Straßen.NRW diskutiert mit Politik und Verwaltung

Bauchschmerzen trotz guter Argumente für Radwege-Bau

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Ludger Siebert, (sitzend, 2.v.l.), Leiter der Straßen.NRW-Regionalniederlassung Südwestfalen, und Steffen Scholz, Abteilungsleiter Bau (rechts), sprachen mit Gerd Schröder (SPD, links), Petra Triches (UWG, Mitte stehend), Bürgermeisterin Birgit Tupat, Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz und Thorsten Schick (MdL) über den geplanten Radwegebau in Nachrodt.
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Sie werden wohl in den sauren Apfel beißen und dem Bau des Radweges an der B236 im nächsten Jahr zustimmen, die Vertreter von Rat und Verwaltung. Denn zum einen wird man kaum einen besseren Zeitpunkt erwischen können, zum anderen gibt es auch in Aussicht gestellte wasserrechtliche Genehmigungen, die ein „Verfallsdatum“ haben.

Nachrodt-Wiblingwerde – Und doch: So wirklich glücklich sahen weder Bürgermeisterin Birgit Tupat noch Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz, weder der Landtagsabgeordnete Thorsten Schick noch die Fraktionsvorsitzenden von SPD und UWG, Gerd Schröder und Petra Triches, nach dem Gespräch mit Ludger Siebert, Leiter der Straßen.NRW-Regionalniederlassung Südwestfalen, und Steffen Scholz, Abteilungsleiter Bau, aus.
Einig sind sich aber alle: „Wir brauchen einen Radweg.“ Nur wann, das war die zentrale Frage der Debatte, die möglich geworden war, nachdem sich Birgit Tupat und Thorsten Schick als CDU-Fraktionsvorsitzender im Landtag NRW, gemeinsam dafür eingesetzt hatten. „Es zeichnet eine moderne Behörde aus, dass sie auch mit Verantwortlichen vor Ort ins Gespräch kommt, ihre Pläne vorlegt und die Hintergründe verdeutlicht“, dankte Thorsten Schick für das Kommen und ergänzte: „Die Strecke durch das Lennetal ist im Augenblick nicht so mit Verkehr belegt, wie das in den kommenden Jahren wahrscheinlich der Fall sein wird. Dadurch wird die Beeinträchtigung vermeintlich geringer ausfallen“.

Die etwas kleinere Katastrophe

Tatsächlich ist es so, dass der Schwerlastverkehr erheblich weniger geworden ist, seitdem die Bahnhofsbrücke in Altena nicht mehr überfahren werden darf – seit dem 19. Januar 2023 ist die B 236-Brücke für Fahrzeuge schwerer als 3,5 Tonnen gesperrt. Und deshalb rollen zurzeit auch weniger Lkw durch Nachrodt.
Mit anderen Worten: Es ist die etwas kleinere Katastrophe, wenn der Radweg jetzt gebaut wird. Dass eine neue, weitere Baustelle in Höhe des Felsens zwischen ehemals Rastatt und ehemals Böhland alle Verkehrsteilnehmer belasten wird, steht außer Frage. Aber auch alle Einzelhändler, um die sich die Bürgermeisterin besonders sorgt: „Wer einmal im Stau sitzt, hält nicht mehr an, um zu tanken oder einzukaufen, weil er dann natürlich Angst hat, sich nicht mehr einfädeln zu können.“ Doch auch Birgit Tupat sieht die Vorteile des Zeitpunktes. Der Bau des Radweges in Nachrodt könnte also von der Situation in Altena profitieren, im Schatten untertauchen sozusagen.
„Wir haben viele Mosaiksteinchen im Zuge der Lenneroute, wo wir verschiedene Radwegeprojekte verfolgen. Das ist ein mühsames Unterfangen und wir kommen nur stückweise voran“, so Ludger Siebert. Ein Radweg in Nachrodt sei schon lange im Zuge der neuen Lennebrücke geplant. Doch während die Lennebrücke mit Planfeststellung „Recht bekommen muss“, sei dies beim Radwegebau anders. Man könne, wenn man die Auflagen erfülle, eine wasserrechtliche Genehmigung der Oberen Wasserbehörde der Bezirksregierung zugesprochen bekommen.
„Die Bezirksregierung hat immer die Auflage gemacht, dass wir die Böschung nicht durch eine Auskragung überbauen“, erklärte Ludger Siebert. Zugestimmt wurde aber, eine Winkelstützmauer an der Böschungskante oben zu errichten.

Hier soll er hin, der neue Radweg.

Halbseitige Sperrung

Der Bau des Radweges, so ist der Plan, findet im Rahmen einer halbseitigen Sperrung statt. „Wir organisieren die Baustelle so, dass die jeweilige Sperrstrecke mit der neuen halbseitigen Verkehrsführung genauso lang ist wie die Sperrstrecke auf der Lennebrücke“, so der Leiter der Straßen.NRW-Regionalniederlassung Südwestfalen. Soll heißen: Die Ampelschaltung der Lennebrücke wird mehr oder weniger „einfach“ verlängert. Der Verkehr soll dann durchrutschen. Der insgesamt 540 Meter lange Radweg (3,25 Meter breit) wird dabei also nicht in einem Stück ausgebaut, sondern in viele Felder aufgeteilt, wobei jedes Feld nicht länger als die Lennebrücke sein wird.
Die Region, so sagt auch Ludger Siebert, ist gebeutelt, mit massivem Druck von Verkehr aus dem Lüdenscheider Raum. Dass es trotz des geringeren Lkw-Verkehrs ein hohes Verkehrsaufkommen gibt und es nicht nur zu Spitzenzeiten beispielsweise einen gewaltigen Rückstau am scharfen Eck gibt, soll jetzt noch mal genauer unter die Lupe genommen werden. Mit einer weitreichenden Verkehrserfassung möchte man den Stau besser kalkulieren können. „Das nehmen wir mit als Problemstellung. Wir wollen nicht hineinstolpern in eine Situation, die erschwerend ist“, meinte Ludger Siebert.
Im Herbst, so der Stand der Dinge, werden die Rodungsarbeiten beginnen, im Frühjahr 2024 der Radwegebau beginnen. Und früher sei auch die Brücke in Altena auf keinen Fall fertig. Bei allen sachlichen Gründen, die für den Radwegebau sprechen, so bleiben die Bauchschmerzen: „Ob ich das bei der Verkehrssituation so toll finde, weiß ich nicht“, sagte Petra Triches (UWG). Das Thema wird nun nochmal im Rat besprochen.

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