- VonStefan Gehreschließen
Nach den Lippepark-Brücken über Kanal und Lippe hat der Bund der Steuerzahler erneut eine Hammer Brücke ins Visier genommen.
Pelkum – Bärbel Hildebrand, Leiterin der NRW-Pressestelle, bestätigte, dass man aus der Bürgerschaft den Hinweis auf eine Steuergeldverschwendung im Selbachpark erhalten habe. „Und dem werden wir jetzt nachgehen.“
Steuerzahlerbund nimmt Selbachpark-Brücke ins Visier
Gemeint ist natürlich die neue Brücke über den Teich, die zuletzt nicht nur in den Sozialen Medien, sondern auch in der Bezirksvertretung für Diskussionen gesorgt hatte. Etliche Bürger empfanden bereits die zunächst dafür eingeplanten 350. 000 Euro als zu viel, zumal die Brücke aus ihrer Sicht keinerlei Nutzen hat – außer, dass man bei einem Spaziergang rund um den Teich „abkürzen“ kann. Als dann aber die Stadt mitteilte, dass sich die Kosten für den Neubau der Radfahrer- und Fußgängerbrücke nahezu verdoppeln werden, ging ein Aufschrei durchs Dorf – ein Aufschrei, der auch den Steuerzahlerbund erreichte.
Da der derzeit dabei ist, die Veröffentlichung des neuen Schwarzbuches – in ihm werden Steuergeldverschwendungen angeprangert – vorzubereiten, konnte er sich noch nicht ins Thema einarbeiten. Hildebrands Kollegin Andrea Defeld, die Ansprechpartnerin zu Steuergeldverschwendungen ist, wird sich aber zeitnah vor Ort ein Bild machen und dann auch die Stadt kontaktieren.
Umstrittene Brücke: Vergleich zu Fall in Meerbusch
Hildebrand erinnert die Situation in Pelkum an einen ähnlich gelagerten Fall in Meerbusch, bei dem der Steuerzahlerbund NRW eine Steuergeldverschwendung wiederholt öffentlich angeprangert hatte. Es ging um eine Holzbrücke am Latumer See, die marode war und erneuert werden sollte – für „nur“ 75. 000 Euro. Die Vorwürfe lauteten damals, dass ein Ersatz der maroden Brücke überhaupt nicht notwendig sei. Die andere Seite der Senke sei auf kurzem Wege zu erreichen. Befürworter argumentierten hingegen, dass die Brücke die Möglichkeit biete, den See und seine Umgebung auf andere Art zu erleben. Später kam der Vorschlag, die Brücke für 37.000 Euro zu sanieren. Ende 2018 war man bei fast 90. 000 Euro Sanierungskosten angelangt. Am Ende wurde die Brücke dann doch gebaut – allerdings nicht mit Steuergeldern, sondern mit 100 .000 Euro von einem Spender.
Selbachpark-Brücke: Bau wird stattfinden
Ein Vielfaches teurer soll die aus Steuergeldern finanzierte neue Brücke im Selbachpark werden. Dennoch spricht aus Sicht der Stadt einiges für den Bau: Sie sei nicht nur ein Blickfang vor der Parkkulisse, sondern werte die Parkanlage auch auf.
Den Bau selbst wird der Steuerzahlbund wohl nicht mehr verhindern können. Zu weit sind die Arbeiten schon fortgeschritten, zu viel wurde bereits investiert. „Der Einbau der Stahlbrücke wird Richtung Herbst/Jahresende stattfinden, da hierfür zuerst die Ausführungspläne vom Statiker freigegeben und im Anschluss die Brückenelemente gefertigt werden müssen“, so die Stadt im Juli.
Zwei Hammer Brücken fürs Schwarzbuch
2015 wurde der Fall der sechs Millionen Euro teuren Lippepark-Brücken im Schwarzbuch veröffentlicht. „Der Hammer Brückenschlag ist überflüssig, aufgebläht und zudem viel zu teuer“, so das Fazit des Steuerzahlerbundes. Unter anderem wurde darauf verwiesen, dass sich in der Nähe – am Lausbach und an der Radbodstraße – bereits zwei Brücken befinden, um auf die jeweils andere Seite von Kanal und Lippe zu gelangen. Bemängelt wurden auch „skurrilste Auflagen“. So muss die Lippebrücke durch ein fest eingebautes Tor gesperrt werden, wenn bei Frost die Altarme der Lippe vereisen und die überwinternden Wasservögel auf die industriell erwärmte Lippe ausweichen. Ein weiteres Ärgernis: Das beauftragte Bauunternehmen sei nicht in der Lage gewesen, die Genehmigung von der Wasserstraßenverwaltung für den Einhebeprozess vorzulegen. Die Stadt habe dem Unternehmen daher den Auftrag entzogen und die Bauleistung erneut ausgeschrieben. Dadurch seien zusätzliche Kosten entstanden.