- VonStefan Gehreschließen
Mehr als 6000 Menschen haben am Samstag in Hamm die „Nacht der Industriekultur“gefeiert. Ein YouTuber sorgte dabei für einen Polizeieinsatz.
Hamm – Akrobaten in der Kaue, junge Musiker der Musikschule Hamm in der Lohnhalle, Rockmusik mit klassischen Instrumenten wie Cello, Geige und Querflöte im Schatten des Hammerkopfturms und insgesamt mehr als 350 Mitwirkende: Die ExtraSchicht 2022 im CreativRevier Heinrich Robert, einer von 43 Spielorten im Revier, hatte einiges zu bieten – und das acht Stunden lang. Am Ende waren es über den ganzen Abend verteilt 6- bis 7000 Besucher, die, wie Andreas Heuser von der für die Durchführung vor Ort verantwortlichen Prisma GmbH (Dorsten) sagte, das Programm genossen und die „Nacht der Industriekultur“ der Ruhr Tourismus GmbH zu einem Erfolg machten – auch wenn nicht alles glattlief und wegen eines YouTubers zwischenzeitlich sogar die Polizei anrücken musste.
Hammerkopfturm bei allen beliebt
Eines der beliebtesten Fotoobjekte war der Hammerkopfturm, von dem zudem mehrere Merchandising-Artikel angeboten wurden. Das Wahrzeichen von Heinrich Robert als T-Shirt-Aufdruck, als Postkarte, als kleines Modell aus Holz, als Bierglas oder als Aufdruck auf einem Schlüsselanhänger: Mehrere Künstler und Kreative hatten ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. So auch Joanna Kapschak mit ihrem recht jungen Unternehmen „Hammer-Geschenke“ aus Wiescherhöfen. „Wir gravieren, lasern und besticken alles außer Wasser“, sagte sie. Besonders nachgefragt worden sei der Hammerkopfturm aus Holz – samt Weihnachtsbaum.
Stammgast auf der ExtraSchicht ist seit Jahren der Geschichtskreis Haus Aden/Grimberg 3/4 aus Bergkamen mit seinem Adener Stollen, in dem sich die Besucher ablichten lassen konnten. Und das taten viele auch. Die letzten Jahre sei man immer auf der Zeche Schlägel und Eisen in Herten gewesen, sagte Volker Wagner vom Geschichtskreis. Aus alter Verbundenheit habe man sich aber dazu entschieden, dieses Mal nach Hamm zu kommen. Mit der Resonanz sei man zufrieden.
Extraschicht auf Heinrich Robert: Feuerwerk ein Highlight
Gefragt waren auch die Führungen durch das Verwaltungsgebäude, die Lohnhalle sowie die Kaue. Aber genau das war das Problem: Corona-bedingt standen statt der eingeplanten 14 nur noch acht Gästeführer, allesamt ehemalige Bergleute, zur Verfügung. Die Folgen waren lange Schlagen und Gruppen, die deutlich größer als geplant waren. Hier gelobte Heuser Besserung.
Einer der Haupakteure des Abends wirkte zunächst hinter den Kulissen, um dann pünktlich um 22.45 Uhr mit einem lauten Knall in Erscheinung zu treten: Pyrotechniker Georg Utikal von der Firma Pyro Brothers, die sich für das rund zehn Minuten dauernde Feuerwerk verantwortlich zeigte. Fünf Stunden habe der Aufbau gedauert, so Utikal, der das Geschehen recht entspannt verfolgte – obwohl die ersten Kommunen Feuerwerke aufgrund der Waldbrandgefahr, bedingt durch die lange Trockenheit, abgesagt haben. In Hamm sei das kein Thema gewesen, am Freitag habe es hier geregnet. Und: „2019 war die Gefahr wesentlich größer.“
Extraschicht auf Heinrich Robert: YouTuber auf Abwegen
Was viele Besucher begrüßten: Die Macher der ExtraSchicht gaben vielen Künstlern aus Hamm die Chance, sich einem breiten Publikum zu präsentieren, darunter die Formation HammerSchlag, ein Musical-Set und weitere Akteure der Musikschule sowie Open Rims, die kurz vor Mitternacht auftraten. Aber auch auswärtige Gäste wie das Rockorchester Oberhausen konnten beim Publikum, das es sich vor den großen Bühne bequem gemacht hatte, punkten.
Ein Youtuber mit zehntausenden Followern tat das nicht. Er hatte versucht, trotz – oder gerade wegen – des Publikums in die Maschinenzentrale einzubrechen. Dabei wurde er erwischt und der Polizei übergeben
Zufrieden zeigte sich Gebäudeeigentümer und Ideengeber Jürgen Tempelmann. Ihm sei es wichtig gewesen, das CreativRevier mit seinen Möglichkeiten zu präsentieren. Für 2023 würde er sich wünschen, mehr Spielorte aus der Region zu bekommen. Denn das ist und bleibt das Problem von Hamm: Aufgrund seiner Lage am Rande des Ruhrgebiets ist es nicht attraktiv, in weiter entfernte Spielorte wie Essen zu fahren. Höchstens Unna und Dortmund bieten sich hier ein. Weitere denkbare Spielorte in Hamm sind für ihn der Maxipark und Radbod.