Reptilienbörse

„Wildtiere als Wühltischware“: Tierschutzorganisation kritisiert „Terraristika“ in Hamm

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Auf der „Terraristika“ wird auch mit exotischen Wildtieren wie Schlangen gehandelt. (Archivfoto)

Am kommenden Wochenende findet in den Zentralhallen Hamm mit der „Terraristika“ wieder Europas größte Reptilienbörse statt. Zum wiederholten Male gibt es im Vorfeld harte Kritik einer Tier- und Artenschutzorganisation.

Hamm - „Verpackt in Plastikdosen wandern hier wild gefangene Warane, junge Krokodile, tödlich giftige Schlangen, exotische Spinnen und vom Aussterben bedrohte Frösche über den Verkaufstisch. Die Folgen des florierenden Handels sind dramatisch“, schreibt die Tier- und Artenschutzorganisation Pro Wildlife in einer Mitteilung und fordert darin die Bundesregierung auf, den Wildtierhandel „endlich umfassend zu regulieren“.

Pro Wildlife zur „Terraristika“ in Hamm: „Wildtierhandel bedroht Arten“

Nach Angaben der Tierschützer nehme die Zahl von Wildtieren in Privathaltung in Deutschland seit einigen Jahren beständig zu. Doch anders als zum Beispiel bei Hunden oder Katzen, gehe die Privathaltung von exotischen Wildtieren nicht nur mit Tierschutzproblemen einher, sondern habe auch verheerende Folgen für den Artenschutz, heißt es weiter. Denn „je seltener eine Art, je stärker vom Aussterben bedroht, desto höher sei der Preis“.

So erfreuten sich seltene, neu entdeckte und national geschützte Arten auf der „Terraristika“, besonders großer Beliebtheit. „Der Fang von Wildtieren für die Heimtierhaltung in Deutschland stellt eine immense Bedrohung für immer mehr Arten dar. Ganze Gebiete werden systematisch leer gesammelt, um die Nachfrage hierzulande zu befriedigen“, sagt Biologin Katharina Lameter von Pro Wildlife.

Tierschützer kritisieren Verkauf und Haltung von Reptilien: „Wildtiere als Wühltischware“

Angeboten werden die Tiere auf Reptilienbörsen wie der „Terraristika“ verpackt in kleine Plastikboxen. „Zu Tausenden reihen sie sich auf den Tischen aneinander und stapeln sich in Styroporboxen und Stoffbeuteln darunter“, heißt es in der Mitteilung. „Dies bedeutete für die scheuen Wildtiere erheblichen Stress, sie versuchen verzweifelt zu entkommen oder sich zu verstecken“, erklärt Lameter. Besonders dramatisch aus ihrer Sicht: Da die Händler und Kunden aus aller Welt anreisen, seien die Tiere oft über mehrere Tage in den kleinen Boxen eingesperrt. Nicht alle überleben diese Tortur.

Vor einigen Jahren sorgte die aufwändige Suche nach einer hochgiftigen Monokelkobra, die ein junger Mann kurz zuvor in Hamm erworben hatte, bundesweit für Schlagzeilen. Mittlerweile hat Nordrhein-Westfalen ein Gifttiergesetz, das die Haltung von hochgiftigen Tieren grundsätzlich verbietet, „doch zu kaufen gibt es sie auf der „Terraristika“ noch immer“, kritisiert Pro Wildlife.

Auch in einschlägigen Internetforen verabredeten sich Händler und ihre Kundschaft zur Übergabe von Kobras und Klapperschlangen in Hamm, abseits des offiziellen Börsengeschehens auf einem Parkplatz oder einem anderen öffentlichen Ort. „Diese Transaktionen entziehen sich jeglicher Kontrolle“, berichtet die Pro Wildlife Sprecherin.

„Terraristika“ in Hamm: Tierschützer fordern umfassende Regelungen

Angesichts der zahlreichen Probleme, die mit dem Handel von Wildtieren verbunden sind, fordert Pro Wildlife von der Bundesregierung im Rahmen der Novellierung des Tierschutzgesetzes endlich weitgehende und rechtsverbindliche Maßnahmen zu ergreifen. „Wildtiere sind keine Flohmarktware, der Verkauf auf Börsen muss endlich im Sinne des Tier- und Artenschutzes beschränkt werden“, fordert Lameter. Zudem sieht der Verein die Einführung einer Positivliste, die regelt, welche Tiere von Privatpersonen gehalten werden können, als unumgänglich an. Ihren Ruf wiederholt die Organisation seit Jahren im Vorfeld der alle drei Monate stattfindenden Terraristika.

Kritik an Terraristika: Veranstalter weist Vorwürfe zurück

Der Veranstalter der „Terraristika“ weist die Vorwürfe der Tierschutzorganisation seit Jahren zurück. In einem Statement auf der Internetseite der Veranstaltung heißt es unter anderem: „Seit vielen Jahren versucht „Pro Wildlife“ immer wieder, sich in Gegnerschaft zur Terraristika zu profilieren, bereits im Jahr 2000 hat der Verein erfolglos versucht, die Durchführung der Börse durch eine Petition an den Landtag von NRW zu verhindern. Diese Gegnerschaft erweckt inzwischen den Eindruck einer persönlich motivierten Auseinandersetzung, zumal der Terraristika durch zahlreiche Fachleute, Behördenvertreter und Politiker immer wieder bestätigt wurde, regelkonform und verantwortungsbewusst zu arbeiten.“

Zu den Vorwürfen illegaler Transaktionen auf Parkplätzen schreibt der Veranstalter: „Ein Handel rund um die Messehallen muss keineswegs illegal sein. Im Gegenteil – viele Halter/Züchter treffen sich in Hamm, klären aber schon vor der Börse, wer welche Tiere von Hobbykollegen übernimmt. Ein solcher Austausch kann dann selbstverständlich auch auf dem Parkplatz und erst recht im Hotelzimmer stattfinden, dagegen ist weder rechtlich noch ethisch etwas zu sagen. Wir haben dagegen den Verdacht, dass „Pro Wildlife“ bei jeder Styroporkiste, die in Hamm in einen Kofferraum gestellt wird, sofort illegale Aktivitäten unterstellt. Bei umfangreichen Kontrollen durch Zoll, Polizei und andere Behörden im Umfeld der Terraristika, zu denen es in der Vergangenheit immer wieder gekommen ist, mit teils großem Aufgebot, ist kein einziger gravierender Verstoß festgestellt worden.“ 

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