Interview

Giant Rooks: Amerika-Euphorie vor bis zu 25.000 Fans

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Konzertgenuss pur: Die Giant Rooks nach dem Auftritt in Sao Paulo am 11. Mai 2024. Das Bild zeigt nur einen Ausschnitt...
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33 Konzerte in Nord- und Südamerika binnen zwei Monaten, viele davon als Support eines Superstars: Die Giant Rooks haben Blut geleckt und wollen unbedingt zurück nach Lateinamerika. Ein Interview voller Begeisterung.

Hamm – New York, Rio, Mexico City, Sao Paulo, L.A., San Francisco, Nashville, Montreal... Was wie eine Bucketlist für Traumreiseziele in mehreren Jahren klingt, haben die Giant Rooks in knapp zwei Monaten erlebt. 33 begeisternde Konzerte in Nord- und Südamerika hat die Band aus Hamm im April und Mai 2024 gespielt, zwei Drittel allein in Clubs und ein Drittel als Support von Superstar Louis Tomlinson vor bis zu 25.000 Fans. Und ein bisschen Touri-Programm gab‘s auch.

Kein Wunder, dass die fünf früheren Schulfreunde Blut geleckt haben und möglichst bald wieder zurück nach Lateinamerika wollen, wo stets eine besonders euphorische Stimmung herrscht. Mittendrin war Schlagzeuger Finn Thomas, wie alle anderen Teil der Band seit 2014. Voller Begeisterung erzählt der 25-Jährige im Interview von den jüngsten Erlebnissen in Übersee. Und vom bleibenden starken Kontakt in die beschauliche Heimatstadt.

