VonCedric Sporkertschließen
Gastronomen des Ruderclubs bemängeln, dass im Erlebensraum Lippeaue keine Beleuchtung geplant ist. Kinder und Senioren trauten sich abends nicht mehr, zum Ruderclub zu kommen.
Hamm – Der „Erlebensraum Lippeaue“ ist Hamms Vorzeigeprojekt. Die Arbeiten an dem riesigen Naherholungsgebiet nahe des Stadtzentrums sind nach über vier Jahren Bauzeit fast abgeschlossen. Nun klagen Anlieger darüber, dass die Beleuchtung der Wege und Straßen vergessen worden sei. Die Stadt hält dagegen. Im „Erlebensraum“ solle es bewusst zappenduster werden, wenn die Sonne untergeht.
Wolfgang und Anja Sommer haben in den vergangenen Jahren aus nächster Nähe die Entstehung des 40 Millionen Euro teuren „Erlebensraums“ beobachtet. Sie betreiben seit über elf Jahren die Gastronomie am Ruderclub, an den angebaut werden soll. Eigentlich freuen sie sich über das Ende der Bauarbeiten. Denn zwischenzeitlich sei der Umsatz um 40 Prozent zurückgegangen. „Man hatte uns schon fast vergessen“, sagt Wolfgang Sommer. Teilweise sei die Zuwegung zum Ruderclub nur rudimentär gewesen. „Die Leute kamen nicht mehr durch. Irgendwann haben wir selbst die Brocken von der Straße geräumt.“ Viermal seien Internet- und Telefonleitungen zerstört worden, einmal gab es acht Wochen lang kein Netz.
Gastronomen sauer: „Man fährt hier durch ein dunkles Loch“
Alles Kollateralschäden, sagen die Sommers. Was sie wirklich sauer macht, ist das fehlende Licht. „Man fährt hier in ein dunkles Loch“, sagt Anja Sommer. Das beklagten auch die Mitglieder des Ruderclubs und die Eltern des Ruder-Nachwuchses. „Die sagen uns, dass sie ihre Kinder im Dunkeln nicht mehr hier runter schicken wollen“, so Wolfgang Sommer. „Auch Ältere kommen nicht mehr. Bei uns betrifft das die Stammtische.“
Die Stadt teilte auf Nachfrage mit, dass am Weg zum Ruderclub im Rahmen des „Erlebensraum“-Projekts nie eine Beleuchtung geplant gewesen sei. Das habe man gar nicht erst geprüft. „Bislang war dort auch keine Beleuchtung, zudem ist der Bereich nach der Renaturierung noch empfindlicher für äußere Einflüsse, wodurch die Tiere gestört würden“, teilte ein Stadtsprecher mit.
An Insekten wird gedacht, an die Menschen – vor allem an die Kinder – aber nicht.
Wolfgang Sommer lässt diese Argumente nicht gelten. Früher sei die Strecke bis zur Münsterstraße zwar ebenfalls nicht beleuchtet, allerdings vom Ruderclub aus einsehbar gewesen. Nun verlaufe die Straße auf der anderen Seite des Damms – und damit außer Sichtweite. „Was dahinter möglicherweise passiert, bekommt doch keiner mehr mit.“ Beleuchtung gebe es mittlerweile insektenfreundlich oder adaptiv. Diese springe nur an, wenn tatsächlich jemand auf der Straße unterwegs ist. „Hier sind so viele Millionen Euro verbuddelt worden. Da hätte man clevere Varianten mitdenken müssen“, meint Wolfgang Sommer. „An Insekten wird gedacht, an die Menschen – vor allem an die Kinder – aber nicht.“ Der Gastronom hat mit dem „Erlebensraum“ einen neuen, potenziellen Angst-Raum ausgemacht.
Stadt sieht Probleme nicht: Tiere im Erlebensraum sollen nachts wenig gestört werden
Die Stadt sieht dieses Problem offenbar nicht. Der „Erlebensraum“ solle in erster Linie tagsüber „bespielt“, abends und nachts dagegen bewusst möglichst wenig gestört werden. (Hier gibt es mehr Infos zum Erlebensraum Lippeaue.) An lauen Sommerabenden dürften allerdings trotzdem etliche Hammer am Lippeufer und auf dem Plateau mit seinen Spiel- und Sportmöglichkeiten Erholung suchen. Schon jetzt werde an den Wochenende nach Einbruch der Dunkelheit im nicht freigegeben „Erlebensraum“ gelagert, teils gegrillt. Das beobachte das Ehepaar Sommer regelmäßig, wie beide schildern.
Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, haben die Gastronomen eine Unterschriftenaktion gestartet. Inzwischen hätten bereits 500 Menschen aus Hamm unterschrieben. „Vielleicht hilft das. Es braucht ja nicht taghell werden. Nur so hell, dass man ein bisschen was sieht. So schwer kann das nicht sein“, meint Wolfgang Sommer.

