Historischer Goldpreis

Goldrausch: Hoher Preis lässt Menschen Edelmetalle eintauschen

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Das Altgold wird eingeschmolzen, um daraus neuen Schmuck anzufertigen. Auf diesem
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Das historische Allzeithoch des Goldpreises bewegt die Menschen in Meinerzhagen. Sie suchen in ihren eigenen vier Wänden nach Gold zum Eintauschen.

Meinerzhagen – Goldrausch in Meinerzhagen? Das erinnert stark an den Wilden Westen und das 19. Jahrhundert, als die Menschen massenhaft ihre Heimat verlassen haben, um ihr Glück in einer Goldmine der Neuen Welt zu suchen. Die Meinerzhagener suchen zwar nicht in Bergbauminen nach Gold, sondern graben stattdessen in ihren Schubladen, Dachböden und Kellern. Denn Gold ist teuer. So teuer wie noch nie. Diesen Monat erreichte der Preis für eine Feinunze Gold ein Allzeithoch von mehr als 2180 US-Dollar. Eine Feinunze Gold entspricht ungefähr einem Gewicht von 31,1 Gramm.

Gründe für das Hoch

Der Goldpreis hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dominik Rode, Vermögensbetreuer und Financial Consultant der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen, nennt drei wesentliche Gründe. „Zunächst die Aussicht auf Zinssenkung“, sagt Rode. Kurz erklärt: Sind die Zinsen hoch, fällt der Goldpreis. Umgekehrt wenn die Zinsen sinken, steigt der Goldpreis. Zudem heben mehrere Zentralbanken aktuell ihre Reserven an. Was wiederum die Nachfrage erhöht. Zuletzt seien es die weltweiten Krisen, die Personen dazu bewegen, in Gold zu investieren. „Es ist nach wie vor eine sichere Anlage“, erklärt der Finanzexperte.

So richtig in Schwung in die eine oder andere Richtung sei der Goldkauf dadurch aber nicht gekommen. Das bestätigt auch Patricia Lange von der Volksbank in Südwestfalen: „Unter privaten Anlegern ist die Nachfrage nach Gold bisher verhalten. Die augenscheinliche Beliebtheit führt aber dazu, dass kaum Verkäufe zu verzeichnen sind.“

Michael Nix und Claudia Gräler-Kostorz kommen von der Goldtheke Hagen, um das Gold aus Meinerzhagen abzuholen.

Michael Nix, Geschäftsführer der Goldtheke Hagen, weist drauf hin, dass es sich hierbei um den Börsenkurs handelt, der als Leitwert verwendet wird. Bei Schmuck handelt es sich um Altgold, das unter anderem durch Einschmelzen einen Wertverlust erfährt.

Goldankauf vor Ort

In Meinerzhagen ist das Fotoatelier Albrecht eine Annahmestelle für Edelmetalle. Inhaberin ist Ilka Albrecht. Wöchentlich werden die abgegebenen Stücke dann abgeholt, geprüft und untersucht. Auch Ilka Albrecht merkt: Es wollen wieder mehr Personen Gold verkaufen. „Der Goldpreis ist schon seit ein bis zwei Jahren hoch. Anfangs wollten sehr viele verkaufen, dann wurde es weniger und im Augenblick zieht es wieder an“, erklärt die Fotografin. Sehr häufig werde Zahngold abgegeben, gefolgt von Familienschmuck und Silberbesteck. „Einmal hat ein Kunde beim Ausmisten eine Schatzkiste aus Blech gefunden, in der eine wertvolle Münze versteckt war“, erzählt sie. „Dann gibt es zwei Freundinnen, die nach und nach Sachen einreichen und jedes Mal von dem Erlös Kaffee trinken gehen.“

Doch nicht nur der hohe Goldpreis veranlasst die Menschen, ihre Schätze zu verkaufen. „Viele Kunden müssen verkaufen aufgrund der erhöhten Lebenserhaltungskosten und haben dann Tränen in den Augen“, berichtet Claudia Gräler-Kostorz, Goldtheke Hagen. Andere wiederum hätten Tränen in den Augen, weil sie sich so freuten, dass es so viel Geld ist, fügt Michael Nix hinzu.

„Der Verkauf von Edelmetallen ist Vertrauenssache“, warnt Nix vor unseriösen Händlern. „Den seriösen Händler gibt es nicht erst seit gestern und er ist ortsansässig.“ So gebe es Reisebusse aus Holland, beispielsweise, die umher fahren und Gold annehmen. Stattdessen sollte das Prüfszenario transparent sein. Das heißt, dass die Kunden auch zuschauen könnten. Auch ein Ankaufsbeleg sowie die Pflicht sich auszuweisen sind Kriterien, die erfüllt werden müssen.

In der Goldschmiede

Mareike Seuthe ist Goldschmiedin in Meinerzhagen. Sie kauft kein Gold an, sondern verarbeitet Gold zu Schmuckstücken. Trotz des hohen Goldpreises werde nicht weniger gekauft, dennoch merkt die Goldschmiedin die Auswirkungen. „Vor 15 Jahren habe dieselben Ringe noch für 500 bis 800 Euro weniger verkauft“, erklärt sie. „Ich selber verdiene nicht mehr als vorher daran.“

Goldschmiedin Mareike Seuthe schmilzt Altgold ein und verarbeitet es weiter.

Der Trend geht ins Neu Verarbeiten. Immer mehr Kunden geben Altgold zum Einschmelzen ab, anstatt ein neues Schmuckstück zu beauftragen. So werden beispielsweise aus den alten Trauringen der Großeltern neue, moderne Ringen. Dadurch sparen die Kunden in zweifacher Hinsicht. Zum Einen bezahlten sie nur die Arbeitszeit der Goldschmiedin und zum anderen haben sie durch die Neuverarbeitung weniger Wertverlust als durch das reine Einschmelzen.

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