Giant Rooks 2024: Interview mit Finn Thomas

Konzerttourneen in Übersee gehen zwangsläufig mit weiten Strecken einher. Wart ihr immer mit dem Flugzeug unterwegs?
In Südamerika tatsächlich ja, wegen der enormen Distanzen. In Nordamerika sind wir alle Strecken mit dem Bus gefahren. 
Welche Distanz hat am meisten Zeit gefressen?
Von Chicago nach Denver ist eine ordentliche Strecke, von Denver bis Portland auch … und von Phoenix nach Texas. Wir sind dann abends los und mittags oder nachmittags angekommen. Manchmal waren wir mehr als zwölf Stunden unterwegs. Geschlafen haben wir im Bus.
Die Rückkehr nach Hause war sicher eine Art Kulturschock, oder?
Ein bisschen zurechtfinden mussten wir uns schon. In meinem Zimmer habe ich erstmal erstaunt geschaut, wie alles aussieht - aber das war irgendwie auch ein schönes Gefühl (lacht).
Drummer Finn Thomas beim Auftritt in Sao Paulo. Für ihn war es der tollste Moment der Übersee-Tour 2024.
War diese Reise die längste in eurer Giant-Rooks-Zeit?
Ja. Zuvor waren wir zwar schon mehrere Wochen unterwegs, zwischendurch aber immer für Pausen zuhause. Zwei Monate am Stück komplett weg, das hatten wir noch nie. Vor allem waren wir ja zum ersten Mal in Südamerika und Lateinamerika, das war für uns schon was ganz besonderes. Keiner von uns war je schon mal dort. 
Die Stimmung bei Konzerten ist dort eine ganz andere als im Rest der Welt, oder?
Ja, voll. Das ist wirklich ein super cooles Publikum, vor dem man da spielt. Die Leute sind super „into it“, kennen alle Texte, singen viel mit, alle gehen total ab, tanzen und stimmen zwischen den Songs manchmal sogar richtige Fangesänge an.
Das euphorisiert euch als Musiker doch sicher noch zusätzlich...
Ja. Da baut sich einfach voll die gute Energie auf zwischen uns und den Leuten, das befeuert sich alles gegenseitig. 
Hättet ihr gern noch weiter gemacht, oder wart ihr am Ende froh, wieder nach Hause zu fahren?
Naja, auch alle guten Dinge haben irgendwann ein Ende. Wir alle waren froh, dass es nach zwei Monaten wieder nach Hause ging, auch wenn wir die Zeit alle sehr genossen haben.
21 Gigs in Nordamerika, 12 in Südamerika - was war aufregender?
Ich würde sagen, dass Südamerika diesmal für uns aufregender war, auch weil wir in Nordamerika ja inzwischen schon ein paar mal waren und die Abläufe schon ein bisschen kennen. Obwohl es natürlich immer wieder supercool ist, dort zu spielen. Aber Südamerika war halt eine ganz neue Erfahrung. Neue Städte, neue Landschaften, neue Menschen…
Wie lange durftet ihr spielen als Support von Louis Tomlinson, der ja mit der Boygroup „One Direction“ berühmt wurde?
Zwischen 30 und 35 Minuten. 
Ist es denn nicht charmanter, 90 Minuten zu spielen, wie eben im Norden bei den eigenen Auftritten?
Natürlich sind gerade Headlinershows immer etwas besonderes, weil die Leute ja für dich da sind, weil es unsere Fans sind. 
Waren unter den Besuchern im Süden denn erkennbar auch schon Giant-Rooks-Fans? 
Teils teils. Manchmal waren wir überrascht, wie viele Leute uns tatsächlich schon kannten und wie viele Fangruppen es gab. Vor allem in Brasilien gab es ein sehr gutes Feedback. Wir haben einige Male kleine „Meet and Greets“ gemacht, wo wir Leute persönlich getroffen haben - vor allem diese Fangruppen, mit denen wir über Instagram schon in Kontakt waren. Da waren durchaus einige dabei, die alle Songs kennen und der Band schon länger folgen. 
Nicht selten werden Supportacts erfolgreicher Bands in großen Arenen vom Publikum ignorant angeschwiegen. Diesen Effekt hattet ihr folglich nie, oder?
Nein. Auch wenn es Konzerte gab, auf denen uns noch nicht so viele Menschen kannten. Aber das ist nicht schlimm, weil es ein schönes Gefühl ist, wenn du merkst, dass die Leute während des Konzerts immer mehr an den Start kommen, sie anfangen zu tanzen, die Stimmung immer besser wird und man am Ende von der Bühne geht mit dem Gefühl, neue Fans dazugewonnen zu haben. 
Ganz spontan: Clubs oder Arenen, was ist geiler zu bespielen?
Schwierig. Wir sind glücklich, eine gute Mischung zwischen beiden zu haben. Große Arenashows machen superviel Spaß vor so vielen Leuten, außerdem kann man sich auf großen Bühnen besser bewegen, kann besser performen, eine coolere Show machen. Aber für viele Menschen sind Clubkonzerte schöner, weil es eine intimere Erfahrung ist. Auch für uns ist es schön, immer mal wieder nah an den Menschen zu sein. 
Zumal man euch dann ja auch besser sehen kann… Durftet ihr als Support von Louis Tomlinson denn die großen Leinwände nutzen?
