Halloween am Kirchweg in Braam-Ostwennemar

Mumie trocknet im Wohnzimmer: Süßes Gruseln im Halloweenhaus der Schoppmanns

+
Untote heißen willkommen: Brigitte Schoppmann steht im Eingangsbereich am Kirchweg und erweckt den Eindruck, einer der Haupthexen Instruktionen zu geben. Diese antwortet mit leuchtenden grünen Augen.
  • schließen

Untote, Hexen, Drachen und noch mehr fantastische Wesen beziehen nach und nach Position am Halloweenhaus in Braam-Ostwennemar. Bei Schoppmanns bereitet man sich seit Sommer auf das bevorstehende Ereignis vor.

Braam-Ostwennemar – Das könnte eine Wohnzimmerszene in einem Horrorfilm sein: Der leichenblasse Untote wartet aufrecht stehend, gestützt, neben dem Ofen, in dem das Feuer nur so züngelt, um die Mumie nach und nach, Schicht für Schicht zu trocknen. Den Tod zu konservieren, auf diese Kunst versteht sich Brigitte Schoppmann. Sie hat sichtliches Vergnügen daran. Auch nach rund drei Jahrzehnten wächst ihre Begeisterung, das Zechenhaus Kirchweg 34 zu Halloween zu schmücken.

Einen außergewöhnlichen Aufwand betreibt sie, um mittlerweile Hunderte Kinder zu beeindrucken. Sie will sie weniger erschrecken, sondern ihnen vielmehr Freude bereiten. Kindern Angst machende Horrorclowns kommen ihr nicht ins Haus oder besser in den Garten. Nur ein freundliches Gruseln ist erlaubt: durch grüne statt blutrot leuchtende Augen und lachende Geister.

Dazu muss dann auch mal eine Schaufensterpuppe als Mumienstatist herhalten. Bis zum Wochenende vor Halloween muss diese fertig sein und Position bezogen haben im kleinen Garten. „Das klappt“, sagt Schoppmann, auch wenn noch viel zu tun ist.

Halloweenhaus in Braam-Ostwennemar: süße Tüten

Vor wenigen Tagen hatte sie bereits 500 süße Tüten für die Kinder aus der Nachbarschaft und Umgebung vorbereitet. Im vergangenen Jahr hätten die noch nicht einmal ausgereicht, sagt sie. Damit die Schokolade ihres Ehemanns Joachim nicht auch diesmal herhalten muss, überlegt sie, weitere Tüten zu füllen.

Dass manche Leute den Kindern zu Halloween die Tür verschließen, um weder Süßes geben zu müssen, noch Saures empfangen zu müssen, empört sie. „Die Kinder wissen eben, dass sie bei mir was bekommen“, sagt sie sicher, dass die Tüten auch diesmal junge Untote, Hexen und sonstige Fantasiewesen als Abnehmer finden. Nach etwas Zurückhaltung in den vergangenen Corona-Jahren rechnet sie wieder mit mehr Zulauf.

Brigitte Schoppmann heißt willkommen: Im Vorgarten ist schon viel zu sehen, aber im kleinen Garten hinterm Tor noch viel zu machen.

Für die jüngsten Besucher hat sich die kreative, fleißige Mutter, Großmutter und Hexe Gitti, wie sie in ihren im Selbstverlag erschienenen Mutmachmärchen wiederzufinden ist, das ganze Jahr ins Zeug geworfen. Für Babys und Kinder bis etwa zwei Jahren sind Süßigkeiten nichts, sie könnten sich verschlucken. Leer dürfen sie aber nicht ausgehen.

Für sie hat sie 50 kleine Fledermäuse gehäkelt. „Für eine brauche ich einen Tag“, sagt sie. So kommt leicht eine Ahnung auf, mit welcher Energie und Ausdauer Brigitte Schoppmann Halloweenhaus und Weihnachtshaus – traditionell das Anschlussevent der Schoppmanns – Jahr für Jahr aufs Neue aufbaut und für Besucher öffnet.

