Forderung nach Starkregenkonzept

Hochwasser bei Familie Schmieding in Vellinghausen

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Sebastian Schmieding entsorgt den Hausrat, der durch das Hochwasser unbrauchbar geworden ist.
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Ob Waschmaschine und Trockner, ob Kühltruhe oder Mobiliar – Sebastian Schmieding hat einen ganzen Container gefüllt mit all jenem Hausrat, der dem Starkregen in der Nacht zu Freitag, 23. Juni, zum Opfer gefallen ist. Erst seit Oktober wohnt er mit seiner Familie im Westholz jetzt musste er miterleben, wie das Wasser seinen Keller überschwemmte.

Vellinghausen – „42 Zentimeter hoch stand das Wasser“, berichtet der 47-Jährige. Dabei war am Abend vorher und mitten in der Nacht das Unheil noch nicht abzusehen gewesen. „Als der erste starke Regen gefallen war, waren wir noch nicht beunruhigt. Auch als unser ältester Sohn gegen Mitternacht nach Hause gekommen ist, war noch alles in Ordnung“, so der Betroffene.

Doch gegen viertel nach zwei wurde Sebastian Schmieding vom Sturm wach. „Da hörte ich es im Keller plätschern. Ich bin sofort runter und bekam die Tür zum Waschkeller kaum auf“, schildert er die dramatischen Ereignisse. „Das Wasser stand schon Zentimeter hoch.“ Denn die Rückschlagklappe war dem Druck der Wassermassen nicht gewachsen, die durch den Rückstau auf dem überlasteten Abwasserkanal den Weg ins Haus fanden.

Besonders kritisch hätte es für den im Wohnkeller schlafenden Sohn werden können, der nicht ahnen konnte, dass unter seinem Bett das Wasser stieg und stieg. „Es ein großes Wunder ist, dass er nicht durch einen Stromschlag ums Leben gekommen ist“, so Schmieding. Schließlich flogen wenig später die Sicherungen raus, da die elektrischen Geräte vom Wasser erreicht wurden.

Die im Nu angerückte Feuerwehr Vellinghausen-Eilmsen, bei denen sich Schmieding ausdrücklich bedankt, pumpte das Wasser aus dem Keller. „Ihr seid unsere Helden“, lobt der Neu-Vellinghauser die Arbeit der Blaukittel. Der Bauhof der Gemeinde rückte mit einer Pumpe an, die 16000 Liter pro Minute pumpen kann, um die Pumpstation im Westholz zu entlasten.

Dieses Pumpwerk konnte der Wassermassen in der Nacht nicht Herr werden. Wie Gemeindesprecher Wolfgang Lückenkemper erklärte, funktionierte die Pumpe zwar einwandfrei und hätte auch noch mehr Wasser pumpen können in Richtung Kläranlage in Dorfwelver. Doch da in dieser Nacht von allen Pumpstationen im Gemeindegebiet enorme Wassermengen in die Richtung befördert wurden, war die Kapazität der Kläranlage erschöpft.

„Eine größere Pumpe würde hier auch nicht helfen“, so Lückenkemper. So blieb nichts anderes übrig, als das Wasser aus dem Vellinghauser Bereich durch die externe Pumpe in den Geithebach zu pumpen, der in Richtung Lippe entwässert.

Ortsvorsteher Frank Lukow sieht allerdings das Problem, dass die Gräben rund um das Pumpwerk zum Teil zugewuchert sind. „Sie werden nur einmal im Jahr im September vom Wasser- und Bodenverband ausgekoffert. Einem häufigeren Baggern steht der Naturschutz entgegen“, erläutert der Ortsvorsteher.

Umso dringlicher ist sein Appell, dass das Starkregenkonzept der Gemeinde vorangetrieben wird. „Die Dimension der Kanäle ist zu gering“, fürchtet er zunehmende Starkregenereignisse. Um die weiß auch die Gemeinde. „Das Starkregenkonzept ist in Arbeit“, beteuert Lückenkemper.

Sebastian Schmieding baut darauf, dass Maßnahmen ergriffen werden, um dieser Wassermassen Herr zu werden. Er muss jetzt erst einmal eine neue und dann hoffentlich stabile Rückstauklappe einbauen lassen, nachdem die Schäden im Keller beseitig sind. „Wir haben vier Trocknungsgeräte und zwei Hochleistungsgebläse im Einsatz“, muss erst einmal die Feuchtigkeit raus aus dem Boden und dem Gemäuer.

Unwiederbringlich verloren sind indes Fotos und Erinnerungsstücke sowie Spielzeug, das dem Abwasser zum Opfer gefallen ist. Das ersetzt auch keine Elementarversicherung, über die Familie Schmieding um Glück verfügt.

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