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Bademeister aus Hamm räumt mit Klischee auf: „Auf einem Stuhl sieht man nichts“

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Schwimmmeister: Marc Wedemeyer hat die Aufsicht am Beckenrand.
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Der Bademeister im Freibad Süd in Hamm sitzt nur am Beckenrand herum? Falsch. Marc Wedemeyer räumt mit Klischees auf – und erklärt, warum er eigentlich kein „Bademeister“ ist.

Hamm – Auf einem Stuhl thronen und auf den „Baywatch-Moment“ warten? So ähnlich stellen sich viele den Beruf des Bademeisters vor. Aber: Um „Bademeister“ zu sein, braucht man eine dreijährige Ausbildung.

Von wegen faul: Der „Bademeister“ und seine Ausbildung

Seit 2001 ist Marc Wedemeyer, salopp gesagt, „Bademeister“. Eigentlich heißt der Job aber „Fachangestellter für Bäderbetriebe“, auch Schwimmmeister genannt. Weil Wedemeyer noch mal zur Schule gegangen ist, darf er sich heute „Meister für Bäderbetriebe“ nennen.

Seine Schicht im Freibad Süd in Hamm beginnt morgens um fünf. Die erste Stunde ist vollgepackt. Zu seinem ersten Arbeitsoutfit gehören Gummistiefel. Nachdem er die Umkleiden und Duschen kontrolliert hat, wird geputzt. „Wir müssen die Durchschreitebecken sauber machen und das kalte Wasser an den Füßen kann je nach Außentemperatur schon mal unangenehm sein“, erzählt er.

Technik und Chemie: Bäderbetrieb will gelernt sein

Danach geht’s unters Freibad. Hier steht die Wassertechnik. Wer Schwimmmeister werden will, sollte sich für Technik interessieren. „Wir kontrollieren, ob die fünf Filter und acht Pumpen richtig laufen. Das fand ich in meiner Ausbildung am spannendsten“, sagt Wedemeyer. Auch wenn das System heute komplett automatisiert ist, lernt man in der Ausbildung dennoch, wie man es im Notfall händisch bedienen kann.

Alles klar? Auf dieser Anzeige sieht Badenmeister Marc Wedemeyer, wie hoch zum Beispiel der Chlorgehalt ist.

Neben der Technik ist auch Interesse an Chemie notwendig. An einem kleinen Bildschirm im Technikraum liest der Schwimmmeister den Chlorgehalt ab. Wieder an der frischen Luft wird das Wasser noch mal getestet. Das macht ein Schwimmmeister dreimal am Tag.

Early birds: Frühschwimmer schon um kurz vor sechs da

Um kurz vor sechs stehen die ersten Frühschwimmer vor der Tür. Wedemeyer kennt sie alle. „Die meisten brauchen vom Eingang ins Becken keine zwei Minuten. Um sechs Uhr haben wir hier schon 20 Schwimmer im Wasser – bei Wind und Wetter“, sagt er. „Die haben alle ihren eigenen Rhythmus. Ein älterer Herr bleibt immer bis sechs vor sieben im Wasser. Aber wenn er einen Arzttermin hat, geht er zwei Minuten eher aus dem Becken.“

Man muss als Schwimmmeister also auch gut mit Menschen können. „Irgendwann kennt man auch die Krankheitsbilder. Wenn jemand beispielsweise Diabetes hat, weiß ich im Notfall, wo seine Medikamente sind“, so der Meister für Bäderbetriebe.

Keine Zeit zum Sitzen: Schwimmmeister haben alles im Blick

Kurz vor Elf, das Bad füllt sich. Die Gummistiefel hat Marc Wedemeyer derweil gegen sein grünes Shirt, eine Badehose und Badelatschen eingetauscht. Zeit zum Sitzen hat er nicht. „In der Wasseraufsicht steht und geht man viel. Auf einem Stuhl sieht man nichts“, erklärt er. Deshalb läuft er die Beckenränder auf und ab. „Man entwickelt wie beim Autofahren ein Gespür für seine Umgebung und lernt die Gefahrenzonen kennen“, sagt Wedemeyer.

Insgesamt hat er vier Becken im Blick. Dabei bekommt er Hilfe, denn es müssen immer zwei Leute in der Wasseraufsicht sein. „Wir haben mittlerweile für den Job extra Rettungsschwimmer von externen Firmen eingekauft“, weiß der Leiter der Bäder in Hamm, Georg Richard Röder. Er hat selbst auch als Fachangestellter für Bäderbetriebe angefangen.

Technikcheck: Bei seinem morgendlichen Rundgang kontrolliert Marc Wedemeyer (links), ob die Filter des Freibads auch gut funktionieren. Georg Richard Röder (rechts), Leiter der Bäderbetriebe in Hamm, hat ebenfalls als Schwimmmeister angefangen.

