Pollenallergiker haben es gerade besonders schwer. Der Hammer Allergologe Johannes Jeßberger spricht im WA-Interview Therapien gegen das Naselaufen.
Hamm – Juckende und tränende Augen, verstopfte Nase, Niesanfälle – das sind die ersten Symptome einer Pollenallergie. Für viele Allergiker bedeutet das eine Einschränkung im Alltag. Mit Beginn der Pollensaison wenden sich Betroffene daher an ihren Arzt, so auch an Dr. Johannes Jeßberger, Kinder- und Jugendmediziner mit einem Schwerpunkt auf Allergologie.
„Mit dem Frühblüher Haselnuss beginnt jedes Jahr das Leiden einiger Allergiker. Die ersten Pollen fliegen bereits Anfang Dezember. Im vergangenen Jahr traten sie um Weihnachten herum auf“, sagt Jeßberger. Ab dem Beginn der Saison verrät ein Blick in den Pollenflugkalender, wann welche Pollen in der Luft sind. Der Zeitraum erstrecke sich fast über das gesamte Jahr. Einige Gräserpollen seien sogar bis Mitte November aktiv. „Patienten, die auf mehrere Pollenarten allergisch reagieren, können deshalb fast das gesamte Jahr über betroffen sein“, erklärt Jeßberger.
Tipps für Betroffene
Welche Pollenarten in Hamm besonders vertreten sind, lasse sich laut Jeßberger jedoch örtlich nicht eingrenzen, da es sich bei Pollen um Aeroallergene handelt. Das bedeutet: Die Substanzen, auf die Allergiker reagieren, werden mit dem Wind verbreitet. Deshalb rät Jeßberger den Betroffenen dazu, ihre Fenster tagsüber geschlossen zu halten. Eine weitverbreitete Annahme ist, dass die Anzahl der Pollenallergiker in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Jeßberger sagt dazu: „Ob die Anzahl der Pollenallergiker angestiegen ist, kann ich nicht einfach so beantworten, da ich tagtäglich mit den Patienten zu tun habe.“
Wenn Patienten mit den Symptomen eines Heuschnupfens in die Praxis kommen, müsse zuerst immer ein möglicher Infekt ausgeschlossen werden. Ist dies der Fall, wird eine Anamnese gestellt. Der Arzt erfragt die Beschwerden und Symptome des Patienten. Darauf folgen die Untersuchung und die anschließende Behandlung. Diese erfolgt erst einmal symptomatisch, um die Beschwerden der Patienten unmittelbar zu lindern.
So wird eine Allergie festgestellt
Mithilfe eines Pricktests kann anschließend herausgefunden werden, gegen welche Pollenart der Patient allergisch ist. Dazu werden Substanzen in Tröpfchenform auf die Haut geträufelt und anschließend mit einer feinen Nadel in die Haut eingestochen. Nach einer Einwirkzeit werden die Reaktionen auf die verschiedenen Allergene abgelesen.
Sobald bei einem Patienten eine Pollenallergie diagnostiziert wurde, stehen verschiedene Therapiemethoden zur Verfügung. Eine davon ist die medikamentöse Methode. Die Symptome der Allergiker werden mithilfe von Tabletten, Sprays und lokal angewendeten Tropfen für die Augen oder die Nase gelindert.
Außerdem gibt es die Desensibilierung, auch Hyposensibilisierung genannt. Diese Therapie wird zum Beispiel dann gewählt, wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum besonders intensiv sind oder die Heuschnupfensymptome die „Etage wechseln“ und somit in Verbindung mit Husten auftreten. Gegenüber der medikamentösen Behandlung setzt diese bei der Ursache an. Jeßberger erklärt: „Bei der Desensibilisierung bringt man dem Immunsystem sozusagen bei, das Allergen zu akzeptieren, sodass bei dem Patienten keine allergische Reaktion mehr auftritt.“
Allergien können therapiert werden
Vor Beginn der Therapie wird eine nasale Provokation durchgeführt. Der zuständige Arzt spritzt die verschiedenen Allergene in die Nase des Patienten. Je nachdem, wie der Patient auf diese reagiert, können die im Vorhinein aufgestellte Hypothese und das Ergebnis des Pricktests nachgewiesen werden. Zudem lässt sich so das Hauptallergen des Patienten bestimmen, woran die Behandlung im Rahmen der Desensibilisierung anknüpft.
Innerhalb der Therapiemethode gibt es zwei verschiedene Verfahren. Zum einen kann das Allergen sublingual verabreicht werden. Das heißt, die Patienten nehmen täglich eigenständig Tabletten ein. Diese sind je nach Allergen ab einem Alter von 6, 12 oder 18 Jahren zugelassen. Der sogenannte „Goldstandard“ ist laut Jeßberger allerdings das subkutane Verfahren. Das Allergen wird mithilfe von regelmäßigen Spritzen verabreicht. Diese Injektionen muss der zuständige Arzt durchführen. Zugelassen sind sie ab fünf Jahren. In der Regel dauert jedes Verfahren der Desensibilisierung insgesamt dreieinhalb Jahre.
Nach Abschluss der Therapie seien die Patienten für etwa zehn Jahre von den Symptomen befreit. Jeßberger sagt jedoch: „Die Praxis zeigt, dass die Patienten häufig viel länger Ruhe haben“. Dabei sei die Erfolgsquote gerade bei Kindern und Jugendlichen besonders hoch, da das Immunsystem in diesem Alter noch besser beeinflussbar ist.
Allerdings berichtet Jeßberger von Fällen, bei denen die Pollendesensibilisierung nicht erfolgreich ist. Die praktische Erfahrung habe gezeigt, dass diese Patienten oftmals auch an einer Hausstaubmilbenallergie leiden. Die Milben treten ganzjährlich in der häuslichen Umgebung auf. Die Allergiesymptome sind ähnlich zu denen, die durch eine Pollenallergie ausgelöst werden. „Manchmal muss man in der Allergologie einfach um die Ecke denken“, so Jeßberger.
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