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Wenn auf der Zeche Heinrich Robert das CreativRevier entstanden ist, steigt die Verkehrsbelastung an der Kamener Straße deutlich. Es gibt Ideen, wie sich darauf reagieren lässt.
Herringen/Pelkum – Neue Wohngebiete mit mehreren Hundert Wohneinheiten, Gewerbe- und Einzelhandelsflächen sowie Veranstaltungen: Mit der Entwicklung des CreativReviers Heinrich Robert in Hamm wird das Verkehrsaufkommen auf den umliegenden Straßen – vor allem auf der Kamener Straße und der Fangstraße – deutlich zunehmen. Für den Vollausbau im Jahr 2035 haben Gutachter eine Mehrbelastung von bis zu 8.000 Kfz-Fahrten pro Tag errechnet. „Zusätzlich werden etwa 3.750 Fahrten pro Tag mit dem Fahrrad erzeugt“, heißt es weiter. Insgesamt müssten dadurch rund 1 100 Kfz-Stellplätze sowie 2.646 Fahrradabstellplätze gebaut werden.
Deren Erstellung dürfte keine große Hürde darstellen. Das Problem liegt vielmehr woanders: Insbesondere die Kamener Straße mit durchschnittlich 18.600 Fahrzeugen am Tag ist schon jetzt stark belastet. Das hat zur Folge, dass an einigen Knotenpunkten Defizite hinsichtlich der Verkehrssicherheit vorliegen und ein Großteil der Knoten künftig den Verkehr „insbesondere in der Abendspitze nicht mehr leistungsfähig abwickeln kann“. Hier müsse nachgebessert werden, um eine mindestens ausreichende Leistungsfähigkeit zu erreichen, heißt es in einem Verkehrsgutachten. Nach Umsetzung dieser Maßnahmen bestünden aus verkehrstechnischer Sicht aber keine Bedenken gegen das Vorhaben mehr.
Gutachten: Am Einzelhandelszentrum sollen 3000 Fahrzeuge mehr unterwegs sein
In dem Gutachten wurden die Auswirkungen des Gesamtvorhabens konkret untersucht sowie die Leistungsfähigkeit der Straßen im Bestand und unter Berücksichtigung von Zusatzverkehren ermittelt und bewertet. In Höhe des geplanten Einzelhandelszentrums an der Kamener Straße werden bis zu 3.000 Fahrzeuge/Tag mehr erwartet, auf der Fangstraße sollen es bis zu 1.300 zusätzliche Fahrten/Tag sein.
Zudem ist im Bereich der Kamener Straße mit einem höheren Anteil an Rad- und Fußverkehr zu rechnen. Im Bestand seien bereits unterschiedliche Führungsformen des Radverkehrs sowie eine Mitteltrennung auf der Kamener Straße für den Fußverkehr vorhanden. Mit der angestrebten Geschwindigkeit von 30 Kilometern in der Stunde seien hier aktuell keine baulichen Änderungen notwendig, so das Fazit.
Gutachten: Wie lässt sich auf höhere Verkehrsbelastung eingehen?
Insgesamt wurden von den Gutachtern neun Knotenpunkte (KP) im Umfeld des CreativReviers untersucht. Für die Knotenpunkte Fangstraße/Goerallee, Kamener Straße/Robertstraße sowie Fangstraße/Stichstraße gegenüber der neuen Plangebietszufahrt sind keine Maßnahmen aufgeführt (KP 1, 3 und 8). Die werden aber für die sechs anderen Knotenpunkte angeregt. Ein Überblick:
- Kamener Straße/Fangstraße (KP2): Die Ampeln an Kamener Straße/Fangstraße könnte anders geschaltet werden. Die Grünzeit ließe sich umverteilen, die Anlagen sollen koordiniert geschaltet werden. „Darüber hinaus ist eine Verlängerung der Linksabbiegespur auf der Kamener Straße Richtung Fangstraße sinnvoll, um den Rückstau zu verringern.“ Bereits im Bestand könne hier mit einer verbesserten Ampelschaltung viel erreicht werden. Mit bis zu 2000 Fahrzeugen in der Stunde sei dieser Knotenpunkt am stärksten belastet.
- Kamener Straße/de-Wendel-Straße (Zufahrt Discounter, KP4): Hier empfehlen die Planer eine Grünfläche in der Mitte, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. „Für die Nebenrichtungen sollten ausschließlich die Fahrbeziehungen rechts-rein / rechts-raus freigegeben werden.“
- Einmündung Kamener Straße/Wielandstraße (KP5): Der Einmündungsbereich soll zu einem Vollknoten ausgebaut werden. Bislang gibt es dort nur eine Anforderungsampel für Fußgänger. Vorgeschlagen wird die Errichtung einer Ampel mit getrenntem Linksabbieger.
- Einmündung Kamener Straße/Weetfelder Straße (KP6): Die Ampelschaltung soll verändert werden, die Planer empfehlen einen Umlauf von 100 Sekunden. „Zudem ist eine zweite Fahrspur sinnvoll, um ein besseres Abfließen des Verkehrs zu ermöglichen.“ Schon im Bestand ließe sich durch eine verbesserte Schaltung viel erreichen.
- Zum Bergwerk/Kamener Straße (KP7): Mit Schließung der Zeche Heinrich Robert hat der Verkehr auf der Straße Zum Bergwerk deutlich nachgelassen. Mittelfristig wird aber ein Anstieg auf 3.200 Fahrzeuge am Tag erwartet. Daher empfehlen die Gutachter den Neubau beziehungsweise die Wiederinbetriebnahme der ehemaligen Ampel an der Kamener Straße. „Der freie Rechtsabbieger sollte entweder in die Signalisierung integriert werden oder die Dreiecksinsel zurückgebaut werden, um den Knotenpunkt für alle Verkehrsteilnehmenden sicher zu gestalten.“
- Große Werlstraße/Kamener Straße (KP9): Aufgrund von Verkehrssicherheitsaspekten ist die Errichtung einer Fußverkehrsschutzanlage westlich der Großen Werlstraße vorgesehen. Probleme gibt es hier aufgrund der Linksabbieger auf die Kamener Straße bereits jetzt.
Kamener Straße nicht überlasten: Nachhaltiger Verkehr soll gefördert werden
Mit dabei helfen, dass die Straßen im Umfeld des CreativReviers nicht überlastet werden, soll die Förderung der nachhaltigen Mobilität auf dem Gelände selbst. Im CreativRevier geplant sind unter anderem Mobilstationen mit Lastenradverleih oder Carsharing und Bushaltestellen. Diese sollten durch weitere Serviceangebote wie überdachte Abstellanlagen mit Verstaumöglichkeiten, Reparaturwerkzeug oder Infoboards mit Abfahrzeiten für den Nahverkehr ergänzt werden.
Info: Hier geht es zu den Plänen
Die vier Bebauungspläne, mit denen Planungsrecht geschaffen werden soll, und ihre Gutachten werden bis zum 23. Februar öffentlich ausgelegt. Einsehbar sind sie auch im Ratsinformationssystem der Stadt Hamm. Dort im Punkt „Recherche“ zum Beispiel nach CreativRevier suchen, die Bebauungspläne aufrufen. In der Begründung zu den Bebauungsplänen steht auf Seite 92 mehr über die zu erwartende Verkehrsbelastung. Bürger können sich zu den Plänen äußern.