Ja. Wir waren so an den beiden Bühnenseiten immer gut zu sehen. 
Habt ihr euch technisch gesehen auf der Bühne immer wohl gefühlt?
In Südamerika hatten wir immer eine gemietete Backline. Ich hatte zum Beispiel jeden Tag ein anderes Drumset. Auch andere Instrumente wurden vor Ort angemietet. Aber es hat alles eigentlich gut geklappt. Wir sind da mittlerweile Profis genug, um auch mit Mietgeräten eine gute Show gestalten zu können.
Ihr müsst das ja auch nicht allein beziehungsweise selbst machen… Wie viele feste Crewmitglieder kümmern sich denn um eure Sachen? 
Das kommt immer drauf an (lacht). In Nordamerika hatten wir für die Bühne drei Leute, in Südamerika zwei. Aber auch die Louis-Leute haben uns gut geholfen. Wir sind ja mittlerweile ein eingespieltes Team. Sonst würde das alles gar nicht funktionieren. 
Wie war denn der Kontakt zu Louis Tomlinson und seinen Leuten?
Vor allem mit der Crew hatten wir viel Kontakt, die waren auch oft bei uns im Flugzeug. Mit der Band haben wir uns auch gut verstanden. Louis selbst ist immer ganz gut abgeschirmt vom Rest. Aber zwei-, dreimal haben wir auch mit ihm einen netten Abend verbracht. 
Die Hammer Jungs mit Louis Tomlinson (3. von links). Für ihn durften die Giant Rooks in Südamerika eröffnen.
Welches war denn das größte und welches das kleinste Konzert dieser Tour?
Das größte war im Velez-Fußballstadion in Buenos Aires, da waren zwischen 20.000 und 25.000 Leute. Das kleinste war mit rund 500 auch in Buenos Aires, weil wir das erst einen Tag vorher angekündigt und in den Verkauf gegeben haben. Dennoch war es krass, dass auch dahin viele Leute gekommen sind. 
Aber auch in Nordamerika hattet ihr doch etwa diese Größenordnung, oder?
Genau, einige Gigs an der Westküste waren auch vor etwa 500 Leuten. An der Ostküste waren einige größere dabei, also bis zu 1500. Dort hatten wir ja im Sommer 2023 auch schon Supportkonzerte für Louis Tomlinson gegeben. 
Welche waren die drei besten Momente dieser ohnehin schon ungewöhnlichen Tour?
Gar nicht so einfach… Top eins war sicher das Konzert in Sao Paulo. Weil es das erste richtig große Konzert der Louis-Tournee war, in einem Fußballstadion. Die Stimmung war einfach wahnsinnig gut. Da waren viele Leute, die uns schon schon kannten, das hat viel Spaß gemacht. 
Dann natürlich die Off-Days, die wirklich schön waren. Wir haben coole Sachen gemacht und was gesehen von den Städten. In Santiago de Chile hatten wir den letzten kompletten Off-Day ohne Flug. Dort sind wir auf einen Berg gewandert und hatten ein tolle Aussicht auf die Stadt. Das war ein schöner Tag. In Rio de Janeiro hatten wir bei schönem Wetter einen entspannten Strandtag. 
So lange weit weg von Zuhause - hatte denn der eine oder andere von euch mal Heimweh?
Während der Tour waren wir schon sehr eingespannt und abgelenkt, auch wenn wir immer mal wieder mit unseren Leuten zuhause telefoniert haben, mit Eltern, mit Freunden. Richtig Heimweh kam erst in den letzten zwei Wochen auf, als alles doch recht lang wurde und wir uns alle gefreut haben, dass es bald zu Ende gehen würde. 
Das doch sicher in dem Wissen, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein dürfte, oder?
Ja, klar. Auch wenn noch nichts konkret geplant ist. Nach den Konzerten und Erlebnissen wollen wir alle gern zurückzukommen und auch eigene Konzerte spielen. Zumal uns viele Leute dort gefragt haben, wann wir wiederkommen und auch Headlineshows spielen. Darauf haben wir natürlich alle richtig Bock. 
Gab es Pannen oder andere Dinge, die euch mal aus der Bahn geworfen haben? 
In Südamerika hat alles erstaunlich gut funktioniert: Organisation, Flüge, Transport… Zumal wir das Glück hatten, keine nennenswerten Verzögerungen oder Ausfälle zu haben. In den USA ist uns einmal der Bus kaputt gegangen. Da mussten wir einen Tag in einer Stadt im Nirgendwo verbringen und auf die Reparatur warten. Da sind wir erst kurz vor knapp beim nächsten Konzert angekommen. Mehr fällt mir tatsächlich nicht ein (lacht).
Und ihr selbst seid alle durchgängig fit geblieben? Manchmal reicht es ja schon, etwas Falsches zu essen…
Im Prinzip schon, ja. Ich finde es auch erstaunlich, dass jedes einzelne Konzert der „How-Have-You-Been“-Tour stattgefunden hat. Das ist schon eine gute Leistung von uns (lacht). Natürlich hat zwischendurch immer mal einer von uns gekränkelt, war zum Beispiel wegen einer Klimaanlage erkältet. Aber wir versuchen uns während einer Tour auch gut zu ernähren und möglichst viel Sport zu treiben. 