Nichtschwimmer: Weniger Besucher, gleiche Arbeit

In den vergangenen 20 Jahren sind die Besucherzahlen in den Freibädern insgesamt zurückgegangen. Das mache den Job aber nicht weniger anspruchsvoll, so Röder. „Es sind zwar insgesamt weniger Gäste, jedoch können manche weniger gut schwimmen.“ Daher sei es auch sehr wichtig, dass ein Schwimmmeister in Rettungsschwimmtechniken ausgebildet ist.

„Es gibt auch genug Erwachsene, die sich selbst überschätzen. Man sollte nur ins Schwimmerbecken gehen, wenn man auch schwimmen kann“, sagt Röder. Viele Besucher halten sich nicht mehr an die Regeln. „Als Aufsichtskraft kontrolliert man, ob die eingehalten werden.“ Darunter zähle auch die Kleidung. „Es gibt ja Gründe, weshalb es Schwimmkleidung gibt. Andere Stoffe werden schwerer und können einen herunterziehen“, so der Leiter.

Respekt schwindet: Nicht alle halten Schwimmregeln ein

Ebenfalls extern eingekauft wird an ganz heißen Tagen auch ein Sicherheitsdienst. Im vergangenen Sommer kam es in Freibädern in anderen Städten häufig zu Ausschreitungen. „Das war bei uns zum Glück nicht der Fall, aber der Respekt gegenüber unserer Position schwindet schon“, erzählt Marc Wedemeyer.

Der Sicherheitsdienst soll mit darauf achten, dass beispielsweise niemand im Wasser isst und trinkt, dass das Glasverbot eingehalten wird und die Gäste ihren Müll mitnehmen. Denn wer eine Pause vom Schwimmen braucht, geht auf die Liegewiese.

Schwimmmeister in Hamm: „Job ist abwechslungsreich“

Grünschnitt und Pflegearbeiten fallen auch in den Aufgabenbereich des Schwimmmeisters. „Das macht den Job so abwechslungsreich“, sagt der Meister für Bäderbetriebe. „Du weißt morgens nie, wie dein Tag aussieht. Du kannst ihn dir aber selbst gestalten, weil immer Aufgaben anfallen.“

Dreimal täglich muss Schwimmmeister Marc Wedemeyer die Wasserqualität messen.

Für den Fachangestellten für Bäderbetriebe ist im Sommer aber um 13.30 Uhr Schicht-Ende, dann übernimmt die Spätschicht. Und wenn keine Freibadsaison ist? Dann geht es für Wedemeyer und seine Kollegen in die Hallenbäder. „Ich mag das Freibad aber lieber. Man ist viel an der frischen Luft und hat mehr Aufgaben.“ Darunter fallen auch Wassergymnastik und Schwimmkurse. „Es ist schön zu sehen, wie Kinder nach dem letzten Kurs sicher schwimmen können“, sagt er.

Fachangestellter für Bäderbetriebe: Ein Job mit Zukunft

„Bademeister“ zu sein ist also deutlich mehr als nur herumsitzen. „Wenn man sich für den Job interessiert, sollte man nicht nur schwimmen können, sondern auch Lust auf den Sport haben“, sagt Badeleiter Röder. Es sei ein Job mit Zukunft und Aufstiegschancen. „Man fängt mit der Ausbildung an, macht seinen Meister und kann irgendwann sein eigenes Bad übernehmen.“

Derzeit sind laut den Stadtwerken alle 40 Voll- und Teilzeitstellen besetzt. Aber: „Wir brauchen immer Leute“, sagt Röder. „Einfach mal vorbeikommen und ein Praktikum machen.“ Die Ausbildungsstellen für 2025 sind bereits ausgeschrieben.

Pelzige Wasserfreunde: elf Hunderassen, die eine Leidenschaft fürs Schwimmen haben

