Größere Duschköpfe, schönere Schalter

So luxuriös sollen Zimmer für Privatpatienten in neuer Klinik werden

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In wenigen Monaten fertig: der Neubau der Klinik für manuelle Therapie.
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Um Leistungen für Privatpatienten abrechnen zu können, müssen Zimmer für Privatpatienten anders ausgestattet werden als die für Kassenpatienten. Ein Klinik-Geschäftsführer gewährt Einblicke.

Hamm – Gesetzlich oder privat versichert? Von der Antwort auf diese Frage wird für Patienten der Klinik für manuelle Therapie künftig abhängen, ob Patienten in ihren Zimmern auf weiße oder mattschwarze Lichtschalter drücken, welche Vorhänge an ihren Fenstern hängen und aus wie vielen Sorten Brötchen sie beim Frühstück auswählen können. Die Klinik für manuelle Therapie (KMT) baut neu. Für etwa 20 Millionen Euro entsteht an der Fährstraße in Hamm ein dreistöckiges Gebäude plus Tiefgarage und Staffelgeschoss. Darin soll es eine Trainingsfläche geben, Behandlungszimmer, Besprechungsräume und 48 Zimmer für Patienten.

Ein Teil dieser Zimmer ist für Privatpatienten vorgesehen. Über die Ausstattung dieser Komfortzimmer hat KMT-Geschäftsführer Karl Ehrmann lange und detailliert mit dem Verband privater Krankenversicherungen (PKV) verhandelt, holte sich dafür externe Beratung. Denn damit private Krankenversicherungen die Behandlungskosten ihrer Versicherten tragen, müssen sich die Zimmer von denen gesetzlich Versicherter abheben. „Man hat es beim PKV zum Beispiel nicht gern gesehen, dass wir keine Dreibettzimmer anbieten werden“, sagt Ehrmann.

Keine Dreibettzimmer für Kassenpatienten - bei Privatversicherern ist das nicht gern gesehen

Dreibettzimmer seien zwar Standard – aber Ehrmann hält sie nicht für zeitgemäß. So werden auch gesetzlich Versicherte künftig höchstens in Doppelzimmern liegen. Gibt es aber kein Dreibettzimmer, verringert sich der Unterschied zwischen privater zur gesetzlicher Kasse.

Karl Ehrmann im Neubau: Noch lässt sich nicht erkennen, ob dieser Raum für Privat- oder Kassenpatienten gedacht ist.

Der Geschäftsführer steht auf der Baustelle. Das Rohbaustadium ist längst überschritten. Fenster sind eingebaut, Kabel verlegt. In einem Modellbad liegen Fliesen, in einer Etage läuft die Fußbodenheizung, sodass der Estrich trocknet. Ende April 2024 werden voraussichtlich die ersten Patienten einziehen. „Die Zimmer sind für Kassen- und Privatpatienten in etwa gleich groß“, sagt Ehrmann.

Duschkopf für Kassenpatienten ist kleiner

Also wird sich die Ausstattung unterscheiden. „Wir haben zwei Sätze an Duschköpfen bestellt“, erzählt der Geschäftsführer. 30 Zentimeter Durchmesser hat der Kassenkopf, 40 der für Privatpatienten. Es würden zwar die selben Leitungen verlegt, es fließe gleich viel Wasser durch die Leitung - aber irgendeinen unterschied braucht man eben.

In den Zimmern der Privatpatienten werden künftig hochwertigere Vorhänge angebracht, Leder- statt Plastikstühlen stehen und Schreibtische mit größerer Arbeitsplatte. Außerdem erhalten Privatpatienten Zugang zu einer Lounge mit kalten Getränken, Kaffee und Obst. „Vielleicht liegt man mit dem Zimmernachbarn nicht auf einer Wellenlänge – dann kann man sich dorthin zurückziehen“, sagt Ehrmann.

Streit über Zwei-Klassen-Medizin

Über die unterschiedliche Behandlung von Privat- und Kassenpatienten wird in Deutschland seit Jahrzehnten gestritten. Umfragen zeigen mitunter, dass die Mehrheit der Deutschen will, dass private Kassen abgeschafft werden. Und im Wahlkampf hatte die SPD noch für das Konzept der Bürgerversicherung geworben, in der gesetzlich und privat Versicherte gemeinsam aufgenommen würden. Die FDP lehnt es ab – und die Reform des Krankenversicherungswesens schaffte es nicht in den Koalitionsvertrag der Ampelregierung.

Es ist wie im Zug – in der ersten Klasse hat man einen besseren Standard als in der zweiten, aber man bezahlt auch mehr.

Karl Ehrmann, Geschäftsführer der Klinik für manuelle Therapie

Ehrmann blickt nüchtern auf die Unterschiede. „Es ist wie im Zug – in der ersten Klasse hat man einen besseren Standard als in der zweiten, aber man bezahlt auch mehr.“ Die Beiträge der Privatpatienten fließen in die komplette Klinik. Ohne diese lasse sich eine Klinik nicht wirtschaftlich betreiben, sagt der Geschäftsführer.

Krankenhaus-Chef: Keine Unterschiede in der Behandlung

Die Unterschiede, das ist Ehrmann wichtig, sollen sich in der KMT auf die „Hotelleistungen“ der Klinik beschränken: die Ausstattung der Zimmer, das Essen. „In der Behandlung gibt es keinen Unterschied.“ Ja, die Privatpatienten hätten Zugang zur Chefarztbehandlung. Aber auch die anderen Ärzte seien gut, und in welcher Therapiegruppe wer behandelt wird, werde nach Krankheitsbild statt Versicherungsart entschieden.

Gesetzlich Versicherte könnten – entsprechende finanzielle Möglichkeiten vorausgesetzt – ohnehin das Upgrade ins allein belegte Komfortzimmer buchen. Bis zu 150 Euro kostet das zusätzlich pro Tag.

Untersuchung im dualen System

Im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hat das Iges Institut aus Berlin eine Studie zum dualen Versicherungssystem durchgeführt und 2020 veröffentlicht. Darin heißt es, die gesetzlichen Krankenversicherungen könnten pro Jahr ein Plus von neun Milliarden Euro erzielen, wären alle Bürger dort versichert. Schließlich seien Privatversicherte im Durchschnitt gesünder und verdienten besser. „Der durchschnittliche GKV-Versicherte zahlt jedes Jahr mehr als nötig, damit sich Gutverdiener, Beamte und Selbstständige dem Solidarausgleich entziehen können“, erklärt ein Bertelsmann-Gesundheitsexperte dazu. Der PKV hingegen argumentiert, die privaten Kassen seien Motor medizinischen Fortschritts. Dem statistischen Bundesamt zufolge waren 88 Prozent der Erwerbstätigen 2019 privat versichert.

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