- VonMechthild Wiesreckerschließen
Die Mehrwertsteuer in Deutschland in der Gastronomie ist gestiegen, aber „Andrés Auszeit“ hat beschlossen, bei den alten Preisen zu bleiben. Die Eigentümer begründen ihre Entscheidung.
Drensteinfurt – Mitte des Jahres 2020 senkte die Regierung vorübergehend den Steuersatz für Speisen in Restaurants und Cafés von 19 auf sieben Prozent – zuerst aufgrund der Corona-Pandemie, später wegen der Energiekrise. Seit Anfang dieses Jahres liegt die Mehrwertsteuer wieder bei 19 Prozent. Der Mehrpreis stellt eine zusätzliche Belastung für den Bürger dar – aber nicht im Café, Bistro und Restaurant „Andrés Auszeit“. Die beiden Besitzer haben beschlossen, die Erhöhung nicht an ihre Kunden weiterzugeben.
André Krawczyk und Frank Raulf sind nach zwei Jahren mit ihrer Location in Drensteinfurt angekommen. Sie haben sich in Drensteinfurt und über die Stadt hinaus einen Namen gemacht, die Gäste kommen gern und fühlen sich im gemütlichen Ambiente wohl.
Zunächst ratlos
Als feststand, dass die Mehrwertsteuer wieder auf 19 Prozent steigen würde, waren die beiden Gastronomen zunächst ratlos. „Wir haben hin und her überlegt, wie wir damit umgehen“, berichtet Frank Raulf. Die erste Frage, die sie sich stellten, war: Was passiert, wenn sie den Mehrpreis an die Kunden weitergeben? „Uns war schnell klar, dass viele Menschen ihren Lebensunterhalt gerade so stemmen können“, erklärt Raulf und führt aus: „Energiekosten, gestiegene Lebensmittelpreise und höhere Benzinpreise belasten die Bürger immens.“ Bei vielen bleibe trotz geregelter Arbeit einfach nicht genug Geld übrig, um die Freizeit zu nutzen und zu genießen, vielleicht durch einen Besuch im Zoo, Kino oder im Restaurant. Schnell seien sich die beiden Geschäftsführer einig gewesen, dass Essen gehen für jeden erschwinglich sein müsse.
Bei ihren Überlegungen erinnerten sie sich daran, dass sie die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung seinerzeit nicht an ihre Kunden weitergegeben hatten. „Nicht, um mehr Gewinn zu machen, sondern weil es damals, als Mehl, Zucker und Co. rar wurden, eine Rohkostverteuerung gab.“ Mittlerweile hätten sich die Preise wieder normalisiert.
Hier in Drensteinfurt gibt es Leute mit kleinem und großem Portemonnaie, wir wollen ausdrücklich für alle erschwinglich sein.
Zusätzlich bedeute die Mehrwertsteuererhöhung für eine GmbH, dass automatisch die Gewerbesteuer und Körperschaftssteuer gesenkt werde, da diese nach Abzug der Mehrwertsteuer berechnet werde, erläutert Frank Raulf.
Das allein reichte aber für die Entscheidung, die Preise für die Gäste im neuen Jahr nicht anzuheben, nicht aus. „Wir mussten im vergangenen Jahr 5000 Euro für Energiekosten nachzahlen“, berichten die beiden. Nach dem ersten Schock überlegten sie, wie Energiekosten eingespart werden können. „Uns war klar: Bei den Heizkosten können wir nicht sparen“, macht André Krawczyk deutlich. Denn wenn der Kunde wiederkommen soll, müsse er sich wohlfühlen. Und das gehe nicht, wenn er friert. Dafür warfen sie einen Blick auf die Elektrogeräte in der Küche, hätten akribisch darauf geachtet, dort keine Energie zu verschwenden, und dadurch seit dem „Nachzahlungsschock“ 10 000 Kilowattstunden eingespart.
Selbst in der Küche
Einen Koch haben André Krawczyk und Frank Raulf nicht mehr. „Wir beide stehen in der Küche und kochen selbst. Dann wissen wir auch genau, wie das Essen zubereitet wird und was reinkommt“, erzählen sie.
Gespart werden konnte auch bei den Lebensmitteln. „Nicht an der Qualität, sondern wir kaufen heute mehr Großgebinde ein, das spart Geld“, führen sie aus. Dies sei auch möglich, weil sie mit zuverlässigen Händlern arbeiten würden, die ihnen faire Preise machten.
Für Krawczyk und Raulf steht fest, dass der Verdienst größer ist, wenn viele Leute zum Essen kommen. Denn die Fixkosten für Personal bleiben gleich, egal ob zehn oder 50 Leute bedient werden müssen. „Ein leeres Haus rechnet sich nicht“, sagen die Gastronomen.
Bald wieder Steaks
Nicht zu vergessen ist, dass die Mehrwertsteuererhöhung sich nur auf den Verzehr im Haus bezieht. „Beim Catering und Fingerfood für außer Haus bleibt, sofern kein Geschirr geordert wird, der Satz von sieben Prozent.“ Gleiches gilt auch für Essen, das mitgenommen wird.
André Krawczyk macht noch einmal deutlich: „Hier in Drensteinfurt gibt es Leute mit kleinem und großem Portemonnaie, wir wollen ausdrücklich für alle erschwinglich sein.“
Und weil klar ist, dass die Gäste, die kommen, ihren Lebensunterhalt finanzieren, möchten sie ihnen auch etwas Schönes bieten. So gebe es neben gutem Essen, freundlicher Bedienung und gemütlichem Ambiente im Sommer auch draußen auf dem Marktplatz vor dem Restaurant besondere Angebote wie etwa Schnitzel- oder Cocktailtage, dazu eine Speisekarte, die immer mal wieder verändert werde. So haben die beiden vor einiger Zeit Steaks aus der Karte genommen. „Die Preise für das Fleisch waren in astronomische Höhe gestiegen. Die Summe, die ein fertiges Steak gekostet hätte, konnten wir unseren Kunden nicht zumuten“, erklärt Frank Raulf. Mittlerweile sei ein Einkauf wieder möglich, weshalb „Andrés Auszeit“ – das ist auch der Nachfragen geschuldet – das Steak bald wieder im Angebot hat.
Gäste sollen möglichst immer einen Platz finden. Darum gebe es keine geschlossenen Gesellschaften, es bleibe im vorderen Bereich immer Platz für spontane Kunden. „Wir schicken ungern Gäste weg, sondern versuchen, alles möglich zu machen“, sagt Krawczyk.
Und dann möchte Frank Raulf seinen Gästen noch eine Angst nehmen: „Bei uns kann jeder kommen. Es ist nicht verpflichtend, ein ganzes Menü zu bestellen; man kann auch mal einfach nur einen Wein oder Häppchen nehmen.“ Immerhin sei man nicht nur Restaurant, sondern auch Café und Bistro.