Wärmepumpe statt Klimakiller

Experten aus Hamm zu neuen Heizungen: „Brauchen mehr Zeit!“

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Jetzt noch schnell eine Öl- oder Gas-Heizung einbauen lassen? Oder doch lieber in eine umweltfreundlichere, aber teurere Wärmepumpe investieren? So sehen Experten in Hamm die aktuelle Herausforderung.

Hamm - Das Gesetzentwurf der Bundesregierung schränkt den Entscheidungsspielraum für die Bürger ab 2024 stark ein, denn ab dann sollen nur noch neue Heizungen eingebaut werden, die zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Entgegen ursprünglicher Pläne soll es für bestehende Öl- und Gasheizungen keinen definierten Endpunkt für den Betrieb geben und defekte Anlagen dürfen repariert werden.

Experten aus Hamm zu neuen Heizungen: „Brauchen mehr Zeit!“

Dass es im Heizungssektor so kommen wird, war für Ulrich Grommes absehbar. „Wir kennen diese Entwicklung schon länger“, sagt der Obermeister der Handwerksinnung für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik in Hamm. Grommes findet diese Entwicklung des Wärmemarktes gut und unterstützt sie auch, dennoch hat er Kritik: „Die Umsetzung ist sehr kurzfristig angesetzt. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn wir etwas mehr Zeit hätten.“

Er führt drei Gründe an: Zum einen seien vor allem Wärmepumpen aktuell nur eingeschränkt verfügbar; Lieferzeiten würden zwischen acht und zehn Monaten betragen. Zum anderen sei das gesamte Bauhandwerk „mehr als ausgelastet“. Und zum Dritten hätte Grommes gerne auf die neuen Hochtemperatur-Wärmepumpen gewartet, deren Entwicklung aber wohl noch zwei bis drei Jahre dauern werde. Denn mit ihnen können hohe Heiz- und Brauchwassertemperaturen erzeugt beziehungsweise Wärmequellen mit hohen Temperaturen genutzt werden.

Grommes sieht auch, dass die höheren Anschaffungskosten für energieeffiziente Heizungen manchen Bürger abschrecken könnten. Der Obermeister rechnet vor: „Wenn wir über ein normales Einfamilienhaus reden, kostet eine klassische Gasheizung mit Kesselspeicher heute rund 10.000 Euro.“ Die Investition in eine Wärmepumpe beginne bei rund 30.000 Euro. Allerdings gibt er zu bedenken, dass deren Anschaffung vom Bund mit bis zu 35 Prozent gefördert wird. Nicht zuletzt wegen dieser Kosten vermutet er, dass Reparaturen „ein enormes Thema“ werden: „Viele Kunden werden versuchen, ihre alte Heizung zu erhalten. Das ist aber kontraproduktiv, denn wir wollen ja energetisch hervorragende Heizungen betreiben und nicht die alten ,Gurken‘ am Leben erhalten.“ Dazu rät auch die Verbraucherzentrale NRW, wie wa.de bereits berichtete.

Neue Heizungen in Hamm: „Nicht die alten ,Gurken‘ am Leben erhalten“

Ebenfalls kontraproduktiv sei es, dass viele Kunden sich ausgerechnet jetzt noch eine Gasheizung einbauen lassen wollen und sagen: „Dann habe ich erstmal für 20 Jahre Ruhe.“ Dabei bleibe unberücksichtigt, dass der Gaspreis – ebenso wie der Ölpreis – vermutlich weiter steigen wird. Bestandskunden hätten nun einmal – dem Standard früherer Jahre entsprechend - vor allem Öl- und Gasheizungen. Erst im vergangenen Jahr habe es die ersten gegeben, die sich im Altbau für den Einbau einer Wärmepumpe entschieden hätten. In Neubauten dagegen würden schon seit Jahren nur noch Wärmepumpen installiert.

Möbel, Kühlschränke, Beleuchtung: Sieben Tipps, um in den eigenen vier Wänden Strom zu sparen 

