- VonJörg Beuningschließen
Ursula Harkenbusch, Leiterin der Carl-Orff-Schule in Rhynern, geht nach 18 Jahren in den Ruhestand. Emotionale Abschiedstage an der Grundschule.
Rhynern – COS – clever, offen, stark. Drei charakterliche Eigenschaften, die Ursula Harkenbusch ihren Kindern im Laufe der Grundschulzeit an der COS, der Carl-Orff-Schule in Rhynern, mit auf den Weg geben wollte. Mit diesem Ziel ist sie 2005 als Rektorin angefangen. Nun – zum Ende des Schuljahres – geht sie in den Ruhestand selbst als clevere, offene und starke Schulleiterin, die ihren Beruf bis heute mag und die immer noch gerne zu Arbeit geht.
Nachfolge ist noch offen
Als Nachfolgerin von Rüdiger Manthey hat sie eine stets angesehene Grundschule in ein neues Zeitalter geführt und in den 18 Jahren eine neue Ära geprägt. Über 1 000 Lernanfänger hat sie in dieser Zeit in Rhynern begrüßen dürfen. Wer Nachfolger wird, ist noch nicht bekannt und dürfte wohl auch bis zum Beginn des neuen Schuljahres nach den Sommerferien noch nicht geklärt sein. Mit Ina Nölken, derzeit Stellvertreterin, weiß Harkenbusch ihre Schule aber in besten „kommissarischen“ Händen.
Dass der Abschied immer näher rückt, ist der gebürtigen Wuppertalerin durchaus bewusst. Sie verdrängt es nicht. Wie auch. „Es war alles irgendwie im Laufe des Schuljahres immer das letzte Mal“, sagt sie. „Die letzte Einschulung, das letzte Schulfest, die letzte Schulkonferenz und so weiter. Von daher realisiere ich das schon“, beschreibt Harkenbusch. Und jetzt – kurz vor der Pensionierung – hält sich die Gefühlslage die Waage. „Ich werde sicherlich ein paar Tränen verdrücken, wenn ich meinen Schlüssel abgebe. Aber gleichzeitig freue ich mich auch, wenn die Last vom Herzen fällt“, so Harkenbusch.
Denn ihren Job als Schulleiterin hat sie stets mit Hingabe gemacht, die Verantwortung war ihr immer bewusst, die Uhr spielte keine Rolle. „Die Arbeit musste weg. Ich kann das nicht haben, wenn ich noch so viel erledigen muss“, erklärt sie die ein oder andere späte Stunde im Büro in Rhynern. „Ich habe das Glück, dass meine Familie, vor allem mein Mann, dies so toll mitmacht.“
Keine „brillante Schülerin“
Dass sie Lehrerin werden wollte, war zum Ende ihrer Schulzeit klar. Nachdem sie in Göttingen aufgewachsen war, nahm ihr Vater die Stelle als Museumsdirektor in Hamm an. Die Familie zog nach Hamm, der Teenager Ursula hörte ihren Vater oft vor Publikum reden, was ihr bald helfen sollte, selbst frei vor mehreren Menschen sprechen zu können. Ihr Abi baute sie am Galli in Bockum-Hövel. „Ich war keine brillante Schülerin“, gibt sie zu. Aber das habe auch an den Lehrern gelegen. Sie war sich sicher, dass man diesen Job besser ausführen könne, und entschloss sich selbst, diesen Berufsweg einzuschlagen.
Da ihr der pädagogische Ansatz mehr lag, sollte es in Richtung Grundschule gehen. Sie studierte Deutsch und Musik, später kam katholische Religion dazu. Gute Jobaussichten gab es damals nicht. Sie entschied sich zunächst für die Familie, bekam zwei Töchter, ehe es wieder Richtung berufliche Laufbahn ging.
Nach dem Referendariat an der Matthias-Claudius-Schule in Hamm trat sie ihre erste Stelle an der Hellwegschule in Berge an. Mit zwei kleinen Kindern sei dies keine leichte Zeit gewesen. Mit der Erkenntnis, in einer Schule Verantwortung übernehmen zu wollen, wechselte sie als Konrektorin nach Westtünnen an die Dietrich-Bonhoeffer-Schule. Dort durfte sie viele Dinge auf den Weg bringen. Die Nachricht vom Tode des damaligen Rektors der Schule in Rhynern führte sie schließlich an die COS.
„Die Carl-Orff-Schule war alleine wegen der Außenstelle in Hilbeck sehr spannend“, beschreibt sie ihre ersten Eindrücke. In dieser kleinen Dorfschule schien die Zeit stehen geblieben zu sein. Aber es bedeutete auch viel Arbeit für sie, schließlich gab es stets die Diskussionen um die Auflösung des Standortes, was schließlich 2013 auch vollzogen wurde.
Kurz zuvor erlebte sie eine spannende Zeit in Rhynern – mit dem Umbau und der grundlegenden Renovierung des Schulgebäudes. Zwei Jahre lang unterrichteten die Lehrer auf einer Baustelle, zogen durch das Gebäude auf der Flucht vor dem Baulärm. „Das war nicht einfach. Aber es war auch eine tolle Chance. Denn wir wurden in die Gestaltung der neuen Räume stets mit eingebunden. “
Ausgeprägte Schulgemeinschaft
Schon hier zeigte sich die gute Zusammenarbeit des Kollegiums, was Harkenbusch sehr zu schätzen weiß. „Wir haben hier ein gutes Miteinander, alle Beteiligten, ob Kinder, Eltern, Lehrer und andere Mitarbeiter bringen sich sehr toll ein“, so Harkenbusch. Hier spiele auch der Ort eine besondere Rolle. Dabei steche besonders die sehr gute Zusammenarbeit mit den vier Kitas heraus. Viele gemeinsame Projekte gibt es.
Summasummarum kann sie behaupten, dass sie ihre Schule in einer richtig guten Verfassung übergebe. Sie werde sich sicherlich mal blicken lassen, mal „hallo sagen“, aber letztlich möchte sie mit dem Kapitel abschließen. „Ich würde vielleicht zu oft noch denken, man müsste etwas anders machen“, befürchtet sie, dass sie ihren Tatendrang nicht so leicht stoppen könnte.
Bienen und Musik als Hobbys
Den brauche sie ohnehin für die vielen anderen Dinge, die sie noch vorhat. Sie möchte weiter Niederländisch lernen, um bei den vielen Urlauben in Egmont am See fließend niederländisch sprechen zu können. Sie möchte mehr Sport treiben, Freunde treffen und das einjährige Enkelkind aufwachsen sehen.
Vorstellen könne sie sich, ihre Nebentätigkeit als Hochzeitsrednerin auszubauen, „vielleicht auch später als Trauerrednerin“. Als Schöffin beim Jugendgericht habe sie sich bereits beworben. Das Imkern und das Drechseln reize sie. Ach ja, ihre Liebe zur Musik dürfe auch nicht zu kurz kommen: Neben Blockflöte und Gitarre möchte sie auch Cello spielen lernen. Damit dürfte eins klar sein: Langeweile wird es im Leben der Rentnerin keine geben.

