- VonFrank Lahmeschließen
Zehntausende Verbandskästen für das Kriegsgebiet in der Ukraine: Die in Hamm geborene Idee zieht längst weite Kreise. Bundesweit ist die Möbelhauskette Poco mit im Boot, lokal nun auch das Autohaus Potthoff.
Hamm – Seit mehr als einem Jahr hilft Vitaliy Berestyan aus dem Hammer Norden seinen Landsleuten in der Ukraine. Während im 2000 Kilometer entfernten Kriegsgebiet die militärische Gegenoffensive gegen die russischen Besatzer nun wohl unmittelbar bevorsteht, ist die Hammer Hilfsoffensive bereits in vollem Gange – und das offenbar ziemlich erfolgreich.
Aktion „100.000“
Die Idee, hierzulande ausgediente Verbandskästen zu sammeln und den Inhalt ukrainischen Rettungskräften, Krankenhäusern und dem Militär zu liefern, zieht immer weitere Kreise. Nachdem die Möbelhauskette Poco vor einigen Wochen auf Vitaliy Berestyans Idee angesprungen war und nunmehr bundesweit in ihren Filialen abgelaufene Verbandskästen annimmt und nach Hamm schickt, haben sich weitere lokale und regionale Organisationen und Betriebe der Mission „100.000 Verbandskästen für die Ukraine“ angeschlossen.
Jüngst kam auch das Autohaus Potthoff hinzu. Auch an dessen Sitz an der Hammer Straße gibt es nunmehr eine dauerhaft eingerichtete Sammelstelle. Einige hundert Verbandskästen wurden Berestyan und dem Verein „Kinder brauchen unsere Hilfe“ (Sitz an der Dambergstraße) bereits übergeben.
Von Hamm an die Front
Geliefert werden die Erste-Hilfe-Sets nach Kiew und Krywyj Rih, der Geburtsstadt von Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj. Von dort werden sie weiterverteilt – unter anderem ins heftig umkämpfte Bachmut zur Versorgung von verletzten Front-Soldaten. Zum Beleg hat Berestyan regelmäßig Fotos von dort erhalten.
Der nächste Transport soll am 15. Mai in Hamm starten. Wieder wird sich Vitaliy Berestyan persönlich auf den Weg machen. Neben Verbandskästen will er zwei Tonnen Lebensmittel und Medikamente, die ihm und dem Verein „Kinder brauchen unsere Hilfe“ jüngst gespendet wurden, mitnehmen. Die Lebensmittel stammten überwiegend von der Hammer Tafel, sagt der 37-Jährige.
Kaum Flüchtlinge
Bereits Ende Mai 2022 war ein 40-Tonner des Westtünner Vereins über Litauen in die Ukraine gefahren. Ein Hammer Seniorenheim hatte ausgediente Krankenbetten, Rollstühle und Apotheker-Kühlschränke gespendet. Eine Tonne Lebensmittel – ebenfalls von der Hammer Tafel – wurde zudem mitgenommen und in die Ukraine gebracht.
1 580 ukrainische Flüchtlinge befinden sich aktuell in Hamm. Der ganz überwiegende Teil kam bereits in 2022 in die Stadt. „Flüchtlinge aus der Ukraine werden uns nur noch vereinzelt von der Bezirksregierung zugewiesen. Auf eigene Initiative kommen nur noch ganz selten Ukrainer nach Hamm“, sagte Stadtsprecher Tom Herberg am Donnerstag. In diesem Jahr seien Hamm rund 20 Ukrainer zugewiesen worden, insgesamt seien es 101. In der Alfred-Fischer-Halle befinden sich 65 Personen – 15 aus der Ukraine.