahnen in NRW: Fakten rund um A1, A2, A3 und Co.

Autos und Lkw stehen im morgendlichen Berufsverkehr auf der Autobahn A555 im Stau.
Das Autobahn-Netz in Nordrhein-Westfalen ist so dicht wie in keinem anderen Bundesland. Es gibt 17 Autobahnen auf einer Gesamtlänge von 2.260 Kilometern.  © Oliver Berg/dpa
Die Autobahn A1 endet am 11.08.2016 bei Kelberg (Rheinland-Pfalz). Zwischen Kelberg und Blankenheim klafft eine Lücke von rund 25 Kilometern.
Die A1 - die drittlängste Autobahn in Deutschland - verläuft auf 253 Kilometern durch NRW. Südlich von Blankenheim in der Eifel klafft eine Baulücke von rund 25 Kilometern. Schon seit Anfang der 1980er Jahre ist der Neubau der A1 durch die Eifel geplant. Die bauliche Durchführung gilt wegen des Verlaufes im Gebirge als besonders aufwändig.  © Thomas Frey/dpa
Das Kamener Kreuz
Die A2 ist eine der ältesten Autobahnen Deutschlands. 189 Kilometer führen durch NRW. Die A2 beginnt im Ruhrgebiet (Oberhausen) und endet im Dreieck Werder kurz vor Berlin. Die Autobahn ist von großer Bedeutung für den Güterverkehr zwischen den Niederlanden und Belgien im Westen sowie Polen im Osten. Das wird zum Problem: Immer wieder gibt es auf der A2 schwere Lkw-Unfälle mit tödlichem Ausgang. © Hans Blossey/Strassen.nrw/dpa
Autos stauen sich auf der A3 Richtung Süden bei Köln nach einem Unfall.
Die A3 ist die zweitlängste Autobahn in Deutschland und führt von der niederländischen Grenze durchs Ruhrgebiet und den Kölner Raum bis zur österreichischen Grenze. In NRW liegt der meistbefahrene Abschnitt, nämlich zwischen Köln-Dellbrück und dem Kreuz Köln-Ost.  © Henning Kaiser/dpa
Eine von einem Zeppelin NT aus der Luft gemachte Aufnahme zeigt die Rodenkirchener Brücke der A4 über den Rhein.
Die A4 verläuft einmal quer durch Deutschland - mit einer Unterbrechung zwischen Krombach und dem Kirchheimer Dreieck in Hessen. In NRW startet sie an der niederländischen Grenze bei Aachen und führt über Köln nach Krombach in den Kreis Siegen-Wittgenstein.  © Henning Kaiser/dpa
Auf der A4 zwischen Köln und Gummersbach ist am 26.08.2004 Tanklastzug mit 32.000 Litern Benzin und Diesel bei einem Unfall auf der Wiehltalbrücke in Brand geraten, hat die Leitplanke durchbrochen und ist ca. 50 Meter in die Tiefe gestürzt. Danach musste ein Teilstück der Brücke erneuert werden.
Ende August 2004 hatte ein Autofahrer auf der A4 zwischen Köln und Gummersbach einen Tanklastzug gerammt, der daraufhin mit 32.000 Litern Treibstoff in die Tiefe stürzte und explodierte. Der Fahrer kam ums Leben. Die viel befahrene Wiehltalbrücke wurde durch das Flammeninferno stark beschädigt. Ein aus elf Teilen zusammengeschweißtes Segment musste daraufhin in die Brücke eingesetzt werden. Die Reparaturkosten wurden auf mehr als 30 Millionen Euro geschätzt. Die Rede war seinerzeit vom bisher teuersten Verkehrsunfall in der Bundesrepublik Deutschland.  © Felix Heyder/Julian_Löhe/dpa | Collage WA
A44 von oben, Kreis Soest, Autobahn, Symbolbild
Die A44 verläuft durch NRW und Hessen. Je nach Region hat die Autobahn unterschiedliche Spitznamen: Von der belgischen Grenze bis Düsseldorf wird sie Belgienlinie genannt. Die Verbindung der Städte Düsseldorf, Bochum und Dortmund hat der A44 einen eher kuriosen Namen eingebracht: DüBoDo.  © Daniel Schröder
Rahmedetalbrücke Streetart
Seit Dezember 2021 ist auf der A45 die Talbrücke Rahmede bei Lüdenscheid voll gesperrt. Ein Ersatzneubau soll in fünf Jahren fertig sein. In einer Nachtaktion hat ein Künstlerkollektiv im Märt 2022 eine Friedensbotschaft auf die Autobahn gemalt: „Lasst uns Brücken bauen.“ Ergänzt wurde dies durch das Hashtag #Bridgeplease und die ukrainische Nationalflagge. Dist Künstler wollten die A45-Brücke in ein Monument des Zusammenhalts verwandeln - in Zeiten, in denen die Menschen in der Region mit Corona-Folgen, Krieg und eben einer jahrelang gesperrten Brücke zu kämpfen haben. © Willi & Söhne
Die Autobahn 445 bei Werl soll bis nach Hamm weitergebaut werden.
Die A445 hat kein Ende. Die Autobahn verläuft auf gerade einmal 14,1 Kilometern von Werl (Kreis Soest) bis in den Hochsauerlandkreis, wo sie ohne richtiges Ende in die A46 übergeht. Die „kleine“ Autobahn soll aber verlängert werden. Geplant ist ein Lückenschluss um 7,6 Kilometern bis zur A2 in Hamm-Rhynern.  © Maaß / soester-anzeiger.de
Die erste deutsche Autobahn zwischen Köln und Bonn, die auf eine Gesamtbreite von 40 Metern ausgebaut werden sollte. Am Samstag, 23.07.2022 vor genau 90 Jahren eröffnete Konrad Adenauer die heutige Autobahn 555 von Köln nach Bonn. Sie ist nach Angaben der Autobahn GmbH des Bundes "Deutschlands älteste öffentliche Autobahn
Die B555 ist die älteste Autobahn Deutschlands (Foto von 1966). Sie verbindet seit 1932 die Städte Köln und Bonn auf einer Gesamtlänge von 20 Kilometern. Am 6. August 1932 eröffnete Konrad Adenauer die „kreuzungsfreie Kraftwagenstraße“ zwischen Köln und Bonn. Damit ist die heutige A555 schon über 90 Jahre alt. © Wolfgang Weihs/dpa

