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Es ist ein Dauerthema in Heessen: Zum x-ten Mal wurden Kfz-Kennzeichen gestohlen und zerschnitten. Für die Betroffenen beginnt damit die Rennerei, wie einer von ihnen erzählt.
Heessen – Es ist eines der Dauerthemen in Heessen. Alle paar Wochen streifen unbekannte Personen durch die Straßen und montieren die hinteren Kennzeichen von Fahrzeugen ab, um an die frischen Tüv-Plaketten zu gelangen. Am Wochenende, 9./10. März waren es 14 Vorfälle zwischen Hexenteich und Kleistraße.
Für die Betroffenen beginnt dann die Rennerei, sich ein Ersatz-Nummernschild oder gar zwei ganz neue Kennzeichen besorgen zu müssen. „Wir wissen alle, was das für ein immenser Verwaltungsaufwand ist“, sagt selbst Polizeisprecher Daniel Siegesmund. Ein Heessener erzählt, was alles zu erledigen ist.
Erster Weg führt zur Polizei
Am Auto von Alex Schiewe wurde in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar in der Nähe der Familien-Oase das Kennzeichen gestohlen. Nach einer Geburtstagsfeier war er an dem Freitag gegen Mitternacht nach Hause gekommen, am nächsten Morgen stellten er und sein Vater fest, dass das hintere Nummernschild fehlte. Dafür fanden sie einen Zettel von der Polizei mit der Bitte, sich zu melden. „Grundsätzlich sollte jeder Kennzeichen-Diebstahl, dazu gehören auch Teile eines Kennzeichens, bei der Polizei gemeldet werden“, sagt auch Stadtsprecher Tom Herberg.
„Ich musste eine Verlustanzeige machen, damit ich überhaupt fahren kann. Ich brauche mein Auto, um zur Arbeit zu kommen“, erzählt Schiewe. Denn schon am Sonntag stand die nächste Fahrt zur Arbeitsstelle nach Ascheberg an. Sein Vater, dem das Auto des 24-Jährigen gehört, übernahm den Gang zur Wache. Das Bußgeld fürs Fahren ohne das Nummernschild mit der Tüv-Plakette hätte 60 Euro betragen.
Die meisten Kennzeichen tauchen wieder auf, dann ist Ersatz vergleichsweise einfach besorgt
Schiewe hatte das Pech, dass sein Kennzeichen nicht in der Nähe des Tatorts wieder auftauchte. Überwiegend würden die zerschnittenen Schilder wiedergefunden werden, so Siegesmund, mal in Vorgärten, mal am Straßenrand im Gebüsch, mal an anderen Tatorten. Der oder die Täter habe es ja nur auf die Plakette abgesehen. „Solche Plaketten kann man relativ leicht entfernen und weiterverkaufen oder für ein Auto verwenden, das sonst keinen Tüv mehr bekommen hätte“, erklärt der Polizeisprecher den Hintergrund. Dazu passt, dass Schiewe erst im Januar beim Tüv war. Auch bei seinem Nachbarn sie die frische blaue Plakette, die bis 2026 gültig ist, gestohlen worden.
Wer sein Kennzeichen wiederfindet, kann nun Ersatz bestellen und am Bürgeramt mit der Plakette abholen. Mitgebracht werden müssen das zerschnittene Kennzeichen, die Diebstahlanzeige und der Fahrzeugschein, erläutert Herberg. „Jeder Fall wird geprüft und in enger Zusammenarbeit mit der Polizei bearbeitet. Im Idealfall kann das gleiche Kennzeichen beibehalten werden. Das Siegel und die HU-Plakette erhält der Halter dabei direkt von der Zulassungsstelle.“
Fehlt das Nummernschild muss ein ganz neues Kennzeichen her
„Das Problem bei mir war, dass mein Kennzeichen nicht wiedergefunden wurde, dann wird das alte für zehn Jahre gesperrt“, so Schiewe. „Da bei einem Pkw nur zwei Kennzeichen vergeben werden dürfen, wird durch die Umkennzeichnung sichergestellt, dass kein weiteres Kennzeichen im Umlauf ist. Ebenso dient dies dem Schutz des Halters bei einem möglichen Kennzeichenmissbrauch“, sagt Herberg.
