VonMaximilian Gangschließen
Aus der Halde Rungenberg in Gelsenkirchen wurde ein Kunstwerk gemacht. Die Lichtinstallation Nachtzeichen sorgt mit zwei Scheinwerfern für besondere Bilder.
Gelsenkirchen – Über 100 Jahre lang wurde an der Zeche Hugo in Gelsenkirchen-Buer Steinkohle abgebaut. Der dabei entstandene Abbau ist auf der Halde Rungenberg gestapelt worden – mit einer Höhe von rund 115 Metern. Seit der Schließung des Bergwerks Zeche im Jahr 2000 dient die Halde als Hausberg des Gelsenkirchener Stadtteils, vor allem aber der anliegenden Bergmannssiedlung Schüngelberg. Und: Sie wurde zu einem Kunstwerk – mit zwei Scheinwerfern, die für einen besonderen Anblick sorgen können.
Woher die Halde Rungenberg in Gelsenkirchen ihre markante Form hat
Der Schweizer Architekt Rolf Keller hat der Halde Rungenberg eine markante Form gegeben: „Für das Haldentop wurde nach den Vorgaben des Architektenbüros Rolf Keller noch einmal dunkles Bergematerial auf den begrünten Sockel geschüttet“, schreibt das Ruhr-Kunst-Museum. Die Halde Rungenberg ist in der Mitte durch eine schnurgerade Schneise durchtrennt, die eine direkte Verbindung zur Bergarbeitersiedlung Schüngelberg schafft.
Die Schneise erlaubt es zudem, den beiden Seiten der Halde eine besondere Form zu geben: „Über einem quadratischen Grundriss ragen zwei Dreieckspyramiden in die Höhe“, heißt es vom Regionalverband Ruhr (RVR), dem die Halde gehört. „Die Form verweist auf die Halde als vom Menschen geschaffenes Landschaftselement“, schreibt die Stadt Gelsenkirchen zu dem Kunstwerk.
Warum stehen riesige Scheinwerfer auf der Halde Rungenberg?
Eine Lichtinstallation namens „Nachtzeichen“ macht den aufgeschütteten Berg in der Dunkelheit von weitem aus sichtbar. Auf den beiden Kuppen ist jeweils ein rund vier Meter hoher Scheinwerfer aus verrostetem Stahl angebracht. Die Leuchten sind im selben Winkel wie die Aufschüttungen geneigt: „Nach Einbruch der Dunkelheit senden sie Lichtstrahlen aus, die sich am Nachthimmel schneiden und dem Zwillingsgipfel eine Lichtspitze aufsetzen, um sich danach in der Ferne des Himmels zu verlieren“, so der RVR.
„Am Nachthimmel entsteht somit eine immaterielle Ergänzung der Doppelpyramidenanlage zu einer großen Pyramide“, erklärt die Stadt Gelsenkirchen. In der großen Lichtpyramide wird die durch die Schneise zwischen den Bergen entstandene Pyramide zusätzlich nach oben hin gespiegelt. „Zudem erscheint durch den weiteren Verlauf der Lichtstrahlen ein weiteres, auf dem Kopf stehendes Dreieck, welches erneut die wiederkehrende pyramidale Grundform der Haldenkopfgestaltung aufnimmt“, so die Stadt.
Halde Rungenberg: Lichtinstallation soll „charakteristische Merkmale“ der Landschaften widerspiegeln
Die Idee für die Lichtinstallation auf der Halde Rungenberg stammt von zwei Künstlern aus der Region: Hermann EsRichter aus Oberhausen und Klaus Noculak aus Recklinghausen. Im Jahr 1992 wurde ein Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung des insgesamt rund 500.000 Quadratmeter großen Areals ausgerufen. Dafür sollten Ideen erarbeitet werden sollen, wie die charakteristischen Merkmale der Landschaften im Süden von Gelsenkirchen-Buer sichtbar gemacht werden können. Sieben Jahre später wurde der Vorschlag von den Wettbewerbssiegern EsRichter und Noculak schließlich realisiert.
Doch die Halde Rungenberg in Gelsenkirchen ist nicht die einzige Halde, der sich durch den Kohleabbau geformt hat. In zahlreichen Orten in NRW wurden durch Abraum Erhöhungen geformt, so auch in Bottrop, Essen oder Dinslaken. Im Umkreis vieler der Halden wurden Kunstwerke geschaffen. (mg)
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