Stattdessen müssen sie mehr zahlen

Hochbegabtes Kind: Eltern wünschen sich mehr staatliche Unterstützung

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Ein junges Ehepaar aus Plettenberg würde sich mehr staatliche Unterstützung für ihren hochbegabten vierjährigen Sohn Diego wünschen.
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Die Eltern des hochbegabten Diego wünschen sich eine rückwirkende Erstattung der Kita-Gebühren, weil ihr Sohn früher eingeschult wird und die Kita damit vor dem eigentlich beitragsfreien Jahr verlässt.

Plettenberg – In Deutschland wird gerade diskutiert, ob Leistung nicht besser belohnt werden müsste. Schwimmweltmeisterin Angelina Köhler moniert dabei, dass man in Deutschland 20 000 Euro für eine Goldmedaille bekommt, in Singapur aber 700 000 Euro und dass selbst ein Reality-Star beim Sieg im „Sommerhaus der Stars“ das Zweieinhalbfache bekomme.

Wiederfinden können sich bei dieser Diskussion auch eine 34-jährige Plettenbergerin und ihr vier Jahre älterer Mann (Name ist der Redaktion bekannt). Beide sind stolz auf Diego, ihren vierjährigen Sohn, der hochbegabt ist. Bemerkt wurden seine besondere Auffassungsgabe und sein gutes Allgemeinwissen im Familienzentrum Eschen.

„Wir waren erst einmal ein Stück weit überfordert mit der Situation“, sagt der Vater, dem bei der Diagnose in Bochum gesagt wurde: „Erwarten Sie keine Hilfe in Deutschland“. Der Plettenberger geht einem technischen Beruf in Plettenberg nach und bezeichnet sich als „normal gebildet“. Auch die Mutter, die sich als Hausfrau um das bislang einzige Kind kümmert, hat keinen akademischen Hintergrund, befasst sich nach der ersten Einschätzung aber intensiv mit dem Thema und ließ Diego im Februar in Bochum beim „Institut für das begabte Kind“ testen. Ihrem Sohn sei ein Intelligenzquotient von 134 attestiert worden (130 bis 145 stehen für Hochbegabung). Obwohl Diego erst nach dem Stichtag (30. September) 2025 sechs Jahre alt wird, darf er ein Jahr früher in die Schule. Die Schulpsychologin der Grundschule Eschen gab grünes Licht und bescheinigte der Familie die vorzeitige Schultauglichkeit.

Mehrmals im Monat nach Bochum

„Durch die frühzeitige Einschulung bekommen wir damit nur ein statt zwei Jahre erstattet. Es wäre aber fair, wenn wir rückwirkend die bereits gezahlten Kita-Beiträge zurückbekämen“, sagt die Mutter. „Das fände ich auch schön, aber hier geht es weniger um das Geld, als um ein Zeichen der Unterstützung“, betont der Vater, der seine Frau mehrmals im Monat begleitet, wenn sie mit Diego nach Bochum fährt, wo der Vierjährige zwei Kurse mit anderen hochbegabten Kindern besuchen kann.

Jugendamtsleiter Michael Schröder wies die Plettenbergerin darauf hin, dass sie gegen die Beitragserhebung Widerspruch einlegen könne.

„In Bayern werden hochbegabte Kinder über Stiftungen zusätzlich gefördert. Wir hatten neben den 180 Euro pro Monat und den Fahrtkosten auch die Kitabeiträge zu bezahlen, damit unser Kind am Bochumer Institut zwei Kurse belegen kann“, sagt die 34-jährige Plettenbergerin. „Es scheint so zu sein, dass man in Deutschland nur dann gefördert wird, wenn man finanziell benachteiligt ist und zugleich ein Problemkind hat.“

Hilfen sind möglich

Ein Stück weit bestätigte Michael Schröder diese Sichtweise, denn grundsätzlich könne das Amt nur wirtschaftliche Hilfen zur Erziehung finanzieren. Wenn ein Kind andere Kinder verprügele, weil es die Sprache nicht richtig verstehe, könne man eingreifen und Hilfen anbieten.

Bei zu fördernden hochbegabten Kindern müsse man hingegen zunächst selbst erörtern, welche Fördertöpfe hilfreich seien, doch Hilfe und Unterstützung biete man in jedem Fall an.

Kommentar: Keine Förderung für Dichter und Denker

Das Land der Dichter und Denker steht vor schwierigen Zeiten. Der effizienteste Dieselmotor wurde jüngst in China vorgestellt und Toyota präsentierte in Japan einen neuen Verbrennermotor, der auch für CO2-neutrale Kraftstoffe geeignet ist. Rings um Deutschland wird getüftelt, geforscht und entwickelt. Die Albert Einsteins von morgen werden in Deutschland dagegen eher stiefmütterlich behandelt und müssen zahlungskräftige Eltern haben, wenn sie optimal gefördert werden sollen. Denn der Staat beschränkt sich vor allem darauf, Problemfälle zu fördern, statt auch ein Augenmerk auf überdurchschnittlich begabte Kinder und Jugendliche zu werfen.

Nun ist die Problemhilfe sicherlich wichtig, aber die Diegos dieser Welt sind es vielleicht, die Deutschland wieder nach vorne bringen können. Und dann ist es gut investiertes Geld in die Zukunft unseres Landes.

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