VonFlorian Hesseschließen
Das Hochwasser in der Nacht zu Freitag hat die Oberbrügger stark getroffen. Zwischenzeitlich verließen Menschen ihre Wohnungen,
Halver/Oberbrügge – Es gab keine Verletzten. Die wirtschaftlichen Schäden blieben überschaubar. Die neuen Hilfsstrukturen haben sich bewährt. Das Bürgerhaus in Oberbrügge zeigt sich als hervorragender Platz zur kurzfristigen Unterbringung zwischenzeitlich wohnungsloser Menschen. Es gab viele gute Nachrichten wie diese und noch mehr aus der neuen Flutnacht zu Freitag.
Einsatzzentrale bleibt in Bereitschaft
Die schlechte ist: Die Hilfsorganisationen wie Feuerwehr, DRK, THW und die Stadt Halver selbst werden die Einsatzzentrale im Gerätehaus des Löschzugs Oberbrügge zunächst aufrechterhalten. Der Pegel der Volme ist nach wie vor hoch. Für diesen Samstag sind wieder massive Regenfälle angekündigt. Daher ist nicht auszuschließen, dass die kritische Marke am Pegel Stephansohl erneut erreicht oder überschritten wird. Konkret heißt das, dass die inzwischen rund 800 Sandsäcke für den Objektschutz an Ort und Stelle verbleiben, Stühle und Tische bleiben im Gerätehaus, und auch das Bürgerhaus Am Nocken ist in Bereitschaft.
Zusammenarbeit funktioniert
Die Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen habe mit kurzen Wegen gut funktioniert, urteilen in einem Fazit Feuerwehrchef Dennis Wichert, Rotkreuzleiter Werner Neuhoff und Lutz Eicker vom Ordnungsamt. Man habe aus den Erfahrungen der Flut im Juli 2021 gelernt, Konsequenzen gezogen und den Hochwasserplan systematisch abgearbeitet, sagte Eicker im Rückblick.
Bürger dankbar und vorbereitet
„Die Bevölkerung hat mitgezogen und war zu weiten Teilen auch gut vorbereitet“, stellt Wichert fest. Wichtig gewesen sei, dass man bereits frühzeitig auf die Bürger zugegangen sei. Der Maßnahmenplan Hochwasser dient dabei als Orientierung für die Einsatzkräfte, die bei verschiedenen Warnstufen des Pegels vor Schalksmühle bestimmte Maßnahmen einleiten. 206,4 Zentimeter erreichte der Pegel um 0.45 Uhr in der Spitze.
Hochwasser trifft Oberbrügge




Mehr als 100 Kräfte waren in der Nacht zeitweise zusammengezogen, um reagieren zu können, so der Stand kurz vor Mitternacht. „Großartige Arbeit“ bescheinigt auch der Märkische Kreis den Helfern.
250 Kräfte im Kreis, über 100 in Halver
Kreisweit hatten sich etwa 250 Kräfte die Nacht um die Ohren geschlagen. Schwerpunktmäßig betroffen war dabei Oberbrügge. Auch Kreisbrandmeister Michael Kling und Bürgermeister Michael Brosch machten sich persönlich ein Bild von der Lage. „Ein Riesendank gehört allen Helfern“, sagte am Morgen Brosch. „Das ist eine Truppe, auf die wir uns zu 100 Prozent verlassen können.“ Das sei wichtig, denn „die Angst der Menschen ist immer noch da“, so seine Einschätzung.
Spontane Hilfe für Ukrainer
Ein weiterer Dank der Hilfsorganisationen wie auch des Bürgermeisters geht an das Christliche Gemeindezentrum in Oberbrügge.
Denn Gemeindevorstand Dietrich Willer suchte kurz nach Mitternacht die Einsatzzentrale auf und bot Hilfe an. Und die war willkommen. Während die meisten Bewohner in den flutgefährdeten Bereichen gegen 1 Uhr morgens in ihre Häuser zurückkehren konnten, gab es zunächst kein Zurück für 15 Kriegsvertriebene aus der Ukraine. Sie konnten die Nacht im Gemeindezentrum verbringen und dort am Morgen auch frühstücken, waren somit nicht auf die mögliche Notunterbringung in der Turnhalle des Bürgerhauses angewiesen.
Nina-App funkt dazwischen
Einziger Kritikpunkt in der Krisennacht war die Kommunikation. Die lief professionell und völlig unkompliziert zwischen Feuerwehr, Stadt und den lokalen Medien, um die Bevölkerung auf dem Stand der Dinge halten zu können. Doch als Feuerwehr und Stadt tatsächlich mit einem differenzierten Text die betroffenen Anwohner dazu aufriefen, vorsichtshalber die Häuser an den gefährdeten Straßen zu verlassen, wurde das in der Warnapp Nina zur Ankündigung einer „Evakuierung“. Erst wer auf dem Handy weiterscrollte, fand die abgewogene Formulierung der lokalen Einheiten, die keine unnötige Angst produzieren wollten. Die Nina-Warnungen seien aber offenbar standardisiert und vermutlich kaum abänderbar, so die Einschätzung.
Ruhrverband regelt Abgabe herunter
Die Entwicklung der Lage zum Wochenende hin war mit Stand von Freitagmittag schwer einzuschätzen. Wettermodelle gingen von bis zu 40 Litern neuem Regen pro Quadratmeter aus mit gleichzeitigen Warnungen vor Sturmböen. Der Ruhrverband spricht von „einer für die Jahreszeit typischen Hochwassersituation“ und versucht, durch die Staumöglichkeit seiner Talsperren die Situation an den Gewässern zu entschärfen. Von Donnerstag- bis Freitagmorgen seien 13 Millionen Kubikmeter zurückgehalten worden, um die Flüsse zu entlasten. Bei einem Zufluss von 211 Kubikmetern pro Sekunde in den Sperrenverbund seien lediglich 22 Kubikmeter pro Sekunde weitergereicht worden.