Halloweenhaus in Braam-Ostwennemar: 50 Geister

All das macht sie allein aus Liebe zu Kindern. Wenn sie was einnimmt, dann gibt sie es als Spende weiter. „In diesem Jahr soll es mal etwas mehr werden“, hat sie sich gesagt. 50 Geister hat sie gehäkelt, für den Fall, dass die Fledermäuse nicht ausreichen, aber vor allem, um sie für zehn Euro das Stück zu verkaufen. Die Einnahmen sollen komplett dem Hammer Hospiz zugutekommen. In die Spendenbox dürfe man aber auch so eine Spende stecken, sagt sie.

Monatelang häkelte Brigitte Schoppmann an Fledermäusen für die jüngsten Halloweenkinder und an Geistern, die sie zugunsten des Hospizes anbietet.

Die vergangenen Monate waren geprägt von einem Unfall im Familienkreis. So hat Brigitte Schoppmann früher als sonst, bereits ab August mit den Aufbauarbeiten begonnen. Dabei hatte sie Unterstützung von der Familie. Im Vorgarten haben Hexen, Skelette & Co. längst ihre Plätze eingenommen, werden ab Dämmerung geheimnisvoll und bunt beleuchtet. Per Bewegungsmelder werden Hexen und ein mächtiger Drache im düster dekorierten Eingang zum Haus in Bewegung gesetzt. „Die können sprechen. Aber ich habe den Ton abgestellt“, sagt sie, „sonst beschweren sich die Nachbarn.“ Spätestens am Vortag zu Halloween gibt es aber das volle Programm.

Vor fast 30 Jahren hat Schoppmann begonnen, das Zechenhaus zu Halloween zu schmücken, zunächst nur für die eigenen Kinder. Dass die schön-schaurigen Ausstattungen immer mehr und aufwendiger wurden, daran hat ihr Ehemann Joachim mitgewirkt. So gelangten etwa ausgemusterte Geisterbahnfiguren an den Kirchweg.

Halloweenhaus in Braam-Ostwennemar: Vandalismus

So klein Vorgarten und Garten auch sind, mit dem Zählen der vielen aufgestellten Figuren und Details hält sich Schoppmann nicht auf. Sie kann nur sagen, „dass jedes Jahr was Neues zu sehen ist“, wie nun etwa eine Höhle für einen Drachen.

Neu ist auch der käfigartige Aufbau im Vorgarten. Die zuletzt verwendeten Plexiglasscheiben hätten die Vandalen nicht abgehalten, sagt sie verärgert über seit Jahren immer wieder von Unbekannten angerichtete Schäden und über Diebe. „Am Wunschbaum war ein Ast abgebrochen. Es war schwer, ihn zu reparieren.“ Doch entmutigen lässt sie sich nicht. So ein Wunschbaum lädt nun am Gartentor mit allerlei Details wie netten Geistern und Kürbissen zum Halloweenhaus ein.

Im Vorgarten des Halloweenhauses der Familie Schoppmann leert ein Skelett eine Flasche. Dabei pocht ein gelbes Herz.

Wenn es am Montag, 30. Oktober, dämmert, rechnet die Familie Schoppmann mit ersten Kindern am Kirchweg 34. Doch so richtig los geht es erst einen Tag später an Halloween, 31. Oktober. Wann der Gruselgarten am Halloweenhaus schließt, ist immer schwer zu sagen. Vergangenes Jahr war der Zustrom vergleichsweise früh, gegen 22 Uhr, versiegt, machte Brigitte Schoppmann die Lichter aus.

Der Eintritt ist frei, aber über eine Spende für das Hospiz Am Roten Läppchen würde sie sich freuen. Die ersten Besucher erwartet Schoppmann am 30. Oktober mit Einsetzen der Dämmerung. Die Hochphase ist dann tags drauf an Halloween. Immer nur eine Familie oder kleinere Gruppe dürfe durch den Garten, sagt sie mit Verweis auf eine Erlaubnis des Ordnungsamtes. Nach einigen Metern durch den kleinen Garten, aber vielen Eindrücken von Details, geht es am Seitentor wieder raus.

Halloweenhaus in Braam-Ostwennemar: bewegende Untot gesucht

Zuvor sollten sie aber noch einigen lebendigen Untoten begegnen. Helfer habe sie, sagt Schoppmann, aber in diesem Jahr nur eingeschränkt. „Schön wären noch so zwei oder drei, die sich melden und die ein bisschen herumgeistern.“

Kommentare