Giant Rooks: „Nach wie vor viel Bock, in Hamm zu spielen“

Musik schreiben, Musik aufnehmen oder Musik live spielen: Was macht mehr Spaß?
Die Mischung aus allem macht den Reiz aus. Auf der Bühne live spielen ist für mich persönlich schon das coolste. Aber gerade nach so einer langen Tour ist es schön, wenn man auch mal wieder neue Musik schreiben kann. Und das dann im Studio aufnimmt und an Details arbeitet. Und dann ist doch wieder ein super Moment, wenn man das Neue zum ersten Mal live auf die Bühne bringen und Leuten präsentieren kann. 
Seit 2014 gibt es die Giant Rooks in dieser Konstellation. Wie würdest du euer Miteinander als Band beschreiben?
Wir sind eine Freunde-Gruppe, definitiv. So viel Zeit wie wir miteinander verbringen, das ist schon wie eine zweite Familie. Dazu gehören auch die Leute aus unserer Crew, mit denen wir ebenfalls gut befreundet sind. 
Ihr kommt alle aus einer Ecke in Hamm. Ist der Drang, zwischendurch nach Hause zu fahren, bei euch allen gleich stark, oder ist Berlin der eindeutige Lebensmittelpunkt?
Wir sind ja alle mit Hamm verwurzelt, wo unsere Eltern sind, unsere Familien. Wir kommen schon noch regelmäßig, um Hallo zu sagen und Leute zu besuchen. 
Können sich eure Fans zuhause Hoffnung machen, dass ihr trotz eurer Karriere doch nochmal in Hamm spielen werdet?
Ja, das glaube ich schon. Auch wenn jetzt gerade nichts konkret geplant ist. Im Sommer stehen noch einige Festivals an, dann sind wir für dieses Jahr durch mit Shows. Aber wir haben nach wie vor viel Bock, in Hamm zu spielen. Es müsste dann aber wohl irgendein spezielles Event sein. Da wird bestimmt nochmal was passieren… 
Hat denn einer von euch fünf jemals bereut, den Schritt von Hamm nach Berlin und damit in die Profimusik gewagt zu haben?
Nein, ich glaube nicht. Wir fühlen uns alle wohl in Berlin. Haben hier auch Freundeskreise aufgebaut. Haben viele Leute, mit denen wir hier zusammenarbeiten. Wir sind alle sehr glücklich. Und natürlich sind wir auch sehr dankbar, dass wir das überhaupt machen können. 

Alle bisherigen Auftritte der Giant Rooks in Hamm:

21. April 2014: Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Festival „Rock gegen Rechts“

Erster Auftritt beim Rock-gegen-Rechts-Festival am Stein-Gymnasium in Hamm.

12. September 2014: Kulturrevier Radbod, Tag der offenen Tür/Sommerfest

7. Februar 2015: Maxipark, Werkstatthalle (Support von „Bubasack“)

2. August 2015: Maxipark, Nabu-Jubiläumsfest

11. September 2015: Jugendzentrum Kubus (Festival)

18. September 2015: Hoppegarden 

24. Juni 2017: Kreativquartier Heinrich Robert (im Rahmen der „Extraschicht“)

Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017)

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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett
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Giant Rooks live in der Werkstatthalle im Maxipark (2017) © Sabine Begett

25. Februar 2017: Maxipark, Werkstatthalle 

9. März 2019: Maxipark, Festhalle

16. Mai 2023: Maxipark, Werkstatthalle

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