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In Hamm wird Industriegeschichte zum Rechtsstreit. Giftige Spuren im Grundwasser führen zu behördlichen Maßnahmen. Der Verursacher stellt sich quer.
Hamm – Die Spuren längst vergangener Hammer Industriegeschichte sind nun Auslöser für einen Rechtsstreit vor dem Verwaltungsgericht Arnsberg. Nachdem bei Grundwasseruntersuchungen auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Herdfabrik Küppersbusch an der Werler Straße (heute Aldi, Büro-Fachhandel und ehemalige Autohausfläche) Belastungen festgestellt worden waren, ordnete die Stadt sofortige Maßnahmen zur Gefahrenerforschung an. Dagegen hatte eine Küppersbusch-Unternehmensnachfolgerin geklagt.
Und zwar zwei Mal, wie ein Sprecher des Verwaltungsgerichts Arnsberg gegenüber unserer Zeitung erklärte. In einem Gutachten seien 2021 sogenannte leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) im Grundwasser nachgewiesen worden. Sie werden zum Teil als hoch giftig, gewässergefährdend und krebserzeugend eingestuft. Was das genau für diesen Standort und die Umgebung bedeutet, ist unklar. Auf Basis des Bundesbodenschutzgesetzes habe die Stadt damals unter Androhung von Zwangsgeld und sofortiger Vollziehung eine weitere Gefahrenerforschung verfügt.
Dagegen hatte das Unternehmen geklagt, war aber mit einem Eilantrag auf aufschiebende Wirkung vor dem Verwaltungsgericht im April 2022 gescheitert. Die summarische Prüfung des Gerichts habe unter anderem ergeben, dass die Verfügung nicht rechtswidrig und das öffentliche Interesse höher zu bewerten gewesen sei.
Urteil oder Vergleich
2023 habe die Stadt ihre Verfügung gegenüber dem Unternehmen noch einmal konkretisiert und unter anderem die Einrichtung weiterer Messstellen angeordnet. Auch dagegen habe das Unternehmen geklagt. Aus dem jetzt folgenden Hauptsacheverfahren am 23. April wird ein Urteil hervorgehen – es sei denn, Stadt und Klägerin einigen sich auf einen Vergleich. Das Urteil wird nicht in der Verhandlung, sondern zu einem späteren Zeitpunkt schriftlich verkündet.
Eine Stellungnahme des Unternehmens (Klägerin gegen die Stadt) zu verschiedenen Fragen, unter anderem zu den Planungen für das Grundstück und zum Anlass der Boden- und Grundwasseruntersuchungen, war vor dem Wochenende nicht mehr zu bekommen. Die Stadt Hamm machte keine Angaben und verwies auf das laufende Verfahren.
Herdfabrik
Zwischen 1904 und 1968 wurden auf dem Gelände der heutigen Hausnummern Werler Straße 244 (Aldi), 246 (Büromarkt, private Musikschule) und 248 (Freifläche) Herde hergestellt, zuletzt vom damals weltweit größten Herdbauer Küppersbusch mit Hauptsitz in Gelsenkirchen. Mitte September 1968 wurde die Aufgabe des Küppersbusch-Standortes in Hamm bekannt. „Weit über 100 Leute verlieren Arbeitsplätze“ hieß es damals in unserer Zeitung. Der Abriss der alten Gebäude erfolgte 1982/83. Fein gemahlener Bauschutt wurde damals in die Wege der Landesgartenschau (heute Maxipark) eingebaut. Ob davon jemals Gefahren ausgegangen sind, ist unklar.
Lidl-Neubau
Nach Abriss der Firma V&N unter der Hausnummer 248 hatte Lidl 2022 bestätigt, ein Baugenehmigungsverfahren bei der Stadt Hamm zu durchlaufen. Eine Baugenehmigung soll nach Informationen unserer Zeitung damals auch erteilt worden sein. Fragen zu Planungsdetails und zum weiteren Verlauf ließ Lidl immer mit Berufung auf ein laufendes Verfahren offen. Auf der eingezäunten Brache ist seitdem Stillstand. Ob dies ursächlich mit den Grundwasseruntersuchungen zusammenhängt, ist bisher unbeantwortet.
Modernerer Aldi
Der Aldi-Markt (Hausnummer 244) war im Juli 2018 umgebaut worden. Auf Anfrage kündigte Aldi am Freitag eine Stellungnahme zu Plänen auf dem Areal an.