- VonFrank Lahmeschließen
In Hamm macht ein Barbershops nach dem anderen auf. Aufgrund der Inflation dieser Läden schlägt der Obermeister Alarm.
Hamm – Vor ein paar Jahren galt Hamm mal als Stadt der Nagelstudios. Das Magazin „Stern“ wollte da herausgefunden haben, dass es nirgends in Deutschland eine größere Dichte an „Naildesignern“ gab als eben hier. Heute hat sich das Bild gewandelt. Maniküre-Studios gibt’s zwar immer noch mehr als man an zwei Händen abzählen kann. Noch größer ist aber die Zahl der Friseure in der Hammer Innenstadt, wo insbesondere die Barbershops wie Pilze aus dem Boden schießen. Dass in deren Geschäften alles mit rechten Dingen zugeht, scheint zweifelhaft. Ferner fragt sich, wie viele Friseure eine Innenstadt wie Hamm verträgt. Steht Hamm vorm Haarakiri?
Der Kommunale Ordnungsdienst schaut da nicht hin.
„Barbershops sind ein Riesenproblem. Nicht nur in Hamm, aber auch in Hamm“, sagt Ingo Lanowski. Er ist Obermeister der hiesigen Friseurinnung, steht also fürs klassische Friseurhandwerk. „Barbershops machen hier einfach auf, ohne sich registrieren zu lassen. Es gibt keine Kontrollen. Der Kommunale Ordnungsdienst schaut da nicht hin“, sagt Lanowski. Bei der Handwerkskammer und den Kreishandwerkerschaften wolle man das nicht länger hinnehmen und eigene Kontroll-Trupps auf die Reise schicken. „In Dortmund sind wir da schon deutlich weiter als in Hamm. Da sind kürzlich erst sechs Barbershops geschlossen worden“, sagt Lanowski.
Regel: Wer einen Friseur-Salon eröffnet, braucht den Meisterbrief
Bislang gelte die Regel, dass, wer einen Friseur-Salon eröffnet, auch einen Meisterbrief in der Tasche haben müsse. Bei den Barbershops ist das anders. Zumindest so lange, wie man sich dort aufs Kerngeschäft – auf das Stutzen von Bärten – beschränkt. Dafür braucht man keine Qualifikation. Wenn aber im Barbershop auch Haare geschnitten werden, dann gilt auch dort die Meisterpflicht. „Und an dieser Stelle fällt immer wieder auf, dass Betriebe eben nicht in der Handwerksrolle stehen“, sagt Lanowski über die kopffrisierenden Barbiere aus Hamm.
Laut städtischer Statistik sind in Hamm aktuell 138 Friseurbetriebe angemeldet. 43 – also fast ein Drittel – befinden sich im Innenstadt-Postleitzahlbezirk 59065. Von den 138 Betrieben seien nur zwei als Barbershops mit Friseurleistungen registriert, sagt Stadtsprecher Tom Herberg. Weil es im Trend liege, würden sich klassische Friseurbetriebe heutzutage gern als Barbershop bezeichnen. Alle 138 Betriebe stünden in der Handwerksrolle. „Es finden auch Kontrollen statt. Das ist beim Kommunalen Ordnungsdienst aber kein Schwerpunkt“, sagt Herberg.
Friseur-Obermeister: Der Trend geht zu kleineren Betrieben
Ingo Lanowski hat Zweifel an diesen Zahlen, will zudem aber auch nicht alle Barbershops der Stadt über einen Kamm scheren. „Es gibt nicht nur schwarze Schafe. Diejenigen, die nicht dazu zählen, sind meist die hochpreisigen Betriebe“, sagt der Obermeister. Üblich sei aber, dass in Barbershops kein gelerntes Personal arbeite und dass es keine Ausbilder gebe.
Daneben verschiebt sich laut Lanowski die Friseur-Szene. Der Trend gehe zu kleineren Betrieben – vornehmlich in der Innenstadt. Noch vor fünf, sechs Jahren habe es lediglich 70 bis 80 Betriebe in Hamm gegeben, heute seien es mehr als 130. Im gleichen Zeitraum sei die Zahl der Beschäftigten in Hammer Salons von 600 auf 450 geschrumpft.