„Dem alten Kennzeichen trauere ich schon etwas hinterher“, sagt der Heessener. Er hatte ein Wunschkennzeichen, das ihn zum einen an seinen Großvater erinnert, zum anderen mit nur zwei Buchstaben und drei Ziffern nach dem HAM bewusst kurz war. „Und es ist gar nicht so einfach, wieder ein so kurzes zu finden“, sagt er: „Aber ich habe ein schönes gefunden.“ Noch am Wochenende bestellte er online das neue Nummernschild, das jetzt auf seinen Namen, seinen Geburtstag und seinen Lieblingsklub, den BVB, hinweist.
Papierkram auf dem Amt und mit der Versicherung
Am Mittwoch holte er sich im Bürgeramt das neue Nummernschild ab. „Ich arbeite nicht von 8 bis 17 Uhr, andere haben es ja noch schwieriger, müssen sich vielleicht sogar freinehmen“, sagt Schiewe. Es folgte allerhand Papierkram, da unter anderem der Kfz-Brief storniert und neu gemacht werden musste. „Das dauert seine Zeit“, so Schiewe, der hinter der Sachbearbeiterin derweil „zehn, zwölf Nummernschilder“ aus der Tatnacht sah, die wiedergefunden worden waren.
90 Euro war der Bestohlene mittlerweile los, hatte aber wieder ein Kennzeichen in den Händen. „Das Geld zahlt einem auch keiner zurück.“ Erledigt war der Fall für den Heessener damit immer noch nicht. „Die Versicherung muss geändert werden. Ich musste die Verlustmeldung und die Angaben zum neuen Kennzeichen dahin schicken, damit alles seine Richtigkeit hat“, erzählt er.
Nachts montiert Schiewe das Nummernschild nun ab
Um sich den ganzen Aufwand in Zukunft zu ersparen, montiert der 24-Jährige das Nummernschild von seinem auf einem Privatweg stehenden Auto nun abends immer ab. „Das dauert zehn Sekunden“, ist er jetzt Profi mit der Klick-Vorrichtung. Die Polizei gibt den Tipp, abnehmbare magnetische Kennzeichenhalter zu nutzen, betont allerdings, dass das nur auf privatem Grund erlaubt ist. Ist der Pkw im öffentlichen Raum abgestellt, muss die Plakette zu sehen sein.
Ordnungskräfte sind sensibilisiert
Zumindest in Heessen wissen die Ordnungskräfte um die wiederholten Vorfälle: „Aufgrund der länger bekannten Problematik sind die Kolleginnen und Kollegen des KOD sensibilisiert und handhaben eine solche Situation entsprechend umsichtig“, sagt Herberg. Ist das vordere Kennzeichen vorhanden, können die Mitarbeiter anhand dessen feststellen, ob das Fahrzeug noch zugelassen ist und eine gültige Hauptuntersuchung vorliegt. „Sofern beide Kennzeichen fehlen und das Fahrzeug im öffentlichen Raum steht, wird der Ermittlungsdienst eingeschaltet“, so Herberg weiter. Die Abfragen laufen über die Zulassungsstelle im Bürgeramt Bockum-Hövel.
Eine regelrechte Serie an Kennzeichen-Diebstählen hatte es im August 2022 gegeben. Und auch im Mai 2023 und im August 2023 streiften der oder die Täter durch Heessen. Und das sind längst nicht alle Fälle.
Verdachtsfall in Facebookgruppe
Kurz nach den jüngsten Kennzeichendiebstählen im Heessen tauchte in einer Heessener Facebook-Gruppe ein Foto mit zwei Jugendlichen auf, darauf laut Beschreibung ein Mädchen, dass nachts im Bereich des Frielicker Wegs „im angetrunkenen Zustand“ auf ein Auto geklettert sei und sich für ein Foto auf das Dach gesetzt habe. Weitere Kommentare brachten die Minderjährigen und andere Kids mit den Diebstählen in Verbindung, diese würden im Auftrag handeln.
„Die Aufnahmen liegen der Polizei vor“, teilt Sprecher Daniel Siegesmund auf Nachfrage mit. „Allerdings hat die Person nach derzeitigem Ermittlungsstand nichts mit der Häufigkeit an Kennzeichen-Diebstähle in Heessen zu tun.“ Die Polizei verfolge jedoch derzeit Ermittlungsansätze, so Siegesmund. Weiteres könne aus ermittlungstaktischen Gründen aber nicht gesagt werden. Der Post ist mittlerweile nicht mehr online.
*In einer früheren Version stand, dass das Mädchen eingeschlafen sei, das wurde auf Hinweis des betroffenen Fahrzeughalters korrigiert.
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