Großeinsatz am Samstagabend in Hamm: Die Polizei musste den Hauptbahnhof sperren, weil es zu einer Schlägerei zwischen Fußball-Fans kam.
[Update] Hamm - In Hamm kam es am Samstagabend (23. September) etwa gegen 21.30 Uhr zu einem Großeinsatz der Polizei. Grund dafür waren Ausschreitungen zwischen Fußball-Fans am Hauptbahnhof. Indirekter Auslöser für die Eskalation war ein Oberleitungsschaden gegen 17.30 Uhr zwischen Ahlen und Neubeckum.
Fan-Schlägerei in Hamm nach BVB-Spiel – Polizei sperrt Hauptbahnhof
Das habe zur Folge gehabt, dass Fernzüge umgeleitet werden mussten, wie auch Regionalzüge, die „vorzeitig wendeten“, sagt ein Bahnsprecher. Dennoch wurde Hamm für Hunderte Fahrgäste im Laufe des Abends zur Endstation. Sie wussten zunächst nicht weiterzukommen.
Nach ersten Informationen der Bundespolizei endete nach der Bundesligapartie zwischen Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg auch ein Zug mit Wolfsburger Fans wegen des Leitungsschadens in Hamm. Eine Gruppe von etwa 160 Fans habe sich in den Bahnhof begeben. An mehreren Stellen sei es zu Auseinandersetzungen mit Dortmunder Fans gekommen, unter anderem auch auf den Gleisen, so ein Sprecher der Bundespolizei.
In diese Situation geriet ein Fußballfan aus Gütersloh. Bereits beim Eintreffen des Zuges um kurz nach 20.30 Uhr habe er an den Treppenaufgängen „wilde Prügelszenen“ gesehen, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion sagt (namentlich möchte er nicht genannt werden). Aus Furcht davor, selbst angegriffen zu werden, seien er und viele weitere Fahrgäste wieder in den sicheren Zug hinein. Sie seien aber erneut aufgefordert worden, ihn zu verlassen. „Es wurden sogar die Türen geöffnet“, sagt er. „Viele hatten Panik und riefen eindringlich um Schließung der Türen.“ Er wirft dem Zugbetreiber ein gefährliches Fehlverhalten vor.
Großseinsatz am Hauptbahnhof Hamm - auf Leitungsschaden folgt Massenprügelei
Die Polizei war schließlich mit starken Kräften vor Ort und sperrte den Bahnhof. Der Einsatz führte zu weiteren Beeinträchtigungen im Zugverkehr. Mehrere Rettungswagen waren im Einsatz. Über Verletzte ist nichts bekannt. Eine Anfrage bei der Bundespolizei blieb am Sonntag unbeantwortet. Nach ersten Angaben nahm die Polizei eine Person fest.
Im Laufe des Abends und bis etwa Mitternacht strandeten immer mehr Fahrgäste, die in Richtung Bielefeld nicht weiterkamen. Einige erfuhren bereits im Zug, dass es keinen Ersatzverkehr gebe – letztlich auch keine freien Hotelzimmer und vor allem Taxis. Zwei befreundete Familien aus Bielefeld waren „nach einem schönen Tag in Köln“ auf der Heimreise. Ratlos orderten sie schließlich ein Taxi aus der Heimatstadt und warteten mit ihren „müden Kindern“ in der Nacht auf das Eintreffen. „Alles sehr chaotisch“, sagte einer der Väter.
Andere hätten sich von Freunden oder anderen abholen lassen, sagt der Fußballfan aus Gütersloh, der sich selbst von daheim ein Taxi bestellte. Eine nur Englisch sprechende Studentin beklagte sich über fehlende Ansprechpartner im Bahnhof. Am folgenden Morgen war der Leitungsschaden weitgehend behoben. Seit Betriebsbeginn am Sonntag gegen 6 Uhr kam es nur noch zu geringen Verspätungen, sagte der Bahnsprecher. Zu den als chaotisch beschriebenen Zuständen im Bahnhof konnte er mangels näherer Informationen nichts sagen, bat trotzdem wegen der Beeinträchtigungen um Entschuldigung. Fahrgäste forderten indes, besser auf solche Ereignisse vorbereitet zu sein. – Torsten Haarmann/Max Lametz/dpa/news4Video-Line TV