„Zusammen mit den Hörfunkprogrammen entwickeln wir in diesen Fällen einen Plan, wie die Meldung sinnvoll platziert werden kann“, sagt Christian Ronig. Das Ergebnis der senderinternen Beratung: Bereits seit dem 28. Dezember 2021 – zu diesem Zeitpunkt war noch offen, ob die Brücke im Frühjahr 2022 wieder frei ist – wird die Sperrung der A45 mindestens zweimal täglich im gesprochenen Verkehrshinweis gemeldet – und zwar während des Berufsverkehrs am Morgen und am Nachmittag. „Darüber hinaus melden wir die Sperrung, wenn der Stau vor der Sperrung und die Umfahrung über die Ableitung ab Lüdenscheid deutlich mehr als eine Stunde kostet“, erklärt der WDR-Sprecher. Er verweist aufs Onlineangebot.

WDR verweist auf ähnliche Verfahrensweise im Juli 2021

Bei der Sperrung der A61 im Rheinland zwischen den Kreuzen Meckenheim und Kerpen infolge der Flutschäden vom Juli 2021, sei man „ganz ähnlich verfahren“. Nach welchem Zeitraum das Vermelden dieser Verkehrsnachricht reduziert wurde, blieb allerdings unklar. Der Abschnitt war nach fünfmonatiger Bauzeit bereits im Dezember wieder freigegeben worden.

Bis zur Wiederfreigabe der A45 bei Lüdenscheid dauert es laut Planungen dagegen noch fünf Jahre. Auf die Frage „Wie gedenkt der WDR in seinen Hörfunk-Verkehrsnachrichten bis zur Freigabe der A45 – voraussichtlich im Jahr 2026 – mit der Autobahnsperrung bei Lüdenscheid umzugehen?“ antwortet Sender-Sprecher Ronig: „Wir werden die Situation rund um Lüdenscheid weiter engmaschig begleiten und bis zur Fertigstellung der neuen Brücke bei den entsprechenden Anlässen darüber berichten.“

Derweil laufen die Vorbereitungen für den Sprengabbruch der A45-Talbrücke Rahmede - zumindest die Arbeiten, die in Zuständigkeit der Autobahn GmbH liegen. Es kommt zu temporären Sperrungen.

Rubriklistenbild: © Georg Wendt/dpa

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