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Nach sieben Jahren Prozess steht jetzt fest: Die Musikschule wird saniert, und die Architekten müssen dafür zahlen. Im kommenden Jahr sollen die Bauschäden beseitigt werden.
Hamm – Die Musikschule in Hamm soll ab dem kommenden Jahr für 1,2 Millionen Euro saniert werden. Zahlen muss nicht die Stadt, sondern das Architekturbüro, dem vom Oberlandesgericht die Verantwortung für die Schäden an dem Vorzeigebau zugewiesen wurde. Stadt und Architekten hatten jahrelang über den Fall prozessiert.
Die Musikschule galt als Schmuckstück, als sie 2012 eingeweiht wurde. Ein Stuttgarter Architekturbüro hatte dem in die Jahre gekommenen 1970er-Jahre-Bau eine schicke neue Hülle übergestülpt. Architekturkritiker waren genauso angetan wie die Musiklehrer und ihre Schüler.
Schäden zeigten sich zwei Jahre nach Eröffnung
Zwei Jahre später zeigten sich allerdings Bauschäden; unter anderem in Form von Flecken und Rissen in der Fassade. Ein falsch angebrachtes Wärmeverbundsystem sollte ein Gutachter später als Schadensursache ausmachen. Aber wen sollte man dafür verantwortlich machen?
Die ostdeutsche Baufirma, die an der Musikschule gearbeitet hatte, war bereits insolvent, als die Schäden auffielen. Die Stadt hielt sich stattdessen an die Architekten, die auch die örtliche Bauleitung innegehabt hatten. Als das Büro eine Zahlungsaufforderung ignorierte, zog die Stadt vor Gericht.
Prozess in Dortmund begann 2015
2015 begann ein Verfahren am Dortmunder Landgericht, das sich bis 2022 hinzog – nicht zuletzt, weil die zuständige Kammer wegen anderer Verfahren zwischenzeitlich überlastet war. Die Richter entschieden letztlich zugunsten der Stadt; auch weil der Gutachter Planungs- und Überwachungsfehler feststellte.
Gegen das Urteil strebten die Architekten zwar ein Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht Hamm an, sie akzeptierten die Dortmunder Entscheidung im Herbst 2022 dann aber doch.
Sanierung soll 2024 beginnen
Bei der Stadt hat man die konkreten Arbeiten seitdem vorbereitet. Die Planungsleistungen für die Fassadensanierung seien inzwischen vergeben, sagte Stadtsprecher Tom Herberg. Ein Büro aus Würzburg habe die Arbeiten bereits aufgenommen und erfasse gerade den Bestand. Bis Ende Oktober sollen demnach die Entwurfsplanung stehen und die Zeitpläne konkretisiert werden. Ein grober Zeitplan sieht Herberg zufolge vor, dass im Frühjahr 2024 – im April oder Mai – mit der Sanierung begonnen werden kann. Die geplante Bauzeit betrage rund neun Monate, sagte der Stadtsprecher. Die Sanierung solle im laufenden Betrieb stattfinden.
Sobald der Stadt die Entwurfsplanung vorliege, so Herberg weiter, werde man sich eng mit der Musikschule abstimmen um die Beeinträchtigungen möglichst gering zu halten.
Stadt rechnet mit Kosten von 1,2 Millionen Euro
Die Kosten schätzt man bei der Stadt auf rund 1,2 Millionen Euro. Sollte die Summe nachweislich über der Zahlung der Versicherung liegen, müsste die Versicherung nachzahlen, so Herberg. Läge die Summe darunter, müsste die Stadt zurückzahlen. Eine erste gesicherte Kostenberechnung solle Abschluss der Entwurfsplanung Ende Oktober oder Anfang November vorliegen.