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Immer weniger Studierende schreiben sich an der Hochschule Hamm-Lippstadt ein. Und in Sachen Drittmittel holt die Hochschule die wenigsten unter allen Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen. Wohin steuert die HSHL?
Hamm – Jahrelang ging es für die Hochschule Hamm-Lippstadt nur nach oben. Mit 80 Studierenden fing man 2009 an, zehn Jahren später waren es schon mehr als 6 000. Seitdem nimmt die Zahl der Studentinnen und Studenten aber wieder ab, und das kontinuierlich. Gleichzeitig akquiriert die Fachhochschule deutlich weniger Drittmittel als andere.
Rund 6 100 Studierende nennt die Hochschule für das Studienjahr 2020/21, 5 600 für 2021/22 und schließlich 5 140 für 2022/23. Bei den Erstsemestern waren es mal mehr als 1 800 (2015/16). Zuletzt lautet die Reihe 1 080 (2020/21), 891 (2021/22) und 805 (2022/23).
Sinkende Erstsemesterzahlen seit 2021
Die negative Entwicklung war bereits 2021 aufgefallen. Die damals gerade ins Amt gelangte HSHL-Präsidentin Prof. Dr.-Ing. Kira Kastell hatte Corona und die stärkere Konkurrenz unter den Hochschulen als mögliche Gründe ausgemacht. Sie hatte auch erste Ansätze genannt, wie mit dem Rückgang umzugehen sei: „Hier werden wir in Zukunft stärker herausarbeiten müssen, was unsere interdisziplinären Studiengänge auszeichnet, dies gut kommunizieren und die stetige Weiterentwicklung unseres Angebots im Blick behalten.“ Zunächst, so hieß es damals, gebe „die kurzfristige Entwicklung keinen Grund zur Sorge, da die HSHL viele Jahre lang mehr Studienanfänger aufgenommen hat, als ursprünglich geplant“.
Die Probleme sind geblieben. Die HSHL sieht sich inzwischen von einer landesweiten Entwicklung in den „Mint“-Fächern Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften betroffen und kündigte eine intensivere Zusammenarbeit mit Schulen an. Zudem analysiere man alle weiteren Faktoren, die zum Rückgang der Studienanfänger möglicherweise beigetragen haben, sagte Kastell im Oktober. „Wenn wir Optimierungsbedarfe erkennen, werden wir nicht zögern, sie aktiv anzugehen.“ Abgeschlossen sei die Analyse noch nicht, sagte HSHL-Sprecherin Johanna Bömken jetzt.
Drittmittel als Indikator für die Forschungsleistung
Doch die Studierendenzahl ist nicht alles. Wichtig für die Entwicklung einer Hochschule sind auch die eingeworbenen Drittmittel. Solche Gelder „von dritter Seite“ werden von Unternehmen oder von öffentlichen Einrichtungen wie Ministerien oder Forschungsgesellschaften für bestimmte Projekte zur Verfügung gestellt. Sie gelten als Indikator für den Stand der wissenschaftlichen Forschung an der Hochschule.
Daten des Landesbetriebs IT NRW zufolge konnte die HSHL ihre Drittmittel von 2017 bis 2020 zwar steigern, blieb unter den Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen aber mit Abstand die mit den wenigsten Mitteln aus dritter Hand. Hier lohnt insbesondere ein Vergleich mit den beiden gleichzeitig mit der HSHL gegründeten Hochschulen Ruhr West und Rhein-Waal: Akquirierte Hamm-Lippstadt 2020 rund 1,6 Millionen Euro, waren es an der Ruhr 3,9 Millionen und am Rhein 3,7 Millionen Euro.
Präsidentin sieht HSHL bei Drittmitteln auf gutem Weg
Die HSHL sieht sich hier im Aufwind. 2,2 Millionen Euro an Drittmitteln nennt Sprecherin Bömken für 2021. Für 2022 lägen noch keine Daten vor. Man habe in den vergangenen Jahren vermehrt strategische Anträge gestellt und auch bewilligt bekommen. Zudem stünden gemeinsame Projekte mit der Stadt Hamm bevor. Auch Kastell ist zuversichtlich: „Die Forschungsaktivitäten der HSHL zeigen auch über die Pandemie hinweg eine gute Entwicklung, die sich absehbar positiv fortsetzt.“