VonCedric Sporkertschließen
Anders als geplant, siedelt sich in Hamm doch kein großer Maskenproduzent an. Die Stadt kam ihm beim Kauf des prominent gewählten Standortes zuvor.
Hamm – Hamm als Zentrum der Maskenproduktion in Europa etablieren, 100 neue Mitarbeiter einstellen und 100 Wohnungen in unmittelbarer Nähe des Flugplatzes bauen: Das waren die ehrgeizigen Ziele, mit denen die Firma LaVie Medi-Care eG im März an die Öffentlichkeit ging. Das Vorhaben ist nun geplatzt. Stattdessen hat die Stadt den ehemaligen Leithäuser-Standort gekauft und will ihn „einer höherwertigen städtebaulichen Nutzung zuführen“.
LaVie spricht von unterschriftsreifen Verträgen
LaVie Medi-Care – erst 2020 gegründet und noch immer in Offenbach ansässig – hatte im Frühjahr dem WA gegenüber erklärt, in Hamm rund um die Uhr Schutzmasken und andere medizinische Bekleidung produzieren zu wollen. In dieser Woche erklärte Vorstandsmitglied Nina Helmel nun, dass sich das Projekt komplett erledigt habe.
Dabei sei fast alles unter Dach und Fach gewesen. „Wir hatten schon einen Notartermin und standen kurz vor der Unterschrift“, sagt Helmel. Dann sei die Stadt gekommen und habe das Grundstück gekauft. Dabei hätten Stadt und Wirtschaftsförderung die Ansiedlung von LaVie Medi-Care zuvor wohlwollend begleitet. Das Gebaren sei für Helmel nicht nachvollziehbar.
Helmel: Pläne waren fertig, Bewerbungsgespräche geführt
Die verpasste Ansiedlung in Hamm sei zudem „richtig ärgerlich“, weil für die Firma bereits nicht unerhebliche Kosten entstanden seien. Ein beauftragter Architekt habe die Pläne für den Umbau der Immobilie und die geplanten 100 teils geförderten Wohnungen fertig gehabt. Auch dieses Projekt sei nun vom Tisch. Helmel selbst sei schon auf der Suche nach einem Haus vor Ort gewesen und habe bereits Bewerbungsgespräche mit potenziellen Mitarbeitern geführt.
Angesichts der geopolitischen Lage gebe es aktuell Überlegungen, die Firma in die Emirate auszulagern, genauer nach Dubai, erklärt Helmel. „Die Strompreise liegen dort bei einem Zehntel derer in Europa, die Arbeitskräfte kosten weniger als ein Viertel.“ Die Expansion sei nach wie vor dringend nötig. Aktuell beschäftige der Maskenproduzent rund 20 Mitarbeiter, Arbeit gebe es aber nach wie vor für 120.
Bestehende Gebäude sollen komplett abgerissen werden
Was am Standort an der Seeburger/Ecke Heessener Straße künftig entstehen wird, ist noch weitgehend unklar. Die Stadt Hamm teilte auf Anfrage lediglich mit, das brachliegende Gesamtgrundstück Leithäuser im Spätsommer im freien Verkauf erworben zu haben.
Über den Kaufpreis und eine mögliche Beteiligung der Stadtentwicklungsgesellschaft wurden keine Angaben gemacht. Vage blieb auch, was mit einer „höherwertigen städtebaulichen Nutzung“ gemeint ist. Vorgesehen sei derzeit ein Abriss der bestehenden Gebäude und eine anschließende Neubebauung des 23.600 Quadratmeter großen Grundstücks. „Derzeit werden mögliche Nachnutzungen ausgelotet und erarbeitet“, teilte Stadtsprecher Tom Herberg mit.
Wie es für den Herrenausstatter Benvenuto weitergeht, der nach der Übernahme durch die Kaiser Bekleidungs-GmbH 2021 als Pächter von Teilen der Immobilien verblieb, war noch nicht in Erfahrung zu bringen.
