Elektro-Mobilität

„Günstiger als Verbrenner“: Deutlicher Anstieg bei E-Autos in Hamm

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In Hamm sind so viele Fahrzeuge wie nie zuvor unterwegs – und immer mehr davon werden zumindest teilweise elektrisch angetrieben. Ein Trend, der sich noch verstärken wird, ist sich Johannes Auge sicher, Geschäftsführer von Baum-Consult. Dass die Gesamtzahl der Pkw bald spürbar zurückgeht, glaubt er allerdings nicht.

Hamm – Aktuell sind über 131 .000 Fahrzeuge in Hamm zugelassen. Rund 101. 000 davon sind Pkw, der Rest sind Lkw, Busse oder etwa motorisierte Zweiräder. Allein bei den Pkw gab es im Laufe des vergangenen Jahres einen Zuwachs um rund 500. Die Zahl der Neuzulassungen seit Jahresbeginn liegt bei 3. 350. Im gleichen Zeitraum 2022 waren es 3. 190.

E-Auto-Zahlen rauf, die des Diesels runter

Interessant: In diesem Jahr wurden fast so viele reine E-Autos neu zugelassen (520) wie Diesel (620). Rechnet man die Hybride hinzu (115), sind es sogar mehr. Den größten Anteil haben nach wie vor die Verbrenner mit 1 .323 Neuzulassungen. Auch das dürfte angesichts der Steigerungsraten bei den E-Fahrzeugen in den nächsten Jahren kippen.

In Hamm sind mittlerweile 2. 458 reine E-Autos und 4. 432 Hybride zugelassen. Ende 2019 gab es noch nur 198 reine Elektrofahrzeuge und 850 Fahrzeuge mit einem Hybridantrieb. Allein innerhalb des vergangenen Jahres gab es nach Angaben der Stadt bei den reinen E-Autos einen Anstieg um 32 und bei den Hybriden um 23 Prozent.

Deutsche Autobauer von China und USA getrieben

Die Zulassungszahlen bei E-Autos werden aktuell allerdings dominiert von Dienstwagen, erläutert Auge. „Zwei Drittel der Neuzulassungen in Deutschland haben einen betrieblichen Hintergrund, der private Bereich macht nur ein Drittel aus. Erste Fahrzeuge aus diesen Flotten landen aber mittlerweile im Gebrauchtwagensektor. Und immer mehr Menschen überlegen ernsthaft, ob ihr nächstes Auto ein E-Modell sein soll.“

Johannes Auge ist Geschäftsführer von Baum-Consult und Experte für E-Mobilität.

Auch die Autohändler wollten inzwischen E-Autos verkaufen. Das sei noch nicht lange der Fall. Vor wenigen Jahren sei Kunden regelmäßig noch davon abgeraten worden, ein E-Auto zu kaufen, obwohl schon alltagstaugliche Modelle in Sichtweite waren, erklärt Auge.

„Inzwischen weiß aber jeder in der Branche, dass das die Richtung ist – und ein weltweiter Trend.“ Dabei würden die deutschen Autohersteller vor allem von chinesischen und amerikanischen Konkurrenten getrieben. „Die gehen alle auf E-Mobilität.“

Über die gesamte Nutzungsdauer günstiger

Abschreckend wirke derzeit in vielen Fällen noch der hohe Preis beim Privatkauf. Der so genannte „Umwelt-Bonus“ der Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren mitgeholfen, dass Kunden weniger zahlen mussten.

Zwar werde die Förderung in den kommenden Monaten zum 1. Januar 2024 reduziert – wirklich rechnen tue sich der Kauf eines E-Autos ohnehin über die Nutzung, so Auge. Der aktuelle ADAC-Kostenvergleich weise nach, dass viele Elektroautos in der Gesamtrechnung günstiger sind als entsprechende Verbrenner.

Im öffentlichen Bereich sei bei der Umstellung schon eine beachtliche Dynamik zu erkennen, sagt Auge. „Viele Verwaltungen stellen ihre Fuhrparke auf Elektromodelle um. Auch bei Sonderfahrzeugen wie Abfallsammlern und Bussen werden wir sehr bald die leisen Stromer in den Straßen haben.“

„Elektrifizierung passiert praktisch von alleine“

Auge hält angesichts dieser Voraussetzungen und Entwicklungen das Ziel der Bundesregierung, bis 2030 15 Millionen Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen, für realistisch. Und das, obwohl es aktuell bundesweit erst rund 1,1 Millionen sind und der Anteil bei den Neuzulassungen in Deutschland im ersten Halbjahr lediglich 15,8 Prozent betrug.

Die Elektrifizierung passiere unter den sich ergebenden Rahmenbedingungen des Marktes in den nächsten Jahren aber praktisch von alleine, ist der Experte sicher.

Verzicht auf eigenen Pkw fällt vielen schwer

Dass absehbar viele Menschen nicht nur auf E-Autos umsteigen, sondern ganz auf den Pkw verzichten, glaubt Auge indes weniger. „Da ist noch ein dickes Brett zu bohren“, sagt er. Manche gesellschaftliche Gruppen wie zum Beispiel junge Familien könnten nur schwer auf das Auto verzichten. Menschen im ländlichen Raum seien ebenfalls meist auf den Pkw angewiesen.

Jedoch sei vielen Menschen nicht bewusst, welche Alternativen ihnen zur Verfügung stünden. Und gerade bei ihrer Mobilität falle es vielen Menschen schwer, ihr Verhalten zu verändern.

„Dann liegt es an jedem selbst, sich Gedanken zu machen“

Dabei stünden die meisten privaten Pkw ohnehin die meiste Zeit ungenutzt herum, sagt Auge. „Statistisch steht jedes Auto in Deutschland 23 Stunden am Tag und wird nur eine Stunde bewegt.“ Gerade bei wenig genutzten Autos seien andere Verkehrsmittel mitunter besser und günstiger als das eigene Auto. Carsharing zum Beispiel, wenn man weiterhin möglichst flexibel sein wolle. Dieses Angebot werde in Hamm ausgebaut.

Auch die Busflotte soll moderner werden. „Gibt es in den Bussen künftig Wlan, kann man auf der Fahrt sogar arbeiten – ein weiterer Vorteil gegenüber dem Auto“, so Auge. Fahrräder und E-Bikes seien ebenfalls echte Alternativen. „Es ist immer eine Frage der Lebenslage sowie des Standorts und der vor Ort verfügbaren Angebote. Zunehmend werden öffentliche und private Angebote in Stellung gebracht. Und dann liegt es an jedem selbst, sich Gedanken zu machen.“

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

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