Erstes orientalisches Einkaufszentrum in Deutschland

Shoppingcenter steht seit über zehn Jahren leer – jetzt gibt es Pläne für die Zukunft

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Auf dem Hansa-Center-Gelände soll ein orientalisches Zentrum entstehen.
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Investoren wollen die leerstehende Fläche im Herzen von Bottrop wiederbeleben. Im Gespräch verraten sie ihre Pläne für das „Merhaba im Hansa Center“.

Bottrop – „Wir schaffen das erste orientalische Einkaufszentrum in Deutschland, vielleicht sogar in Europa“, beschreibt Philipp Schulte im Gespräch mit wa.de die große Vision. Bis Ende des Jahres 2024 wollen die Schulte Holding und die Düsseldorfer Projektentwicklungsfirma SI&AM die Immobilie im Zentrum von Bottrop wiederbelebt haben, mit dem „Merhaba im Hansa Center“.

Hansa Center in Bottrop soll wiederbelebt werden: Investoren erklären Pläne

Seit über zehn Jahren steht das Shoppingcenter in der Innenstadt leer. Pläne, das Gebäude zu revitalisieren, waren mehrfach gescheitert und endeten im November 2022 mit der Insolvenz des Voreigentümers. „Am Montag (27. März, d.Red.) haben wir einen Sitzungsmarathon absolviert, um alle beteiligten Parteien einzuweihen“, erklärt Arno Welskopf, Geschäftsführer des Immobilienanlage-Unternehmens SI&AM. Wenn alles glattläuft, sollen Kunden im Hansa Center in weniger als zwei Jahren unter anderem einen Basar mit orientalischen Lebensmitteln, Geschäfte für Hochzeitsmode, Juweliere und arabische Gastronomie finden. Auch einen Spa-Bereich samt Hamam haben die Investoren vorgesehen.

Die Pläne für das „Merhaba im Hansa Center“

Soll „erstes orientalisches Einkaufszentrum Deutschlands“ werden

Vorgesehene Attraktionen: Event-Saal, Spa-Bereich, Basar

Geplante Eröffnung: Ende des Jahres 2024

„Das klassische Konzept für ein Einkaufszentrum funktioniert einfach nicht mehr“, sagt Philipp Schulte bestimmt, „das Zentrum selbst muss die Attraktion sein. Man trete an, um mit dem „Merhaba“ einen „Ort der Integration für Muslime und Nicht-Muslime“ zu schaffen. Der große Veranstaltungssaal im Obergeschoss soll deshalb allen offen stehen. „Wir hoffen, dass sich hier etwa auch der Gesangsverein einbucht“, pflichtet Arno Welskopf im Gespräch mit wa.de bei.

Investor verspricht Sicherheitskonzept für Hochzeitsevents: „Paare müssen Kaution hinterlegen“

Dass der Eventsaal für bis zu 600 Personen für Großhochzeiten genutzt werden könnte, hatte bei einigen Bottroper Bürgern zunächst zu Verunsicherung geführt. In der Vergangenheit war es bei derart dimensionierten Feiern wiederholt zu Polizeieinsätzen in Nordrhein-Westfalen gekommen. Im Jahr 2021 ging in Bielefeld ein Mann gar auf Einsatzkräfte los. „Natürlich haben wir ein Sicherheitskonzept entwickelt“, beschwichtigt Schulte. „Hochzeitspaare müssen eine Kaution hinterlegen und bekommen diese auch nicht zurück, wenn mit ihrer Feier ein Verkehrschaos einhergeht.“

Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler nimmt Sorgen ernst, die in Verbindung mit den Plänen für ein orientalisches Einkaufszentrum in der Innenstadt entstehen könnten. „Die Realität in der Stadt ist allerdings, dass in Bottrop viele Menschen mit Migrationshintergrund leben. Dies ist ein Ausdruck des Wandels in der City“, wird der SPD-Politiker in einer städtischen Mitteilung zitiert. Die Stadt wünsche sich ein „weltoffenes, integratives Angebot, das noch weiter in Richtung der Stadt geöffnet wird“. Ob sich sämtliche Punkte des derzeit entstehenden Bebauungsplans auch umsetzen lassen, müsse jedoch geprüft werden. Ohnehin sei eine „breite Diskussion“ über das geplante Konzept nötig.

Integrationsvision für das „Merhaba“ – „Austausch in einem Einkaufszentrum leichter“

Den Investoren schwebt vor, mit dem „Merhaba im Hansa Center“ Türen zu öffnen und Vorurteile abzubauen. „Viele nicht-muslimische Menschen haben womöglich Hemmungen, eine Moschee zu betreten. In einem Einkaufszentrum ist der Austausch leichter möglich“, sagt Philipp Schulte.

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