Marktführer aus Bocholt

Telefon-Riese Gigaset aus NRW geht in die Insolvenz – was Kunden jetzt wissen müssen

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Fast jeder hat schon einmal ein schnurloses Telefon von Gigaset benutzt. Jetzt geht der europäische Marktführer mit Sitz in NRW in die Insolvenz. Was das für Kunden bedeutet.

Hamm - Viele hatten schon einmal eines in der Hand oder haben es sogar im Besitz: ein Telefon von Gigaset. Der Festnetztelefon- und Smartphone-Hersteller mit Sitz in Bocholt im Kreis Borken (NRW) gehört zu den bekanntesten Anbietern auf dem Markt für Kommunikationstechnologie, doch er ist in schwere wirtschaftliche Schieflage geraten. Er ist insolvent.

UnternehmenGigaset Communications
Gründung1. Oktober 2008, München
HauptsitzBocholt (NRW)

Telefon-Riese Gigaset geht in die Insolvenz - was Kunden jetzt wissen müssen

Der Vorstand der Gigaset AG hat beschlossen, „wegen Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Eröffnung eines Regelinsolvenzverfahrens für die Gigaset AG sowie einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung für deren mittelbare Tochtergesellschaft Gigaset Communications GmbH“ beim Amtsgericht Münster zu stellen. So heißt es in einer am Dienstagabend, 19. September, vom Unternehmen verbreiteten Mitteilung. 

Gigaset ist ein großer Player im Bereich der Schnurlostelefone nach dem DECT-Standard (schnurlos, aber ortsgebunden). Hier ist das Unternehmen nach eigenen Angaben Marktführer in Europa. 850 Mitarbeiter arbeiten für die Firma aus dem Münsterland.

Allerdings lahmt das Geschäft bei Gigaset schon seit längerer Zeit, vor allem im Kernbusiness mit den DECT-Schnurlostelefonen. Immer mehr Menschen sehen offenbar keinen großen Sinn darin, neben dem ohnehin vorhandenen Handy noch einen festen Apparat für Daheim zu kaufen.

Gigaset aus Bocholt (NRW) insolvent – Marktführer für schnurlose Telefone

„Gigaset ist es während der letzten Jahre nicht gelungen, den Rückgang im Kerngeschäft mit DECT-Schnurlostelefonen durch die richtigen Weichenstellungen in den neuen Geschäftsbereichen zu kompensieren“, wird Magnus Ekerot, CEO und Vorstandsvorsitzender der Gigaset AG, in der Mitteilung zur Insolvenz zitiert. „Diese ungesunde und einseitige Geschäftsausrichtung und der nunmehr eingetretene unerwartete und erhebliche Umsatzrückgang im 2. Halbjahr 2023 haben zur aktuellen Lage geführt“, so Ekerot weiter. Er stieß erst Anfang des Jahres zur Bocholter Firma.

Blick auf das Gigaset A400a. Der Anbieter von Kommunikationstechnologie Gigaset ist nach eigenen Angaben zahlungsunfähig.

Der Antrag auf Insolvenz bedeutet nicht das Aus für Gigaset. Die Entwicklungs-, Produktions- und Vertriebstätigkeiten für DECT-Schnurlostelefone würden unverändert fortgeführt, teilte das Unternehmen mit. Für Kunden wird sich also vorerst nichts ändern. Das Ziel ist die nachhaltige Restrukturierung der wirtschaftlichen Basis. Dass die Insolvenz nicht das Ende sein muss, zeigt das frische Beispiel des E-Bike-Herstellers Vanmoof. Er ist nach der Übernahme durch ein Formel-1-Unternehmen gerettet, auch wenn es für die Belegschaft nicht nur gute Nachrichten gab.

Zu den Geschäftsaktivitäten von Gigaset gehören neben Telefonen nach DECT-Standard auch Smartphones auf Android-Basis, Cloud-basierte Smart Home Angebote sowie Geschäftstelefonie-Lösungen. Erst wenige Tage zuvor hatte in der B-ON GmbH ein weiteres Unternehmen Insolvenz beantragt. Von dem Schritt des Herstellers von E-Fahrzeugen sind etwa 250 Beschäftigte betroffen, davon 170 in der Produktion in Düren.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Jörg Carstensen

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