Lüdenscheider in Haft

Mutmaßliche Gruppenvergewaltigung auf Mallorca: Die Clique aus Lüdenscheid

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Die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung einer jungen deutschen Touristin auf Mallorca in der vergangenen Woche macht europaweit Schlagzeilen. Die Tatverdächtigen stammen aus Lüdenscheid.

Lüdenscheid – Mehrere Männer stehen im Verdacht, eine 20-Jährige in einem Hotelzimmer am Ballermann zum Sex gezwungen und die Tat mit dem Smartphone gefilmt zu haben. Am Montag verdichteten sich die Hinweise, dass die Beschuldigten aus Lüdenscheid stammen. Eine Bestätigung von offizieller Seite gab es zunächst nicht.

Mutmaßliche Gruppenvergewaltigung auf Mallorca: Die Clique aus Lüdenscheid

Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich bei den Urlaubern um eine Clique von sechs jungen Männern im Alter zwischen 21 und 23 Jahren, die sich bereits in Kindertagen in Lüdenscheid kennen gelernt haben, zum Teil verwandt sind und zum Teil gemeinsam zur Schule gegangen sind. Einige sind nach der Schule berufs- oder studienbedingt weggezogen, leben aber weiterhin in der Region. Die Verbundenheit zur Bergstadt ist auch heute noch gegeben – durch den Sport und ihre Familien, die hier leben.

Hier geht es zur aktuelle Entwicklung im Fall der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung auf Mallorca.

Polizisten führen die Verdächtigen aus Lüdenscheid am Samstag auf Mallorca zum Termin mit dem Haftrichter.

Die Männer sollen auch in der Vergangenheit gemeinsame Urlaube auf Mallorca verbracht haben – wie es aus dem Umfeld heißt. Alle sind deutsche Staatsangehörige, haben verschiedenen Migrationshintergrund. Sie gelten als voll integriert, sind nach Informationen unserer Zeitung nicht vorbestraft. Ihre Angehörigen sind am Wochenende auf die Urlaubsinsel gereist, um die Söhne vor Ort zu unterstützen und um anwaltliche Hilfe zu organisieren.

Die 20-jährige Frau aus Hannover hatte am Ballermann einen Mann aus der Lüdenscheider Clique am Strand kennengelernt. Aus Ermittlerkreisen hieß es, die die Mallorca-Zeitung zitiert, die beiden sollen zunächst am Strand einvernehmlichen Sex gehabt haben. Später soll der Mann die Frau in sein Hotelzimmer eingeladen haben. Das Hotel habe ihr aber den Zutritt verweigert, weil sie dort kein Gast war. Daraufhin seien beide in das nahe gelegene Hotel „Occidental Palma“ gegangen, wo fünf Freunde des Mannes abgestiegen waren.

Mutmaßliche Vergewaltigung: Was bislang bekannt ist

In einem Zimmer dieses Hotels sollen die beiden jungen Leute erneut einvernehmlichen Sex gehabt haben. Dann kamen zunächst zwei, später noch drei weitere junge Männer hinzu, schreibt die Mallorca-Zeitung. Vier der Männer hätten die Frau zu sexuellen Handlungen gezwungen. Einer der Verdächtigen habe die Tat mit seinem Handy gefilmt. Das Video liegt der Polizei vor.

Die Frau habe sich dann in das Badezimmer geflüchtet, berichtete die Polizei weiter. Einer der jungen Deutschen habe der Frau gegenüber eingestanden, dass die Männer zu weit gegangen seien. Er habe sie überredet, sie zu dem Hotel zu begleiten, in dem Freundinnen von ihr wohnten. Von dort habe die Frau die Polizei alarmiert, die die fünf Männer am frühen Donnerstagmorgen in deren Hotel und einen sechsten am Freitag festnahm.

Die Lüdenscheider wurden am Samstag dem Haftrichter vorgeführt und vernommen. Am Abend entschied der Ermittlungsrichter, fünf der Beschuldigten in Untersuchungshaft einzuweisen, ohne die Möglichkeit, gegen Hinterlegung einer Kaution freizukommen. Ein weiterer junger Mann kam ohne Auflagen frei. Er soll glaubhaft nachgewiesen haben, dass er während des Übergriffs auf einem Sofa geschlafen habe. Alle Beteiligten sollen zum Teil erheblich alkoholisiert gewesen sein. In spanischen Medien wurden die Tatverdächtigen aus Lüdenscheid in Anlehnung an eine Gruppenvergewaltigung in Pamplona im Jahr 2016 als „la manada alemana“ – als „deutsches Rudel“ beschrieben. In Spanien kann U-Haft bis zu zwei Jahre dauern – und unter bestimmten Umständen auch verlängert werden.

Mutmaßliche Gruppenvergewaltigung auf Mallorca: Richterwechsel erwirkt

Bei dem Ermittlungsrichter, der fünf der sechs Lüdenscheider in Untersuchungshaft schickte, handelt es sich um Antoni Rotger, der als besonders rigoros und unnachgiebig gilt und vor einem Jahr als „Knallhart-Richter“ Schlagzeilen machte, weil er eine Gruppe Hobbykegler aus Münster wegen des Verdachts des Brandstiftung zwei Monate in Untersuchungshaft festhielt.

Doch am Montag gab es für die fünf Inhaftierten wieder etwas Hoffnung, dass sie auf Kaution auf freien Fuß gesetzt werden. Wie zunächst die Mallorca-Zeitung unter Berufung auf Gerichtskreise berichtete, wurde Rotger auf Antrag einer spanischen Anwältin durch einen anderen Ermittlungsrichter ersetzt. Ein Justiz-Sprecher in Palma bestätigte das auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Über den weiteren Verlauf des Untersuchungsverfahrens im Fall der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung entscheidet fortan das Ermittlungsgericht Nummer 5 – und nicht mehr das von Richter Rotger angeführte Gericht Nummer 8. Der Tausch wurde laut „Mallorca Zeitung“ mit dem Argument beantragt, Rotger sei zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Tat nicht der diensthabende Richter gewesen.

Nach übereinstimmender Einschätzung von Medien der Insel erhöhe der Richter-Wechsel die Chancen der Beschuldigten, bis zu einer Entscheidung, ob es zur Anklage und zum Prozess kommt, in die Heimat zurückkehren zu dürfen.

Rubriklistenbild: © Carlos Herrera/TNN/dpa

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