Weißer Pudel am Strand.
Der Name Pudel kommt aus dem Altdeutschen: „Puddeln“ bedeutete damals „im Wasser planschen“. Ursprünglich wurden Pudel sogar speziell für die Wasserjagd gezüchtet. Seine Gene lassen ihn noch immer gerne ins Wasser hüpfen. Kleinere Pudel bevorzugen allerdings flacheres Wasser, in dem sie sich austoben können. © Panthermedia/Imago
Irish  Water  Spaniel  am Sandstrand.
Der Irische Wasserspaniel, auch Irish Water Spaniel genannt, ist ein waschechter Wasserhund und hat eine Eigenschaft, um die ihn wohl viele Frauen beneiden dürften. Nach einem ausgiebigen Wasserbad trocknet sein krauses Haar besonders schnell. Ein echter Vorteil, denn die Hunde lassen keine Gelegenheit aus, um durchs Wasser zu toben. Besitzer sollten ihre Hunde daher immer gut im Auge behalten. © Pond5 Images/Imago
Spielende Hunde am Strand.
Auch sein spanischer Kollege, der Spanische Wasserhund (im Bild links) ist, wie sein Name schon verrät, ein wahrer Wasserfreund. Zu den Wasserhunden gehören neben dem Irischen und dem Spanischen übrigens auch der Italienische (Lagotto Romagnolo), der Französische (Barbet) und der Portugiesische Wasserhund, genauso wie der American Water Spaniel und der Friesische Wasserhund (Wetterhoun). Die wasserverrückten Hunde sind für ihr fröhliches und aufgewecktes Wesen bekannt und aufgrund ihrer Fellstruktur und weniger Haarausfall für Allergiker besonders gut verträglich. © Dreamstime/Imago
Hund sitzt am Strand.
Der Chesapeake-Bay-Retriever, kurz Chesapeake oder Chessie genannt, ist der einzige aus den USA stammende Retriever und ebenfalls ein großer Wasserfreund. Im Wasser ist er in seinem Element und kann sich dort schnell und wendig fortbewegen. Das dichte, krause Fell schützt ihn außerdem vor der Kälte der Meereswogen. © Dreamstime/Imago
Flat-Coated-Retriever-Welpe rennt durch Wasser.
Schon als Welpe lässt auch der Flat-Coated Retriever keine Gelegenheit zum Schwimmen aus. Zur Not müssen sogar Pfützen herhalten. Die Hunderasse, die auch „St. John’s Dog“ genannt wird, gilt als arbeitsfreudig und lernwillig sowie sanftmütig und kinderlieb. © Pond5 Images/Imago
Hund/Golden Retriever spielt im Wasser.
Bereits während der Zucht wurde beim Golden Retriever darauf Wert gelegt, dass er gut schwimmen kann. Viele der humorvollen Hunde sind daher nur schwer wieder aus dem Wasser zu bekommen, wenn sie erst einmal hineingesprungen sind. © Cavan Images/Imago
Hundeschwimmen in Mannheim-Sandhofen: Golden Retriever apportiert Tennisball im Wasser eines Schwimmbeckens.
Genau wie der Golden Retriever ist auch der Labrador Retriever ein begnadeter Apportierhund, der an die Arbeit im und am Wasser gewöhnt ist. Aber auch nach Feierabend stürzt sich der Vierbeiner mit Vorliebe ins kühle Nass. Beim Schwimmen kommt ihm nicht nur sein wasserfestes Fell, sondern auch die schwimmhautartigen Häute zwischen den Zehen zugute. Viele der Hunderassen, die gerne schwimmen, besitzen übrigens diese „Schwimmhäute“, um damit mehr Wasser zu verdrängen. © Creatista/YAY Images/Imago
Leonberger watet aus dem Wasser.
Auch Leonberger sind für jeden Wasserspaß zu haben. Die Hunde lieben es, ausgiebig schwimmen zu gehen – praktisch für die Besitzer, denn Leonberger sollten mehrere Stunden Bewegung am Tag bekommen. © SuperStock/Imago
Hund am Wasser.
Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever, zu Deutsch sinngemäß Neuschottischer, Enten anlockender Apportierhund, hat als auf die Entenjagd spezialisierter Vierbeiner keine Angst vor Wasser. Er hat vielmehr eine echte Passion für Wasser: Je mehr Zeit der Toller am Wasser verbringen darf, umso glücklicher ist er. Eine wassernahe Betätigung, die Apportieren beinhaltet, ist ideal für das hübsche Energiebündel. Für Schwimmer und sehr aktive Besitzer ist diese Hunderasse daher perfekt. © Pond5 Images/Imago
Landseer war schwimmen und läuft aus dem Wasser.
Landseer lieben das Wasser und sind begeisterte Schwimmer. Als Wasserrettungshunde leisten die schwarz-weißen Fellnasen auch heute noch vereinzelt Großes bei der Rettung von Ertrinkenden, wobei ihnen auch die Schwimmhäute zwischen den Zehen zugutekommen. © Dreamstime/Imago
Schwarzer Neufundländer schüttelt sich das Wasser vom Leib.
Auch der Vorfahre des Landseers, der Neufundländer, ist eine echte Wasserratte. Trotz seiner massigen Erscheinung – er gehört immerhin zu den größten Hunderassen der Welt – wird der Neufundländer im Wasser zu einer Rakete. Das liegt daran, dass unter seinem dichten Fell kräftige Muskeln versteckt sind. Sein prächtiges Fellkleid schützt ihn außerdem vor der Kälte des Wassers. Früher wie heute werden die Hunde bei der Küstenwache und von Fischern eingesetzt – und erfüllen ihre Pflichten mit großer Leidenschaft. © Dreamstime/Imago

Marc Wedemeyer und seine Kollegen werden in den nächsten Tagen viel zu tun haben, den es wird heiß. So werden am Freitag bis zu 27 Grad und am Samstag bis zu 32 Grad in Hamm erwartet. Das wäre dann bisher der heißeste Tag des Jahres. Am Sonntag kühlt es sich mit Schauern und Gewittern auf minimal 19 Grad in der Nacht runter.

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