Paar wechselt Glühbirne
Energiesparlampen verbrauchen bis zu 80 Prozent weniger Strom als herkömmliche Glühbirnen. Zusätzlich können sie im Flur, im Keller oder anderen Räumen, die nicht so oft durchquert werden, einen Bewegungsmelder installieren. Der sorgt dann für Licht, wenn es nötig ist.  © marcus/Imago
Eine Frau duscht.
Im Winter ist ein Vollbad etwas Herrliches, der Wasserverbrauch ist aber hoch und das geht ins Geld. Duschen geht schneller und verbraucht dreimal weniger. Allerdings nur, wenn wir weniger als fünf Minuten unter der Dusche verbringen. Und: beim Einseifen das Wasser besser abstellen.  © Lightpoet/Imago
Küche mit Kühlschrank
Kühl- und Gefriergeräte gehören zu den größten Stromfressern im Haushalt. Am besten sind Kühlschränke mit einer Energieeffizienzklasse A+++. Zudem sollte er nicht zu nah am Herd oder anderen Wärmequellen stellen. Ansonsten muss er mehr Strom verbrauchen, um die Temperatur zu halten. Das Gefrierfach sollte zudem ein- bis zweimal im Jahr abgetaut werden.  © Pro Creators/Imago
Eine Hand hält eine Fernsehbedienung.
Ihr Fernseher ist ständig auf Stand-by? Dann schalten Sie über Nacht besser aus. Das zieht viel Strom und das kostet. Dann sparen Sie sich viel Geld im dreistelligen Bereich.  © Patrick Daxenbichler/Imago
Person räumt Geschirrspüler aus.
Geschirrspüler sind so schön praktisch und verbrauchen sogar weniger als das Spülen von Hand. Aber nur, wenn man den Geschirrspüler immer voll belädt und das Geschirr nicht mit der Hand vorspült. Die Energieeffizienzklasse ist genauso wichtig zu beachten wie das Wählen von Energiespar- und Kurzprogrammen.  © Ute Grabowsky/Imago
Ein Wohnzimmer
Größere Möbel wie Sofas oder Schränke sollten Sie nie zu nah an die Außenwände schieben. Je näher es an der Wand steht, desto stärker sinkt die Wandtemperatur. Die Folge kann Feuchtigkeit und Schimmel sein. Optimal ist daher ein Abstand von fünf bis zehn Zentimetern.  © Pro Creators/Imago
Ein Mann wärmt eine Mahlzeit in einer Mikrowelle auf.
Speisen sind schnell in der Mikrowelle aufgewärmt. Zudem ist sie sparsamer, was den Energieverbrauch angeht, als der Herd. Deshalb kann sie in der kalten Jahreszeit gerne öfters in Gebrauch sein.  © Monkey Business 2/Imago

Weil aber auch Strom, der für den Betrieb von Wärmepumpen notwendig ist, deutlich teurer geworden ist, mache es ihm unmöglich zu kalkulieren, wann sich die eine oder die andere Heizung amortisiert: „Im Augenblick kann ja niemand verlässlich etwas zu den Energiepreisen sagen.“ Keine Rolle spielt laut Obermeister zurzeit die im Gesetzentwurf angesprochene Beimischung mit Wasserstoff, weil der schlicht jetzt noch nicht verfügbar sei. Auch Solarthermie spiele noch eine untergeordnete Rolle.

Auch Manfred Rauschen, geschäftsführender Gesellschafter des in Heessen ansässigen Öko-Zentrums NRW, beklagt die immer noch „gigantische“ Zahl von Heizungen, die mit Öl und Gas betrieben werden. Zwei Drittel der Renovierer und Häuslebauer würden sich immer noch für die fossilen Energieträger entscheiden. „Wir müssen weg von diesen Klimakillern“, macht Rauschen klar. Auch ihm ist bewusst, dass vermutlich in erster Linie der Preis die Entscheidung beeinflusst.

Experten zu Heizungen: „Wir müssen weg von diesen Klimakillern“

Für den Geschäftsführer des Öko-Zentrums besteht kein Zweifel daran, dass die notwendigen Klimaziele der Bundesregierung nur durch ein Umdenken erreicht werden können. Rauschen lässt darum auch viele Vorurteile nicht gelten, die kursieren, um das Gesetzesvorhaben madig zu machen:

  • Entgegen der Vorurteile gebe es genügend Wärmepumpen, weil die Industrie die Produktion erheblich gesteigert habe – da widerspricht er also Grommes.
  • Selbst in Altbauten lohne der Einbau von Wärmepumpen mittlerweile. Da komme es nur darauf an, sich über spezielle Lösungen zu informieren.
  • Dass Wärmepumpen teurer sind als „konventionelle“ Heizungen kann Rauschen nicht von der Hand weisen. Allerdings rechne sich die Investition auf Dauer, wenn man den Zuschuss der Bundesregierung, die weiter steigenden Kosten bei Öl und Gas und die politisch gewollten Aufschläge auf den CO2-Ausstoß gegenrechnet. Ganz abgesehen vom Klimaschutz.

Rauschen moniert auch, dass es sich heute noch viele Heizungsbauer zu einfach machten und teils aus Bequemlichkeit so arbeiten wie seit Jahrzehnten. Natürlich seien Schulungen der Mitarbeiter erforderlich, um neue Techniken kennenzulernen. „Wir arbeiten daran, dass der Qualifizierungsprozess möglichst schnell geht“, weist er auf Fortbildungen hin.

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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