VonSascha-Nikolai Paschedagschließen
Eine Ermittlungskommission der Polizei und Stadt hat wegen der gestiegenen Jugendkriminalität mehr als 200 Verfahren eingeleitet. Es wurden mehrere Haftbefehle erlassen. Ein 14-Jähriger befindet sich auf der Flucht.
Hamm – Die Stadt Hamm und die Polizei haben die Ergebnisse einer gemeinsamen Ermittlungskommission vorgestellt, die gegen die steigende Jugendkriminalität im Innenstadtbereich vorgegangen ist. Die Strukturen seien durch die Aktion zerschlagen worden, es wurde gegen mehrere Tatverdächtige Haftbefehl erlassen. Ein 14-Jähriger befindet sich auf der Flucht, er wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.
Die Kommission bestand neben Einsatzkräften der Polizei aus Mitarbeitern der Stadt und des Jugendamtes. Sie wurde gegründet, weil eine steigende Kriminalität bei Jugendlichen im Frühjahr festgestellt wurde. „Wir hatten die Sorge, dass sich dort Strukturen verfestigen, die wir nicht wollen“, sagt Oberbürgermeister Marc Herter. „Die Kommission hatte als Ziel, diese zu zerschlagen.“ Infolge dessen wurde im Mai 2023 eine Ermittlungskommission eingesetzt.
Jugendkriminalität in Hamm: Ein Verdächtiger wird international gesucht
Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass hinter den Straftaten eine kleinere Gruppe von Jugendlichen steht, die auch für eine Vielzahl der Delikte verantwortlich ist. „Insgesamt besteht der enge Kreis der Tatverdächtigen aus sieben Personen“, sagt Polizeipräsident Thomas Kubera. Gegen einen 14-Jährigen und einen 17-Jährigen wurde ein Haftbefehl bereits vollstreckt. „Ein weiterer 14-Jähriger hat sich der Festnahme entzogen, wir haben gegen ihn einen internationalen Haftbefehl erlassen“, sagt Kubera. „Sowas habe ich in meiner Karriere auch noch nicht erlebt.“
In den vergangenen drei Monaten wurden insgesamt 200 Verfahren eingeleitet. Dabei wurden 58 ermittelte Tatverdächtige und 89 Opfer ausfindig gemacht. „Die meisten Straftaten fanden in der Innenstadt statt“, sagt Kubera. Die Täter waren zumeist männlich und zwischen 12 und 17 Jahren alt.
Viele Jüngere unter den Opfern
Die Opfer der Straftaten, meistens „Rohheitsdelikte“ wie Körperverletzung oder Raub, waren größtenteils im selben Alter. „Es wurden auch ältere geschädigt“, sagt Antje Fritz, Leiterin der Ermittlungskommission. Dabei handele es sich um Personen, die zur Hilfe eilen wollten und geschädigt wurden.
Polizei und Stadt wollen zukünftig weiter zusammen arbeiten. „Es ist jetzt wichtig, dass wir keine erneute Bildung von kriminellen Gruppierungen zulassen“, sagt Herter. „Deswegen wollen wir die erfolgreiche Zusammenarbeit fortsetzen.“
Die Polizei Hamm sucht derzeit ebenfalls nach einem räuberischen Trio. Einer der Täter ist bislang gefasst, die anderen noch flüchtig.
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