Imbiss

„Harry‘s Grill“ in Warstein schließt am 15. Dezember

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Harry Meuth und seine Angestellte Christina hinter der Theke seines Kult-Imbisses. Ende dieses Jahres wird er schließen, nach einem möglichen Nachfolger hat er erst gar nicht gesucht. Denn der Imbiss müsste vermutlich komplett umgebaut und saniert werden.
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Harry Meuth und sein Grill-Imbiss am Warsteiner Ulmenweg sind Kult. Doch Ende 2024 ist Schluss. Eine Geschichte über besondere Kunden, Mantaplatten, Motorräder und Smaragde in Österreich.

Warstein – Auf seinem Personalausweis heißt er Harald. „Aber ich war schon immer Harry. Und mit den Leuten sowieso per Du. Mit jedem hier.“ Das wird er auch bleiben. Auch über den 15. Dezember dieses Jahres hinaus. Dem Tag, an dem Meuth zum letzten Mal „Harry’s Grill“ öffnen wird. Seinen Grill. „Irgendwann ist die Zeit gekommen, ich habe das hier 26 Jahre lang gemacht. Es hat immer Spaß gemacht, aber auch viel Zeit gekostet“, sagt Harald Meuth, der am 30. November, gut zwei Wochen vor der Schließung, 62 Jahre alt wird. Auch wenn Wehmut dabei sein wird, denn: „Hier war alles immer familiär. Und irgendwie kultig.“

Mit „familiär“ und „kultig“ lässt sich auch der Weg beschreiben, wie Harry Meuth und sein Grill-Imbiss zusammenfanden: „Ich war erst auf der AEG, dann bei der Bundeswehr und dann 14 Jahre bei den Warsteiner Gummirungswerken, jetzt ‘Tip Top’. Und dann habe ich das hier wieder aufgemacht.“ Wieder, weil zuvor schon Meuths Mutter Elma den Imbiss führte – seinerzeit noch unter dem Namen „Grillstube“: „Der Anbau wurde 1967 an das Haus gebaut und war früher ein Lebensmittelgeschäft, so ein Tante-Emma-Laden. ‘Vivo’ hieß die Kette.“ Aus ihrem Laden machte Elma Meuth – die Abkürzung für Elisabeth-Maria – den Imbiss, führte ihn sieben Jahre bis 1983. Und dann war 15 Jahre zu. „Hier habe ich dann zwischenzeitlich Motorräder drin repariert mit meinem Cousin zusammen und solche Geschichten. Hier war immer was los“, erinnert sich Meuth lachend. „Ich hatte auf die Gummibude da unten keine Lust mehr, da hatte auch das Arbeitsklima nachgelassen.“ Meuth renovierte den Imbiss und kündigte im Puddelhammer. 1998 öffnete „Harry’s Grill“.

Besonderes Flair eines echten Grill-Imbisses

Eine gastronomische Ausbildung hat Meuth nicht. Hat er nie gehabt. „Ich bin Hobbykoch, ich koche einfach gerne. Und meine Mutter hatte noch die Rezepte für die ganzen Soßen, sie hat mich quasi angelernt.“ Die Speisekarte brachte Meuth dann selber auf Vordermann: „Zu Zeiten meiner Mutter gab es hier zum Beispiel ein Schnitzel, ‘Krüstchen’ hieß das, mit Sauce Hollandaise, Spargel und Pilzen. Aber das war viel zu arbeitsintensiv.“ Stattdessen schrieb er Burger und holländische Speisen auf die Karte: „Gerade die großen Burger wurden der Renner. Aber die Mantaplatte läuft am besten.“ Auch seine Pommes sind weit über Warstein hinaus beliebt. „Eigentlich verrückt, Pommes zu machen ist kein Hexenwerk“, sagt Meuth. Aber es sei auch das Drumherum auf den wenigen Quadratmetern am Ulmenweg. Das besondere Flair eines echten Grill-Imbisses.

Etliche Mineralien hat Harry Meuth bereits gesammelt, viele liegen in seiner Wohnzimmer-Vitrine. Nach der Imbiss-Zeit sollen, wenn es nach ihm geht, weitere hinzukommen.

„Der Dialog mit den Kunden, das war immer schön. Ich freue mich auf die Freizeit, werde aber auch die Leute vermissen. Man hat seine Stammgäste, viele kommen immer um die gleiche Uhrzeit“, so Meuth: „Man kriegt hier auch alles mit. Ein Kunde zum Beispiel, der kommt seit Jahren und sagt immer beim Bezahlen: ‘Mach es nicht so teuer, ich bin arm.’ Der gibt dann aber immer Trinkgeld und sagt dann, ich solle aber nicht alles auf einmal ausgeben.“

Keine Nachfolgeregelung angestrebt

Doch in den Jahren ist viel Privatleben, sind viele Hobbys auf der Strecke geblieben. „Man steht jeden Abend bis 23 Uhr hier hinter, auch freitags, samstags, sonntags. Und morgens stehe ich um 5.45 Uhr wieder auf.“ Das Reisen, vor allem aber die Mineralien-Sammlung und die Geologie sind große Leidenschaften von Meuth: „Das ist zu kurz gekommen, das will ich nachholen.“ An eine Nachfolgeregelung für seinen Grill-Imbiss habe Meuth nie gedacht. Das sei auch schwierig geworden. Nicht nur, weil sein Wohnzimmer direkt an den Imbiss anschließt: „Hier gibt es auch keine Toilette. Würde ich das Gewerbe abmelden und jemand anderes meldet es wieder an, dann gäbe es ganz andere Auflagen als früher zu erfüllen, zum Beispiel in Sachen Brandschutz. Meine Tür geht zum Beispiel nach innen auf, das gibt es sonst in der Gastronomie überhaupt nicht mehr und wird glaube ich auch nicht mehr zugelassen.“

Nach dem 15. Dezember, nach der Schließung, will Meuth „erstmal weg“. Wohin? „Ich weiß es noch nicht, vielleicht Richtung Spanien. Aber ich werde viel unterwegs sein.“ Als Mineraliensammler sei einer seiner Träume, in Österreich Smaragde zu suchen: „Und den Kilimandscharo zu besteigen, das ist auch so ein Traum. Ich habe viel vor...“

Und wenn er dann mal wieder Zuhause ist, geht es auch mal in die alten Imbissräume. Zum Motorrad-Schrauben? „Ja, ich glaube das könnte passieren“, sagt Harry Meuth lachend. Originell, authentisch, sympathisch. So wie ihn viele Warsteinerinnen und Warstein kennengelernt haben.

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