VonAnnika Wilkschließen
Über ein Jahr hinweg wurden in Hamm immer wieder Reifen zerstochen. Nun wurde für eine angeklagte Frau die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung angebordnet.
Heessen – Es ist nur eine kurze Meldung der Hammer Polizei, doch vielen Heessener Autobesitzern, besonders in der Gartenstadt, könnte ein Stein vom Herzen fallen. Die Beamten vollstreckten einen Unterbringungsbefehl des Amtsgerichts für eine heute 39-jährige Frau, die daraufhin in eine forensische Klinik kam, so die Polizei. Sie soll in den vergangenen eineinhalb Jahren für eine ganze Serie von zerstochenen Reifen an Fahrzeugen verantwortlich gewesen sein.
Bei der Polizei sind seit Frühjahr 2023 rund 150 Taten, die mit dieser Frau in Verbindung gebracht werden, aufgeschlagen, teilt Sprecher Hendrik Heine auf Nachfrage mit. Meist handele es sich um zerstochene Reifen, aber auch mutwillig herbeigeführte Kratzer an der Karosserie würden dazu gehören.
110 Strafanzeigen nach zwei Abenden
Allein für den 30. und 31. März waren bei der Polizei innerhalb kürzester Zeit 110 Strafanzeigen eingegangen. Am zweiten Tag war die Heessenerin an der Münsterstraße nahe der Rosa-Luxemburg-Straße von einem Zeugen beobachtet worden und von der alarmierten Polizei auch angetroffen und in Gewahrsam gebracht worden.
Die Polizei ging davon aus, dass die Frau an den beiden Abenden einen wahren Streifzug durch Heessen gemacht hatte, um Reifen der geparkten Autos einzustechen. Viele Fälle konnten ihr zugewiesen werden. Die Spur der damals 37-Jährigen zog sich quer den Stadtteil durch die Gartenstadt bis hin zum Heessener Bahnhof. Der geschätzte Schaden lag bei etwa 30 000 Euro.
Ab November weitere Vorfälle
Die Staatsanwaltschaft nahm sich des Falls an, doch die Frau ließ mutmaßlich nicht von ihren Taten ab. Es blieb zwar eine Zeit lang ruhig, doch ab November 2023 gab es erneute Fälle, die sich unregelmäßig bis April 2024 hinzogen, von zerstochenen Reifen. Allerdings war die Zahl der Betroffenen – vorrangig in Dasbeck, seltener über die Grenzen des Stadtbezirks hinaus – „nur“ maximal knapp zweistellig. Heine spricht heute von einer schwierigen Beweisführung, doch immer wieder erhielt die Polizei auch Hinweise oder Zeugenaussagen, die auf die schon bekannte Frau deuteten.
Bereits im Februar erhob die Staatsanwaltschaft Anklage mit dem Vorwurf der Sachbeschädigung in zumindest 43 Fällen, die sich auf die Abende im März 2023 bezogen. Ein psychiatrisches Gutachten wurde erstellt, wie Tobias Wendt, Sprecher der Dortmunder Behörde, mitteilt. Im Juni war Termin der Hauptverhandlung am Amtsgericht, wo laut Wendt dringende Gründe für die Annahme weiterer Straftaten festgestellt worden seien. Am vergangenen Montag wurde die Angeklagte dann an ihrem Wohnsitz festgenommen und kam daraufhin in eine psychiatrische Einrichtung.
Verfahren soll ans Landgericht
Zum mutmaßlichen Motiv der Frau ist nichts bekannt, auch eine Stellungnahme des Amtsgerichts steht aus. Wendt meint derweil, dass es nun das Ziel der Staatsanwaltschaft sei, das Verfahren an das Landgericht zu holen, damit die Unterbringung in der Klinik nicht nur vorübergehend angeordnet werden kann. Er teilt zudem mit, dass die 43 Fälle aus der ursprünglichen Anklageschrift längst nicht mehr die einzigen Vergehen seien, die der Heessenerin vorgeworfen würden. Weitere Verfahren seien mittlerweile „hinzuverbunden worden“.
So wurden im Dezember wurden wieder mehrere Fälle von aufgeschlitzten Reifen bekannt. Damals sagte Polizeisprecher Hendrik Heine: „Mögliche Verbindungen zwischen den einzelnen Taten und auch zur Serie im Frühjahr prüfen wir im Rahmen der Ermittlungen.“ Im Mai 2024 legte obendrein ein unbekannter Reifenstecher einen ambulanten Pflegedienst lahm.
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