- VonUlrich Willeschließen
38 Jahre lang war die Jugendwerkstatt der Caritas an der Oswaldstraße 11. Jetzt – kurz vor Weihnachten – kam das Aus für den Standort in den Räumen der ehemaligen Schreinerei. Der neue Eigentümer habe, schildert Caritas-Vorstand Elmar Marx, eine Mieterhöhung um 140 Prozent – also weit mehr als eine Verdoppelung – und einen Mietvertrag für mindestens vier Jahre verlangt. „Das kann und will die Caritas nicht mitmachen“, sagt Marx. Der Vermieter habe daraufhin den Mietvertrag gekündigt.
Bockum-Hövel – Seit dem 1. Januar 1985 befindet sich die Caritas-Jugendwerkstatt zunächst in einer ehemaligen Werkstatt an der Oswaldstraße 11, die sich nach und nach auf das Nebengebäude ausgeweitet hat. Gestartet war die Einrichtung als Werkstatt für arbeitslose Jugendliche als „sozialpädagogische Maßnahme im Übergang von Schule zum Beruf“. „Heute fördert die Jugendwerkstatt jugendliche Schulverweigerer und unterstützt sie beim Erwerb eines qualifizierten Schulabschlusses“, erklärt Elmar Marx
Im Dezember 2022 habe es einen Eigentümerwechsel gegeben, geht Marx an den Anfang des Problems zurück. Seitdem rangen der neue Vermieter und die Caritas offenbar um die Vereinbarung eines neuen Mietvertrages.
Das Ergebnis: Unter anderem sollten die Mietkosten um etwa 140 Prozent steigen. Und trotz des langen Mietverhältnisses bestand der neue Vermieter auf eine Mietbindung von mindestens vier Jahren. „Aufgrund der hohen Mietkosten, der extrem angespannten finanziellen Lage in der Sozialwirtschaft und einer möglicherweise drohenden Haushaltssperre der Kommune war eine so lange Bindung für uns ein zu hohes unternehmerisches Risiko“, erklärt Marx. „Eine so kurze Mietbindung mache ihm zu viel Arbeit, hat der neue Eigentümer erklärt, und kurzerhand das Mietverhältnis zum Jahresende gekündigt. Dieser Schritt war trotz des langen Mietverhältnisses rechtlich korrekt, weil der Ursprungsvertrag diese Möglichkeit vorsieht“, erklärt Marx – mit Bedauern.
Der Caritas blieben vor den Weihnachtsferien noch ganze drei Wochen, um sowohl nach einer Lösung zu suchen als auch einen Auszug zu organisieren. Mit vielfältiger Unterstützung werden die Räume an der Oswaldstraße 11 nun in der Woche vor Weihnachten geräumt – Maschinen aus der Holzwerkstatt abtransportiert, die Lehrküche des Hauswirtschaftsbereiches demontiert, Computerarbeitsplätze und Material eingepackt. Eine Heidenarbeit für Jugendwerkstattleiter Marco Schmelzer und die Helfer.
Mit zwei Umzugsunternehmen wird das Inventar in freie Räumlichkeiten der früheren Zeche Heinrich-Robert geschafft und zwischengelagert. Dort treffen sich auch die Mitarbeiter mit den Teilnehmern der Jugendwerkstatt nach den Weihnachtsferien im neuen Jahr und hoffen auf eine Lösung, die den Fortbestand der Einrichtung sichert. 2024 würde die Jugendwerkstatt ihr 45-jähriges Jubiläum begehen, sagt Marx.
